Das war das Jahr 2020 | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (52/2020)

Das Jahr 2020 wird als eines der bedeutendsten und unvorhersehbarsten Jahre unseres Lebens in die Geschichte eingehen. Die Pandemie und die daraus resultierende Gesundheitskrise haben alles auf den Kopf gestellt. Einzelpersonen, Unternehmen und ganze Regierungen wurden vor einzigartige Herausforderungen gestellt. Aus Sicht der Finanzmärkte war das Jahr 2020 ein Jahr beispielloser Veränderungen, aber auch ein Jahr der Widerstandsfähigkeit. Werfen wir einen Blick auf das Börsenjahr 2020.

Zwischen Bullen und Bären

Die einzigartige, plötzliche Rezession führte zum schnellsten Bärenmarkt der Geschichte: Der S&P 500 fiel in nur 23 Tagen um 34% von seinen Allzeithochs. Zur Veranschaulichung: Historische 35%ige Rückgänge brauchten durchschnittlich 11 Monate bis zur Bodenbildung. Auf der anderen Seite markierte der Anstieg des Marktes auf neue Höchststände im August die schnellste Erholung von einem Bärenmarkt in der Geschichte, die in nur vier Monaten stattfand, verglichen mit dem historischen Durchschnitt von etwas über vier Jahren. Zum neunmonatigen Jubiläum seit dem Tiefpunkt am 23. März liegt der S&P 500 65% höher und seit Jahresbeginn 15% im Plus.

Rekordschwankungen beim BIP

Die US-Wirtschaft erlebte im zweiten Quartal die schlimmste vierteljährliche Schrumpfung seit Beginn der Aufzeichnungen (-31 % auf das Jahr hochgerechnet), viermal größer als das schlimmste Quartal während der Finanzkrise 2008/2009. Im Gegensatz zu den meisten vergangenen Rezessionen wurde die Schrumpfung der Wirtschaft durch einen starken Rückgang der Konsumausgaben angetrieben, da die Verbraucher nicht in der Lage waren, ihre Ausgaben zu tätigen, weil sie zu Hause bleiben mussten. Die anschließende Wiederbelebung der Wirtschaft führte zum größten Anstieg der Produktion im dritten Quartal (33% annualisiert). Diese wilden Schwankungen des BIP erinnern daran, dass die USA eine dienstleistungs- und konsumgetriebene Wirtschaft ist.

Arbeitslosigkeit spitzt sich zu

Im April stieg die Zahl der entlassenen und beurlaubten Arbeitnehmer auf 22 Millionen und machte damit alle seit März 2009 neu geschaffenen Arbeitsplätze zunichte. Die Arbeitslosigkeit stieg von einem 50-Jahres-Tief (3,5 %) im Februar auf den höchsten Stand seit der Großen Depression (14,7 %) und übertraf den bisherigen Höchststand von 1982. Seitdem haben wir, nachdem die Beschränkungen teilweise aufgehoben wurden, eine solide Verbesserung gesehen, wobei etwas mehr als die Hälfte der Verluste wieder aufgeholt wurde. Die aktuelle Arbeitslosenquote ist jedoch weiterhin hoch.

Die Fed kommt rechtzeitig zur Rettung der Börsen

Ein großer Teil des Aufschwungs bei den „Financial Assets“ kann den schnellen Maßnahmen der amerikanischen Notenbank Fed zugeschrieben werden, die darauf abzielten, Liquidität und Finanzmittel für Verbraucher und Unternehmen bereitzustellen. Schon sehr früh in der Abschwungphase senkte die Fed die Leitzinsen auf null und setzte ihr gesamtes Instrumentarium ein, darunter Anleihekaufprogramme, Liquiditätsspritzen und Kreditfazilitäten.

Zum Vergleich: Die Fed hat ihre Bilanz innerhalb von vier Monaten um mehr als 3 Billionen Dollar ausgeweitet, was in etwa dem entspricht, was während der Finanzkrise in den Jahren 2008/2009 im Laufe von vier Jahren hinzukam. Um es mit den Worten des Vorsitzenden Powell zu sagen: “Die Fed denkt nicht einmal daran, die Zinsen zu erhöhen”, was stark darauf hindeutet, dass die Zinsen und Kreditkosten zumindest für ein paar Jahre niedrig bleiben werden, was die Expansion erleichtert und den Börsen einen Rückhalt bietet.

Zinsen erreichen den „Rock-Bottom“

Am 9. März erreichte die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe im Übernachthandel kurzzeitig ein historisches Tief von 0,32%, da die Anleger die Sicherheit von Staatsanleihen suchten. Gleichzeitig fiel die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihen zum ersten Mal in der Geschichte unter die Schwelle von 1%. Da die Zentralbanken auf der ganzen Welt als Reaktion auf die Krise die Zinsen aggressiv senkten, erreichten die negativ verzinsten Schulden einen Rekordwert von 18 Billionen USD, was die Attraktivität von Aktien im Vergleich zu Anleihen weiter steigerte. Wie beabsichtigt, konnten die Haushalte von dem Niedrigzinsumfeld profitieren. Der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Festhypothek fiel unter 3%, was Hausbesitzern die Möglichkeit gab, ihre Kredite zu refinanzieren und den Immobilienmarkt anzukurbeln.

Negative Ölpreise

Der Ölpreis fiel im April zum ersten Mal in der Geschichte kurzzeitig in den negativen Bereich (-$37). Dieses beispiellose Ereignis war eine Folge des technischen Verkaufsdrucks vor dem Verfall der Futures-Kontrakte sowie der begrenzten Lagerkapazitäten, die durch den historischen Nachfragemangel hervorgerufen wurden.  Als sich die Lagertanks füllten, weil Fluggesellschaften und andere Abnehmer nicht mehr so viel Öl verbrauchten wie vor der Krise, kam es zu einem starken Abverkauf der Terminkontrakte, da die Verkäufer bereit waren, die Käufer dafür zu bezahlen, dass sie ihnen das Öl abnahmen.

Fiskalische Hilfe überbrückt die Lücke

Da die Zentralbanken zwar Kreditvergabe-, aber keine Ausgabenbefugnisse haben, schultern die Regierungen die Last, die Einkommens- und Beschäftigungslücken zu überbrücken, bis die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie abklingen. Der Kongress verabschiedete im März das CARES-Gesetz, das Unternehmen und Verbrauchern 2,2 Billionen Dollar in Form von Direktzahlungen an Familien, erweiterten Arbeitslosenunterstützungen und Krediten an Unternehmen, Kleinbetriebe sowie staatliche und kommunale Behörden zur Verfügung stellt. Der Einkommensschub durch die staatlichen Transfers führte zusammen mit der Unfähigkeit der Verbraucher, während der Haushaltssperren Geld auszugeben, zu einem beispiellosen Anstieg der persönlichen Ersparnisse und des persönlichen Einkommens. Es wird erwartet, dass die fiskalische Unterstützung weiterwächst und derzeit 16% des BIP ausmacht (der höchste Stand seit 1945).

Eine V- oder K-förmige Erholung?

Insgesamt erholte sich die Wirtschaft deutlich von ihrem Tiefpunkt im zweiten Quartal. Die plötzliche Natur der Rezession und die aufgestaute Nachfrage führten zu einer V-förmigen Erholung. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Erholung sowohl über die Branchen als auch über die demografischen Gruppen hinweg ungleichmäßig verlief. Während bestimmte Branchen und Sektoren, wie z. B. die Technologiebranche, von der Pandemie profitierten, waren andere, wie z. B. Fluggesellschaften, Hotels und Restaurants, überproportional betroffen. Zwei Drittel der Arbeitsplatzverluste auf dem Höhepunkt der Rezession entfielen auf diese anfälligen Branchen, die auf soziale Kontakte angewiesen sind. Auch kleine Unternehmen, die etwa die Hälfte der US-Arbeitskräfte beschäftigen, haben weiterhin zu kämpfen.

Führung erst verengt, dann ausgeweitet

Bis zur ersten Jahreshälfte konzentrierte sich die Marktführung sehr stark an der Spitze, da wachstumsorientierte Anlagen und Technologiewerte von den “Stay-at-home”-Trends profitierten. Bis Juli machten die fünf größten Aktien im S&P 500 (Microsoft, Apple, Amazon, Facebook und Google) etwa 23% des Index aus und lagen zu diesem Zeitpunkt im Durchschnitt um 30% höher als der Durchschnitt der übrigen 495 Aktien im Index, der um etwa 10 % niedriger lag. Die Anzeichen für eine dauerhafte Erholung während der Sommermonate und die spätere positive Entwicklung bei den Impfstoffen weckten das Interesse der Anleger an anderen Anlageklassen, Sektoren und Anlagestilen. Der November war der beste Monat in der Geschichte für Small-Cap-Aktien, und am Tag der Ankündigung des Impfstoffs von Pfizer hatten Value-Anlagen (Dividendeneinkommen) ihren besten Tag gegenüber Growth-Anlagen.

30 neue Allzeithochs

Der S&P 500 hat im Jahr 2020 30 neue Höchststände erreicht, 17 davon nach dem durch die Pandemie verursachten Bärenmarkt Ende Februar. Auf dem Weg ins Jahr 2021 freuen wir uns auf ein Jahr, in dem die Pandemie hoffentlich abklingt, das Leben wieder zur Normalität zurückkehrt und die wirtschaftliche Erholung wieder an Fahrt gewinnt. In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?
Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?

Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Die Sportligen küren ihre Meister – wer ist der Meister an den Märkten? | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (28/2020)

In der Bundesliga und in der Premier League stehen die Meister bereits fest. In La Liga gibt es das gewohnte „Kopf an Kopf-Rennen“ der beiden Erzrivalen und in der Serie A wird es wohl Juventus Turin. Doch wer sind die Meister an den Märkten – wer konnte die herausfordernde Zeit für sich entscheiden und wer verlor den Kampf? Trotz Sommerpause konnten auch noch in dieser Woche heiße Wetten abgeschlossen werden. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

We are the Champions – die Meister der Märkte

Hätte man am 18. März den Mut gehabt den DAX bei 8441,71 Punkten zu kaufen, läge man nur 4 Monate später mit 49,66 Prozent vorne. Noch besser sehen die Tech Giganten aus den USA bzw. der NASDAQ 100 Index, der vom Tiefpunkt (20. März) bis vergangen Freitag 57,52 Prozent Performance machte und bei der YTD mit 24,08 Prozent liegt.

Im 1-Jahresvergleich konnten zwei Werte im DAX eine ähnlich gute Performance ablegen – das Tech-Unternehmen Infineon und der Strom-Konzern RWE mit jeweils über 45% Kursgewinn.

In den USA gibt es einen meisterlichen Gewinner – Tesla überbot im letzten Jahr alles – knapp 550% Kursgewinn. Mit Abstand gefolgt von einem klaren Gewinner der Homeoffice-Lage ZOOM Communications (+201%).

Wo es Gewinner gibt, muss es bekanntlich auch Absteiger geben. Im DAX wird das relativ klar sein – die Deutsche Lufthansa und Wirecard. Doch wie sieht es in den USA aus? Größter Verlierer ist auch hier eine Fluglinie, und zwar American Airlines.

Womit schmückt man Gewinner?

Mit Gold natürlich! Das Edelmetall ist gefragt wie lange nicht mehr. Der Goldpreis stieg erstmals seit 2011 über 1800 Dollar pro Unze. Ungewöhnlich dabei ist, dass bei steigenden Aktien Gold genauso so eine starke Bewegung nach oben macht. Normalerweise sollte einer der beiden Werte in einer Krise einen positiven Verlauf nehmen. Dabei gilt Gold als das Tafelsilber (unser heimlicher Gewinner ;-)) der Finanzexperten, wenn man sich in einer Krise befindet. Doch dieses Mal nicht. Hier haben wohl die kräftigen Finanzspritzen und großzügigen Hilfspakete einen enormen Push an den Märkten begünstigt. Wir sind gespannt, ob es zu einer Bereinigung kommt und das gewohnte Bild – Gold hoch, Märkte runter (vice versa) – wieder zu sehen ist.

Zum Gewinnen verdammt

Durch die politisch gewollte Hausse an Chinas Börsen kennen seit acht Tagen die Aktien im Reich der Mitte nur eine Richtung: aufwärts. Das ist offenbar sogar der Regierung in nun China zu viel an Kursgewinnen. Der CSI 300 erreichte eine 5-Jahres Hoch (4.854 Punkte) und legte in nur 5 Handelstagen satte 12% zu. Ausgelöst wurde dieser Hype durch die Regierung, die Geld für ihre digitale Wirtschaft benötigt. Auch die chinesische Staatswährung wird von den Bullen positiv beeinflusst. Die Lage ist jedoch zu schön, um wahr zu sein, sodass die Regierung und staatliche Medien zur Vernunft an den Märkten aufriefen. Hoffen wir, dass sich die Halbierung im Jahr 2015 nicht wiederholt und die Marktteilnehmer tatsächlich zum Gewinnen verdammt sind.

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Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Der Gummizugeffekt nach der Krise | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (23/2020)

Während die Pandemie in den Medien mittlerweile nur noch die zweite Geige spielt und durch die weltweiten Protestwellen gegen Polizeigewalt und Rassismus abgelöst wurde, setzen die Märkte ihre Rallye fort. Derweilen schiebt jedes Land ein massives Wirtschaftspaket nach dem anderen nach, um die drei monatige Zwangspause abzufedern. Mit erstem Erfolg? Zumindest hellen sich die Erwartungen für 2021 bereits weiter auf. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Tech-Giganten als Sieger der Krise

Der NASDAQ hat ein All-Time High vergangene Woche erreicht und steht mit einem satten Plus von 12,5% seit Jahresbeginn da. Der Bereich Technologie ist der Safe Haven für Investoren in der Krise geworden. Warum auch nicht? Denn das Geschäftsmodell von Google, Amazon etc. sind von Maskenpflicht, Abstandsregeln und Lockdown gar nicht betroffen gewesen. Doch mittlerweile sind die Werte der Tech-Giganten nicht mehr repräsentativ zu den Produktionszahlen. Entwickelt sich hier eine nächste Tech-Bubble? Denn klar ist, dass weitere Investoren ihr Vermögen sicher positionieren wollen und somit die Nachfrage weiter anheizen. Könnte das aber das Comeback der Value-Title bedeuten?

Gründungsmitglied Lufthansa verlässt DAX

Diese Woche wurde der endgültige Abstieg von Lufthansa aus dem DAX verkündet. Damit trifft es ein drittes Gründungsmitglied in den letzten Jahren. Doch versteht jemand warum? Klar ist, dass der DAX kein Spiegel der Wirtschaftslage wiedergeben kann, sondern nur die TOP-Werte in Deutschland darstellt. Der Gummizugeffekt nach der Krise hält auch an der deutschen Börse Einzug. Diese Woche hat der DAX mit einem Plus von 10,88% geschlossen und liegt bei der Performance seit Jahresbeginn nur noch bei minus 3,03%. Doch auch die Werte in der zweiten Reihe von MDAX und SDAX konnten diese Woche große Gewinne verbuchen. Die Erwartungen aller Marktteilnehmer nach der Verkündung des Konjunkturpakets sind enorm gewachsen. Doch die Realität schlägt bereits erbarmungslos zurück. Kommt die Senkung der Mehrwertsteuer wirklich beim Kunden an? Zumal unklar ist, wie die Unternehmen die schnelle Umstellung schaffen sollen? Der Kinderbonus erweist sich ebenfalls als Überraschungsei – wer bekommt es überhaupt und wann?

Überraschung am US-Arbeitsmarkt

Diese Woche überraschte der amerikanische Arbeitsmarkt selbst Präsident Trump. Im Mai wurden 2,5 Millionen „neue“ Jobs geschaffen – sicherlich sind sie eher wieder entstanden nach den ersten Lockerungen in den USA. Zumindest konnte Trump sein fehlendes politisches Feingefühl bei seiner Ansprache am Mittwoch darlegen. Was wird die derzeitige Entwicklung in den USA für die in 150 Tagen anstehende Präsidentschaftswahl bedeuten? Kann sich die Weltwirtschaft nach dieser „Krise“ auch wieder erholen?

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Jubelstürme zu den Lockerungen – Hiopsbotschaften nach dem Lockdown | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (19/2020)

Die Regierungen lockern nach und nach ihre Teils drastischen Einschränkungen zur Eindämmung des Virus, dessen Name nicht genannt werden darf. In manchen Ländern schneller, in anderen langsamer – in einzelnen unter dem Druck der Einwohner, im Großteil ohne viel Einwände der Bürger. