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Am Rande der nächsten Rezession? | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (12/2019)

Die Unsicherheiten der Anleger bezüglich der schwächelnden Weltwirtschaft wurden diese Woche durch schwache deutsche Wirtschaftsdaten befeuert. Sowohl die französischen Einkaufsmanagerindizes, als auch der Wirtschaftsausblick der Zentralbanken bestärken die schwachen Daten aus Deutschland.

Befinden wir uns im Auftakt zum Ausbruch der nächsten Rezession? Die amerikanische Notenbank läutet überraschenderweise einen Kurswechsel ein. Fed-Chef Powell hat auf der Sitzung am Mittwoch die geplanten Zinserhebungen für 2019 ausgeschlossen und den Abbau der krisenbedingt aufgeblähten Notenbank-Bilanz wird er ebenfalls beenden. Diese Nachrichten führten zu einem weltweiten Absturz der Renditen: so haben die zehnjährigen Bundesanleihen seit Oktober 2016 erstmals wieder negativ rentiert. Die kurzfristigen US-Anleihen notieren höher als die langfristigen (s. Tabelle), weshalb wir erstmals seit 2007 eine inverse Zinskurve ablesen konnten. Die Konjunktursorgen haben weltweit an den Finanzmärkten eine Ausverkaufsstimmung ausgelöst.

Quelle: CNBC (Stand: 24.03.2019)

Die größte Unsicherheit herrscht derzeit allerdings in Großbritannien, wo kurz vor dem Brexit-Termin am 29. März weiterhin unklar ist, was passieren wird. So plant die britische Regierung laut aktuellsten Nachrichten den Sturz der Premierministerin Theresa May. Ihr Nachfolger könnte Stellvertreter David Lidington werden, bevor ein neuer Premierminister gewählt werden würde. Eindeutig ist allerdings, dass die Briten in Zeitdruck geraten, da auch von Seiten der EU nicht mehr Zeit eingeräumt wird. Großbritannien kann den Brexit nur noch bis zum 12. April verschieben. Somit wird vermieden, dass sie an den Europawahlen teilnehmen. Proteste in London haben die gespaltene Meinung des Landes ganz klar dargestellt: so fordern inzwischen fast fünf Millionen Menschen die Regierung mittels einer Online-Petition zum Stopp des Brexits auf, während Brexit-Hardliner auf einen Austritt ohne Abkommen bestehen. 

Italy first – so hat die italienische Regierung als erstes Land der größten sieben Wirtschaftsnationen G7 mit China den „Seidenstraßen-Deal“ unterzeichnet. Das Abkommen und 29 weitere Vereinbarungen beinhalten Aufträge an italienische Unternehmen im Gesamtvolumen von mehreren Milliarden Euro, den Bau von Stahlfabriken in China, die Lieferung von Gasnetzen, sowie den Export von Landwirtschaftsprodukten. Dafür wird China unter anderem in die Häfen in Genua und Triest investieren. Mit dem Seidenstraßen-Projekt bezweckt China den Aufbau neuer Handels- und Verkehrsnetze zwischen den Kontinenten – Kritiker befürchten allerdings auch die Steigerung des wirtschaftlichen und politischen Einflusses von China.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Wall oder Wall Street | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (06/2019)

Die Ausverkaufsstimmung an den Börsen wurde gegen Ende der Woche maßgeblich vom US-Präsidenten Trump ausgelöst. Einige Wochen nach dem längsten Shutdown in der amerikanischen Geschichte hat er in seiner Ansprache zur Lage der Union (State of the Union Address) das Loch der gespaltenen amerikanischen Politik noch tiefer gegraben. Anstatt die Rede für die Korrektur seiner bisherigen Politik zu nutzen, hat er seine Überzeugung, eine Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko zu bauen, erneut appelliert.

Zudem haben sich die Hoffnungen auf eine Lösung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China erneut verschoben, da das geplante Gipfeltreffen zwischen den beiden Handelsmächten auf den März verlegt wurde – also nach Ablauf der gesetzten Frist im Handelsstreit.

