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Das Auf und Ab an den Märkten geht weiter – wer sitzt fest im Sattel? | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (37/2020)

Die Märkte waren in dieser Woche wieder sehr stark in Bewegung. Besonders war hierbei der Ungleichtakt zwischen den USA und Europa. Ähnliches Bild konnten wir an den Rohstoffmärkten sehen – während sich Gold und Silber nur marginal veränderten, geriet Öl (-6,42%) enorm unter Druck – das freut derzeit die Autofahrer. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegt hat.

Trump fest im Sattel, aber wer hält die Zügel?

Die Märkte in den USA schlossen alle samt im Minus (Dow Jones -1,66%, NASDAQ -4,60% und S&P 500 -2,51%). Dies wäre zur Vorwoche sicherlich nicht stark verwunderlich, wenn nicht die europäischen Indizes mit einem Plus schlossen (DAX 2,80%, Euro Stoxx 1,69%).

Sicherlich hat die “Labor Day” Woche rund um die Trauerfeier anlässlich 9/11 ihren Anteil an der schwachen Woche an den US-Märkten gehabt. Doch auch der US-Wahlkampf wird seinen Einfluss auf die Zurückhaltung an den amerikanischen Märkten haben. Nachdem Trump in den letzten Umfragewerten deutlich aufholen konnte, wird sich wohl Verunsicherung breit machen bei den Anlegern, ob des Ausgangs der Wahl und der zukünftigen Wirtschaftsausrichtung im Land.

Die EU und Euro-Zone sollte sich gut festhalten

Die EU hat die Bruttoinlandszahlen der Mitgliedsstaaten diese Woche vorgestellt. Dabei waren sicherlich keine Jubelsprünge zu erwarten, aber die vorgelegten Zahlen sorgten dennoch für Ernüchterung. Die EU verzeichnete ein Minus von 12,1% und die Euro-Zone -11,9%. Von Erholung sind wir also weiterhin noch entfernt. Die größten Verlierer sind dabei die alt-bekannten Länder Spanien (-18,5%), Portugal (-14,1%) und Frankreich (-13,8%). Deutschland liegt mit -10,1% im Mittelfeld.

Als wäre die Krise nicht genug, bäumt sich ein vermeintlich beruhigtes Pferd wieder auf. Zwischen der EU und Großbritannien ist ein Streit entstanden, da die festgelegten Austrittsvereinbarungen wohl souveräne Staaten in ihrem Freihandelsabkommen beschneiden. Wie lang wird dieser wilde Rodeo noch andauern?

Gibt die FED nächste Woche den Märkten die Sporen?

Die EZB hat in ihrer Sitzung am Donnerstag verkündet keine Lockerungssignale auszusenden. Was die vorgelegten GDP-Zahlen wohl auch kaum begründen würden. Von ihrem PEPP-Programm in Höhe von 1,35 Billionen € wurden erst 500 Mrd. € ausgeschöpft und das langjährige Inflationsziel von knapp unter 2% ist ebenfalls weit entfernt.

Die FED hat bereits einen Strategiewechsel verkündet und alle sind auf die Aussagen nächste Woche gespannt und die Reaktionen an den Märkten. Die FED will nun Inflationszahlen über zwei Prozent tolerieren, wenn sie vorher lange darunter lag. Doch wie sehen dann die Maßnahmen von der FED aus? Wir werden es nächste Woche spätestens wissen.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Erwartungen – wie sie uns und die Märkte beeinflussen | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (21/2020)

Die Hiobsbotschaften der Krise werden langsam leiser und die Länder lockern immer weiter die strikten Einschränkungen. Derweilen versuchen sie ihre niederliegenden Wirtschaften mit immer neuen Hilfspaketen aufzurichten. Und die Verbraucher lechzen nach ihren Sommerurlauben. Können die Erwartungen von allen erfüllt werden? Werfe wir einen Blick darauf was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Erwartung der Märkte – was ist schon eingepreist?

Die Märkte konnten sich diese Woche wieder erholen. Der Dow Jones schloss die Woche am Freitag mit einem Plus von 3,29 Prozent ab – getragen von den „positiven“ Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Man erwartete einen Anstieg von 2,4 Mio. Arbeitslosen, aber es waren „lediglich“ 2,2 Mio. am Ende der Woche. Der DAX schloss die Woche mit einem Plus von 5,82 Prozent. Hier begünstigt die Erwartung nach weiteren staatlichen Hilfspaketen oder direkten staatlichen Hilfen den Aufwärtstrend. Im Umkehrschluss heißt es, dass die Märkte Erwartungen sehr früh einpreisen, sodass selbst höhere Arbeitslosenzahlen oder stagnierenden Wirtschaften sich positiv auf die Märkte auswirken. Solange der Erwartungswert selbst positiv bleibt.

Hilfspaket – nein danke!

„Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul“ gilt anscheinend nicht in der EU. Das geplante deutsch-französische Hilfspaket stand diese Woche unter starker Kritik und droht zu scheitern. Warum? Was nach einem generösen Angebot für die südlichen Länder Europas klingt, soll am Ende doch von allen EU-Partnern finanziert werden. Und niemand lässt sich von anderen in die Haushaltskasse greifen. Wo ist in diesen schweren Zeiten eigentlich die EU selbst? Wieso können sie die Erwartungen der Länder nicht begegnen. Und welches Ende wird die EZB mit ihren Anleihenkäufen wählen und damit die eine oder andere Seite enttäuschen?

300 Euro Helikopter-Geld für Kinder in Deutschland

Olaf Scholz legte diese Woche die Erwartungen deutscher Familien sehr hoch. Mit seinem Vorschlag pro Kind 300 Euro auszuzahlen, folgte er Beispielen aus anderen Ländern „Helikopter-Geld“ zur Unterstützung der Wirtschaft verteilen zu wollen. Doch entspricht es tatsächlich der Erwartung der Familien in der aktuellen Situation? Und kommt das Geld wirklich in der Wirtschaft an? Egal ob und wie es kommt, die Erwartungen können hier nicht erfüllt werden und der Erwartungswert wird negativ sein. Außerdem sagte bereits Milton Friedman „There is no free lunch“ – woher kommt das Geld und wer finanziert es am Ende? Sicherlich nicht Olaf Scholz persönlich.

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Die Hoffnung auf Normalität treibt die Börsen | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (15/2020)

Ostern ist das Fest der Hoffnung. Das ist genau, was wir in der aktuellen herausfordernden Zeit benötigen – die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Die Börse und die Hoffnung sind zukunftsorientiert. Beide können in gewissem Maße als der Motor des Lebens und der Antrieb unserer Existenz gesehen werden. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Hoffnung ohne Handeln ist nicht genug

In der vergangenen kurzen Börsenwoche legten die globalen Aktienindizes dank der Entwicklungen zur Eindämmung des Virus (dessen Namen wir nicht mehr nennen werden) und die erlassenen Maßnahmen zur Absicherung der globalen Wirtschaft deutlich zu. Der deutsche Leitindex DAX bescherte uns vor den Osterferien mit einem Wochenbeitrag von 10,91 Prozent ein kleines Osternest. Trotz der stark steigenden Arbeitslosenzahlen in den USA konnten sowohl der Dow Jones Industrial Average, als auch der S&P 500 Index, der die Aktien der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst, über 12 Prozent Performance erzielen.

Doch nur zu hoffen, dass die Zahl der Infizierten sinkt ist nicht genug. Wir müssen weiterhin konsequent handeln. Wir sind eindeutig noch nicht über den Berg – wie Frau Merkel vor den Osterferien sagte: Wir dürfen jetzt nicht leichtsinnig werden.

Die Notenbankhelden und Staaten arbeiten rund um die Uhr

Die Notenbanken (Zentralbanken) und Staaten rund um den Globus legen Milliardenprogramme auf, die dabei helfen sollen, die Folgen der Virus-Krise in den Griff zu bekommen. Dabei fragen wir uns, ob solche Maßnahmen für einen Anstieg der Inflation sorgen könnten. Die Mischung aus Angebotsverknappung, die durch den Produktionsrückgang ausgelöst wird, Hamsterkäufe, gewaltige Liquiditätsmaßnahmen der Notenbanken und explodierende Haushaltsdefizite führen bekannterweise zu einem Anstieg der Preise.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Stillstand des globalen Welthandels. Bislang konnte der Welthandel die Inflation eindämmen. Unternehmen, Verbraucher und Staaten haben von der günstigen Arbeitskraft und von den günstigen Rohstoffen der Schwellenlänger profitiert. Durch den Einbruch des Welthandels werden Produkte, die nicht mehr importiert werden können, teurer. Auf der anderen Seite werden Produkte, welche nicht mehr exportiert werden können, wesentlich günstiger, da wir ein Überangebot aufbauen.

Diese Kombination aus Inflation und Deflation könnte eine besondere Herausforderung für die Staaten und Notenbanken darstellen. Nichtsdestotrotz sind wir uns sicher, dass auch hierfür eine Lösung bereitsteht.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Ergebnisse des deutschen Verbraucherpreisindex am kommenden Donnerstag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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US-Konjunkturprognosen weit verfehlt | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (08/2020)

In der abgelaufenen Börsenwoche haben die globalen Aktienmärkte überwiegend rote Zahlen geschrieben. Grund dafür: Das Coronavirus richtet weiterhin Verwüstungen an und die US-Konjunktur schrumpft zum ersten Mal seit der letzten Finanzkrise. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Die US-Konjunktur überrascht mit roten Zahlen

Mit Ausnahme der Schließung der US-Regierung im Jahr 2013 schrumpfte die US-Konjunktur zum ersten Mal seit der globalen Finanzkrise im Februar. Dies geht aus den aktuellen Ergebnissen der Umfrage zum US-Markit-Einkaufsmanagerindex hervor. Die Erwartungen der Analysten wurden sowohl im Dienstleistungssektor als auch im Produktionssektor weit verfehlt. Die Schwäche war vor allem im Dienstleistungssektor zu beobachten, wo der erste Rückgang seit vier Jahren zu verzeichnen war. Auch die Produktion im verarbeitenden Gewerbe kam fast zum Stillstand, da die Aufträge zum Erliegen gekommen sind.

Die Verschlechterung der Lage steht zum größten Teil im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Coronavirus in China. Besonders unter Druck kamen der Reise- und Tourismussektor, da viele Flüge und Reisen nach Asien insbesonders nach China gestrichen wurden. Sinkende Exporte nach China setzen den US-Produktionssektor, aber auch den Produktionssektor in Deutschland massiv unter Druck. US-Unternehmen berichteten jedoch auch über eine erhöhte Vorsicht bei ihren Ausgaben, da sie sich Sorgen um eine breitere wirtschaftliche Verlangsamung und die Unsicherheit vor den Präsidentschaftswahlen im Laufe dieses Jahres machen.

In der vergangenen Woche sahen wir wieder einmal ein Lehrstück darüber, wie volatil die Aktienmärkte sein können und vor allem wie Angst und Gier das Anlegerverhalten bestimmen können. Die Woche fing insgesamt freundlich an bis die Angst um das Coronavirus und die US-PMI-Zahlen gegen Ende der Woche für schlechte Laune sorgten. Der deutsche Leitindex DAX verlor 1,2 Prozent. Der NASDAQ 100 zeigt in der Wochenbilanz ein Minus von 1,84 Prozent. Der chinesische Leitindex CSI 300 konnte aufgrund der Liquiditätsmaßnahmen der Zentralbank (People’s Bank of Chine) überzeugen und schloss die Woche mit einem Plus von 4,06 Prozent ab.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf den ifo-Geschäftsklimaindex am kommenden Montag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Der Aktienmarkt fürchtet nur eins | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (06/2020)

Das Coronavirus fordert, trotz drakonischen Maßnahmen der chinesischen Regierung, mehr Tote als die SARS-Pandemie von 2002/2003. Das erste Mal, dass wir überhaupt von dem Coronavirus gehört haben, ist erst einige Wochen her. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Coronavirus – der nächste Störfaktor für die Weltkonjunktur

Die Märkte befinden sich zurzeit im Griff des Coronavirus. Viele Anleger fühlen sich an 2002 erinnert, als China der Ausgangspunkt für den Ausbruch des SARS-Virus war. In einem Zeitraum von knapp zwei Jahren kam es damals weltweit zu 8.000 Infizierungen und 800 Toten. Bereits einige Wochen nach der Bekanntmachung des Coronavirus sind aktuell über 800 Tote und die Zahl der Infizierten weltweit ist überhaupt nicht klar. Tatsache ist, dass aktuell einiges nicht klar ist. Nichtsdestotrotz läuten die Alarmglocken, und zwar erstens, weil wir heute in einer sehr vernetzten Welt leben, in welcher die Ausbreitung eines solchen Virus gewaltige Konsequenzen haben kann. Und zweitens, ist der Schaden für die Weltwirtschaft, falls der Virus nicht gestoppt werden kann, möglicherweise hoch.

Der Anteil des chinesischen BIP an der Weltwirtschaft lag beim Ausbruch des SARS-Virus 2002/2003 bei knappen 5 Prozent, heute sind es 16,5 Prozent. Um die chinesische Wirtschaft zu stützen hat die People’s Bank of China (PBoC) den Markt mit Liquidität in Höhe von 1,2 Bio. Yuan (ca. 173,8 Mrd. USD) versorgt. Die Notenbank hat das Geld in Form von umgekehrten REPO-Geschäften zur Verfügung gestellt. Dabei kauft die PBoC den Banken Wertpapiere ab und pumpt dadurch Geld in den Markt. Hierdurch erhöht sich kurzfristig die Geldmenge im Wirtschafssystem. Es dürfte nicht die einzige Maßnahme bleiben, welche ergriffen wird – es wurde u.a. eine Senkung des Leitzinses in Aussicht gestellt, sagte Markus Mitrovski im aktuellen Main Value-Konjunkturrückblick.

Die Aktienmärkte fürchten nur eins…

Die Aktienmärkte haben wieder gezeigt, dass sie nichts fürchten – außer Liquiditätsknappheit. Die obengenannten Liquiditäts-Maßnahmen der People’s Bank of China konnten vergangene Woche die Aktienmärkte auf neue Rekordhöhen treiben, vor allem in den USA. Dort gibt es 156 chinesische Unternehmen, die an den US-Börsen notiert sind und eine Gesamtmarktkapitalisierung von 1,2 Billionen Dollar aufweisen. Der NASDAQ 100 schloss die Woche mit einem Plus von 4,56 Prozent, der S&P 500 mit einem Plus von 3,17 Prozent und der Dow Jones Industrial Average mit einem Plus von 3 Prozent.

Doch falls das Coronavirus in diesem Tempo grassiert, wird es selbst für die Notenbanken schwierig die Aktienmärkte aufrechtzuerhalten. Es gibt immer noch Grund zur Annahme, dass der wachsende Coronavirus-Ausbruch in China eingedämmt werden kann, sagte ein hochrangiger Beamter der Weltgesundheitsorganisation am Samstag und wies auf einige Anzeichen hin, dass sich die Krankheit möglicherweise nicht so schnell ausbreiten wird, wie befürchtet – hoffen wir, dass er Recht behält.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Ergebnisse des Verbraucherpreisindex aus China am kommenden Montag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Börsenweisheit: Wie der Januar so das ganze Jahr?! | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (05/2020)

Ein ereignisvoller Januar geht zu Ende. Der Coronavirus färbt die Börsen rot. Die Nachrichten über die „Epidemie“ überschwemmten die Nachrichten so sehr, dass wir beinahe vergessen haben, uns am Freitag von Großbritannien zu verabschieden. Heute möchten wir uns mit einer alten Börsenweisheit beschäftigen. Soll der Januar ein Vorzeichen für das laufende Jahr sein? Werfen wir einen Blick darauf!

Wir stellen den Mythos auf die Probe

Letztes Jahr um diese Zeit haben wir auf CNBC einen interessanten Artikel mit dem Titel „As goes January, so goes the year: Old Wall Street indicator puts odds of 2019 gain at more than 80%” gelesen. Übersetzt heißt es: Wie der Januar, so das ganze Jahr: Der alte Wall Street-Indikator prognostiziert die Gewinnchancen für 2019 auf mehr als 80%. Die alte Börsenweisheit bzw. das Januar-Barometer ist die Hypothese, dass die Aktienmarktperformance im Januar die Performance für den Rest des Jahres prognostiziert. Wenn der Aktienmarkt im Januar steigt, wird er voraussichtlich bis Ende des Jahres weiter steigen.

Im Jahr 2019 stieg der S&P 500 im Januar um 7,87 Prozent, das beste Ergebnis seit 1987. Wie wir wissen, schloss der S&P 500 das vergangene Jahr mit einem Gewinn von 28,88 Prozent ab – wieder einmal hatte das Januar-Barometer Recht. Sollten wir diesen alten Weisheiten mehr Aufmerksamkeit schenken? Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, haben wir den deutschen Leitindex DAX 30 auf die Probe gestellt – siehe Tabelle unten.

Der deutsche Aktienindex bzw. der DAX 30 wurde gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörse, der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börsen-Zeitung entwickelt. Er misst die Performance der 30 größten und liquidesten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes. Der DAX wurde am 1. Juli 1988 eingeführt und hat eine Historie von knapp 32 Jahren – um genauer zu sein 31 Jahre und 7 Monate. In 18 von 31 Jahren lag das Januar-Barometer vollkommen richtig. Das entspricht einer Trefferquote von 58,06 Prozent – weit entfernt von der 80-prozentigen Quote im S&P 500, die bis 1950 zurückgeht.

Im Jahr 1989 hätte man z.B. die DAX-Jahresperformance in Höhe von 34,83 Prozent nicht erwirtschaften können, da der Januar eine negative Entwicklung erzielte. Das Jahr 2008 wäre jedoch weniger holprig gewesen, wenn wir im Januar ausgestiegen wären. Das Januar-Barometer ist und bleibt ein Mythos. Wir sind uns jedoch sehr wohl bewusst, dass Menschen es lieben, einfache Regeln zu befolgen. Der DAX schloss den ersten Monat des Jahres mit einem Verlust von 2,02 Prozent. Der alten Börsenweisheit nach sollten wir jetzt aus dem Aktienmarkt aussteigen, oder sollen wir lieber den Gewinner des heutigen Super Bowl LIV abwarten? Eine weitere Börsenweisheit lautet „Hin und Her macht Taschen leer“, weshalb eine langfristige Orientierung die optimale Strategie ist.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Caixin PMI-Zahlen aus China am kommenden Montag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Die Angst, die Gier und das Risiko | Frank Fischer @ValueInvestoren

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Der DAX ist mit Verlusten ins neue Jahr gestartet. Das ist nicht gerade erfreulich, aber durch die jüngsten politischen Ereignisse ausgelöst und zeigt natürlich noch keinen Trend für den weiteren Verlauf an den Börsen. Eines ist jedoch klar: Insgesamt ist die Stimmung an den Märkten positiv, wenn nicht sogar zu euphorisch. So zeigt die jüngste Fondsmanagerumfrage der Bank of America Merrill Lynch, dass die Geldprofis aus Renditegründen so stark auf Aktien setzen wie seit gut einem Jahr nicht mehr. Auch die letzte Umfrage von Universal-Investment hat bezeugt, dass unabhängige Vermögensverwalter ihren Kunden eine höhere Aktienquote empfehlen, weil sie positiv für 2020 gestimmt sind. Und der aktuelle Stand des CNN Greed & Fear-Index wird sogar noch deutlicher: Bei einem Stand von 97 symbolisiert er eine extreme Gier unter den Marktteilnehmern. Vor einem Jahr stand er bei 3, also bei purer Angst! Daraufhin wurde 2019 ein sehr gutes Börsenjahr!

Und jetzt wo alle gierig sind? Mit dem Wahlsieg von Boris Johnson und der damit gesunkenen Unsicherheit bezüglich des Brexits sowie der Ankündigung aus Washington, dass eine Teileinigung im Handelsstreit mit China zur Unterschrift bereitliegt liegt, ist die Börsenstimmung deutlich in die Höhe geklettert, auch wenn der USA-Iran-Konflikt derzeit belastet. Aber das aktuelle Niveau ist vergleichbar mit der Stimmung Ende 2017, als Konsens am Markt darüber herrschte, dass die Zinsen für lange Zeit nicht steigen werden, die Volatilität sinken wird und alle Portfolien auf Risiko ausgerichtet waren. Was folgte? Die Sorglosigkeit der Marktteilnehmer wurde nur wenig später hart bestraft. 2018 wurde das schwächste Börsenjahr seit der Finanzkrise.

Das erste Quartal wird äußerst spannend

Wir wollen jetzt nicht schwarzmalen. Auch wir gehen davon aus, dass 2020 durchaus ein gutes Aktienjahr werden könnte. Allein schon deshalb, weil Donald Trump wiedergewählt werden möchte und sich ja an der Entwicklung an der Wall Street messen lassen will. Aber vor allem im ersten Quartal kann es durchaus zu Rücksetzern kommen, denn man sollte sich von den jüngsten Rekorden der großen Indizes nicht täuschen lassen. Es braucht in der jetzigen Euphorie nur geringe Enttäuschungen, um eine Korrektur auszulösen. Und mögliche Risiken gibt es genug: Der USA-Iran-Konflikt, der Handelskonflikt USA – EU gewinnt möglicherweise an Fahrt, die Notenbankpolitik bleibt nicht so expansiv wie bisher oder die Umsetzung der Nach-Brexit-Zeit klappt in Bezug auf das geplante Freihandelsabkommen nicht wie gewünscht. Dies sind nur einige mögliche Gefahrenherde. Die Risiken sollte man im Auge behalten.

Nebenwerte – die Risiken sind relativ überschaubar

Genau so verfahren wir bei den von uns betreuten Aktienfonds wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen oder dem „Frankfurter – Value Focus Fund“, in denen man Werte wie etwa Naked Wines, Mears Group, Secunet Security, oder den neuseeländischen Altersheimbetreiber Ryman Healthcare findet. Der Frankfurter – Value Focus Fonds konnte in den letzten 9 Jahren einen Wertzuwachs von rund 190 Prozent erwirtschaften. Das sind mehr als 20 Prozent per anno. Das hat kaum ein Large Cap-Fonds geschafft. Aber mit Small- und Midcaps kann man nun mal bessere Renditen als mit Large Caps erzielen. Das hat die Historie vielfach bewiesen. Bei einem Beobachtungszeitraum von 10 Jahren kam etwa der Russell 2000 US Small Cap-Index auf eine mehr als doppelt so hohe Rendite als beim Russel Large Cap-Index. Der US-Ökonomen Rolf W. Banz hat dies als „Small-Cap-Effect“ beschrieben, der zeigte, dass langfristig die Renditen kleinerer Gesellschaften signifikant über denen großer Gesellschaften liegen, wie sie etwa im Dow Jones oder S&P 500 zu finden sind. Man muss als Kehrseite aber auch eine höhere Volatilität in Kauf nehmen. Bei einem langen Anlagehorizont sollte das aber kein Problem sein, denn dann ist auch das Risiko relativ gering. Denn Volatilität ist nicht nur Risiko sondern auch Chance oder anders gesagt: Für uns ist Volatilität das Lebenselixir des Investierens.

Vita von Frank Fischer:
Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandsvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG undübt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Der Diplom-Kaufmann managt den 1,7 Mrd. Euro schweren Frankfurter Aktien fonds für Stiftungen. Fischer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Stifter und Vorstand der gemeinnützigen Stiftung Starke Lunge.






Mario Draghi, Mr. Zero | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (43/2019)

Am 1. November 2011 ist Mario Draghi, früher Managing Director und Vizepräsident von Goldman Sachs International in London, zum Präsidenten der Europäischen Zentralbank und somit zu einer der mächtigsten Männer Europas ernannt worden. Nun ist seine Amtszeit am 31. Oktober zu Ende, seine Nullzinspolitik jedoch noch lange nicht. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Mr. Zero our Hero!

Als Mario Draghi 2011 EZB-Präsident wurde befand sich die Europäische Union mitten in einer Staatsschuldenkrise, einer Bankenkrise und einer Wirtschaftskrise. Ein Mann erhielt die Aufgabe die EU zu retten, nämlich Mario Draghi bzw. Mr. Zero our Hero! Bereits zwei Tage nach seinem Amtsantritt begann Draghi die Zinsen in Europa zu senken. Schließlich gelang es Mr. Zero, den Leitzins am 10. März 2016 auf Null zu senken.

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise sorgte Draghi für eine Kehrtwende, als er am 26. Juli 2012 während seiner Rede in London versicherte, „alles Notwendige“ zu tun, um den Euro zu erhalten. Darüber hinaus kündigte Mr. Zero an, dass die EZB im Notfall europäische Staatsanleihen ankaufen würde, was sie ja schließlich ab März 2015 tat.

Zum Ende seiner Amtszeit kündigte Draghi die Verlängerung seiner ultralockeren Geldpolitik durch die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde an. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent, Banken müssen zudem weiter 50 Basispunkte Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Zudem will die neue EZB-Präsidentin Lagarde von November an auf unbestimmte Zeit monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen stecken. All diese Maßnahmen sollten für eine stabil wachsende Wirtschaft im Euroraum sorgen.

Verbrauchervertrauen im Euroraum trübt sich im Oktober stark ein

Das Verbrauchervertrauen in der Eurozone hat sich im Oktober überraschend stark eingetrübt. Der entsprechende Indikator ist im Vergleich zum Vormonat um 1,1 Punkte auf minus 7,6 Punkte gefallen, was dem tiefsten Stand des laufenden Jahres entspricht. Die Erwartungen der Volkswirte lagen im Durchschnitt bei minus 6,8 Punkten.

Der überraschende Rückgang schien den führenden Aktienindex Europas Euro Stoxx 50 wenig zu beeindrucken. Der Euro Stoxx 50 konnte die 43. Kalenderwoche mit einer Performance von plus 1,26 Prozent abschließen. Seit Jahresanfang liegt der Euro Stoxx 50 (YTD: 20,77 Prozent) sogar mit der Nase knapp vorne vor dem S&P 500 (YTD: 20,57 Prozent). Grund dafür ist sicherlich das angekündigte Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf den Brexit-Tag am kommenden Donnerstag bzw. an Halloween. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Jackson Hole: Können die Notenbank-Helden die Weltwirtschaft retten? | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (34/2019)

Diesmal waren die Chinesen an der Reihe, um einen Zug im Handelsschach zu vollziehen. Der geplante Vergeltungsschlag der Chinesen in Form von neuen Strafzöllen auf US-Waren im Wert von 75 Mrd. USD schickte die Märkte erneut auf eine Talfahrt. Währenddessen trafen sich Notenbank-Helden aus der ganzen Welt in Jackson Hole Wyoming Ende vergangener Woche.

Das diesjährige Treffen der Notenbank-Helden findet vor dem Hintergrund volatiler Finanzmärkte, steigender Rezessionsängste und globaler Handelsspannungen zwischen den USA und China statt. Während des Treffens in Jackson Hole ließen die Chinesen die nächste Zollbombe platzen, nämlich weitere Zölle auf US-importierte Waren in China. Präsident Trump twitterte schnell, dass er später am Tag reagieren werde. Die Märkte reagierten prompt und zeigten, wie fragil die zuletzt angelaufene Erholung tatsächlich ist.

Fed-Chef Jerome Powell, bestätigte, dass sich die globalen Wirtschaftsaussichten aufgrund des eskalierenden Handelskrieges “verschlechtert haben”. Während seiner Rede in Jackson Hole verpflichtete er sich erneut, “angemessen zu handeln, um die Expansion aufrechtzuerhalten”. Daraufhin reagierten die Märkte positiv und die Chancen standen gut, dass die vergangene Handelswoche mit einer freundlichen Sitzung ins Wochenende gehen würde. Doch um 14 Uhr war es Schluss mit lustig. Nach dem Schachzug der Chinesen fielen die Aktienmärkte weltweit rasant. Der Dow Jones schloss den Handelstag um 623 Punkte (-2,37 Prozent) leichter. Der NASDAQ 100 ging aus dem Handel mit minus 3,15 Prozent. 

Wie weit die Schockwellen der neuen Ankündigungen im Handelskrieg zwischen den USA und China tatsächlich reichen dürften, wird sich erst in der kommenden Woche zeigen. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Tweet, Tweet, BAM! | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (19/2019)

Die Woche fing gleich mit einem Paukenschlag an! US-Präsident Donald Trump erwischte mit seinen Trade-War Tweets am vergangenen Sonntag die Börsen auf dem falschen Fuß und sorgte erstmals für eine Korrektur an den Aktienmärkten weltweit.

Die Märkte waren die ganze Woche über rückläufig, da Trump die Aussichten auf ein neues China-Handelsabkommen abwechselnd positiv und negativ einschätzte. Am Freitag traten neue US-Zölle auf chinesische Güter in Höhe von 200 Mrd. USD in Kraft, nachdem die beiden Seiten nicht in der Lage waren, die Details eines neuen Handelsabkommens festzulegen. Doch China lässt sich nicht alles gefallen. Die chinesische Regierung kündigte am Freitag, dass sie Gegenmaßnahmen gegen die neuen Zölle ergreifen wird – die Details sind noch nicht klar.

Die wiederkehrenden Handelskriegsängste zwischen China und den USA lösten am vergangenen Donnerstag einen Rezessionsindikator auf dem US-Rentenmarkt aus – die inverse Zinskurve.

Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen fiel unter die der 3-monatigen US-Staatsanleihen. Die amerikanische Notenbank Fed sowie Larry Kudlow, Chief Economist Advisor von Präsident Trump, betrachten die inverse Zinskurve zwischen 3-monatigen und 10-jährigen US-Staatsanleihen als wesentlichen Indikator einer möglichen Rezession bzw. Abkühlung der Wirtschaft. Die inverse Zinskurve hielt jedoch nicht lange an. Am Donnerstagnachmittag notierten die 10-jährige US-Staatsanleihen wieder höher als die 3-monatigen.

Trotz Handelskriegsängsten gab es einige interessante Entwicklungen am deutschen Aktienmarkt. Die Thyssenkrupp AG konnte am vergangenen Freitag den größten Tagesgewinn der Geschichte einbuchen, 24,10 Prozent. Grund dafür ist die abgesagte Stahlfusion mit Tata Steel, ein indisches multinationales Stahlunternehmen.

Das deutsche Unternehmen mit Hauptsitz in Essen will künftig eine Restrukturierung vornehmen. Zunächst sollen weltweit 6.000 Arbeitsplätze gestrichen werden – davon allein 4.000 in Deutschland. Am kommenden Dienstag wird Thyssenkrupp seine Quartalszahlen für das erste Quartal 2019 veröffentlichen.

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