In Europa verdichtet sich zunehmend die Angst vor einer Rezession. In Deutschland hat erstmals seit über neun Jahren Boom ein Abschwung der Konjunktur stattgefunden. Die Stimmen häufen sich, dass die europäische Wirtschaft teilweise schon in einer Rezession steckt. Aktuelle Zahlen der EZB und der EU-Kommission haben die Abkühlung der Wirtschaft im Euroraum bereits signalisiert, da diese aufgrund geringerer Nachfrage aus dem Ausland deutlich schwächer ausgefallen sind. Das schwarze Schaf in der EU stellt das hochverschuldete Land Italien dar – dort haben sich die Konjunkturaussichten zuletzt drastisch verschlechtert. Die EU-Kommission hat das Wirtschaftswachstum zuletzt auf lediglich 0,2 Prozent (zuvor: 1,2 Prozent) geschätzt.

Pessimismus hat sich auch bei den Unternehmern der deutschen Wirtschaft verbreitet: die Umfrage des DIHK unter 27.000 Unternehmen hat verdeutlicht, dass die Geschäftserwartungen in nahezu allen Branchen deutlich schlechter eingeschätzt werden.

Wie werden die Notenbanken gegen diese Entwicklungen vorgehen? Der Handlungsspielraum in der Zinspolitik der EZB ist bei einem Fortschreiten der konjunkturellen Abschwächung minimal.

Auch in den USA verdichten sich die Anzeichen einer abschwächenden Wirtschaft. Die FED hat im Zuge der strafferen Geldpolitik der amerikanischen Wirtschaft Liquidität entzogen, doch mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftslage muss sie zukünftig vorsichtig handeln.

Nachdem Analysten in der aktuellen Berichtssaison mit nach unten korrigierten Gewinnzuwächsen in Höhe von 10,6 Prozent (statt 15 Prozent) gerechnet haben, wurden die Gewinnerwartungen teilweise doch übertroffen. Dennoch sind die Erwartungen für das erste Quartal 2019 negativ – ist das ein Zeichen für uns bevorstehende, volatile Märkte in diesem Jahr?

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen

A Black December to Remember | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (51/2018)

Selten zuvor war ein Dezember so negativ wie der in 2018 – zumindest was den S&P 500 Index betrifft: A black December to remember indeed…

Wir haben im amerikanischen Standardwerteindex S&P 500 für den Dezember bisher eine negative Kursperformance von 12,45 Prozent zu Buche stehen. Grund dafür ist die vierte und letzte Zinserhebung der amerikanischen Notenbank für das Jahr 2018.

Am vergangenen Mittwoch tagte der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank Fed und im Anschluss wurde eine weitere Zinserhöhung bekannt gegeben. Der Beschluss der amerikanischen Notenbanker fiel sogar einstimmig. Entscheidend waren die Aussagen von Fed-Chef Powell auf der anschließenden Pressekonferenz: Die Bilanzsumme der Fed wird nach wie vor jeden Monat um 50 Milliarden USD schrumpfen. Diese 50 Mrd. USD werden natürlich als Liquidität dem Markt entzogen – und genau diese Aussagen sorgten für ein wenig Unsicherheit an den amerikanischen Finanzmärkten.

Aus ökonomischer Sicht ist die Zinserhöhung absolut richtig. Noch sind die amerikanischen Konjunkturdaten robust, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Der Arbeitsmarkt läuft immer noch rund. Die Notenbank muss jetzt die Zinsen erhöhen, um für die nächste Krise genügend Munition zu haben, um dann wieder die Zinsen senken zu können.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial notierte auf Wochensicht -6,87 Prozent schwächer. Bei uns zu Lande waren die Märkte etwas weniger negativ. Der DAX schloss die Woche mit einem Minus von NUR 2,13 Prozent.

Auch wenn die Börsen-Perspektiven eingetrübt sind wünschen wir Ihnen ein erholsames Weihnachtsfest!

Ihr Team der Main Value


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen

Lehman Brothers: Lesson Learned? | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (37/2018)

Die unspektakuläre 37. Börsenwoche ist zu Ende. Der Leitzins in Europa verbleibt nach wie vor bei 0,00 Prozent, Trump bleibt eine Gefahr für die Weltwirtschaft und wir erinnern uns an die Lehman Brothers Pleite, welche vor 10 Jahren die Welt erschütterte.

Hat die letzte Woche Klarheit über die Zukunft der Kapitalmärkte gebracht? Nein, aber zumindest konnten viele Fondsmanager und Finanzexperten über Ihre Lehman-Lektion berichten. Die Nagelprobe, ob daraus gelernt wurde, folgt mit der nächsten Krise.

Nach dem Kollaps des Finanzsystems vor zehn Jahren warnen Experten vor einer baldigen Wiederholung. Es stellt sich dabei vor allem die Frage, inwiefern die Finanzwelt und Wirtschaft aus den Geschehnissen in 2008 gelernt hat. Europäische Banken sind heute theoretisch sicherer, da sie durch zahlreiche regulatorische Maßnahmen ihre Kapitalquoten erhöht haben. Allerdings belasten weiterhin zahlreiche notleidende Kredite die Bilanzen der europäischen Kreditinstitute. Zudem erschweren das Niedrigzinsumfeld und vielfache politische Unsicherheiten im Euroraum Ihre Renditegenerierung.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Die Indizes erlebten eine eher ruhige Woche, welche von Stabilisierung geprägt war. Der deutsche Leitindex DAX konnte die 12.000 Punkte-Marke wieder erreichen und schloss nach einem positiven Verlauf mit einer Steigung um 1% bei 12.121,90 Punkten. Der Wochenverlauf des EURO STOXX 50 ähnelte dem deutschen Leitindex und schloss mit positiven Gewinnen um 0,9 Prozent bei 3.336,24 Punkten.

Die amerikanischen Leitindizes verabschiedeten sich ebenfalls positiv in das Wochenende: der S&P 500 erholte sich von den starken Schwankungen zu Beginn der Woche und schloss positiv mit 0,6 Prozent bei 2.904,02 Punkten – ebenso der Dow Jones 30 Industrial Index, welcher mit einer positiven Steigerung um 0,6 Prozent bei 26.148,10 Punkten schloss. Lediglich der NASDAQ Composite Index durchlebte eine volatilere Woche, konnte jedoch gegen Ende der Woche ebenfalls mit positiven Werten bei 8.010,04 Punkten abschließen.

Der veröffentlichte Michigan-Konsumklima Index stellte dar, dass das Kaufverhalten der amerikanischen Verbraucher unerwartet stark um 4,6 Prozent angestiegen ist. Abgefragt werden regelmäßig die finanzielle und wirtschaftliche Lagebeurteilung, sowie die Erwartungen der Haushalte. Der Index ist insofern kritisch zu betrachten, da für die Darstellung des Kaufverhaltens amerikanischer Verbraucher lediglich eine Stichprobe von ca. 500 Haushalten betrachtet wird.

Ein Blick ging diese Woche erneut in Richtung Türkei: Die türkische Notenbank hat diese Woche eine Zinsanhebung um 6,25 Prozent auf 24 Prozent durchgeführt, woraufhin die türkische Währung Lira deutlich anstieg. Erdogan kritisierte diesen Schritt der Zentralbank, da er zuvor niedrige Zinsen gefordert hatte.

Welche Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?

Die 37. Börsenwoche startet mit dem Empire State Manufacturing Index in den USA, woraufhin am Dienstag die Redbook Einzelhandelsumsätze folgen. Am Mittwoch erwarten die deutschen Anleger die Zahlen des Auftragsbestandes des verarbeitenden Gewerbes. Der Philadelphia-Fed-Index im Monat September wird am Donnerstag veröffentlicht. Das Wochenende wird am Freitag mit dem Einkaufsmanagerindex PMI für das verarbeitende Gewerbe und dem Dreifachen Verfallstag, dem sogenannten „Hexensabatt“ eingeleitet.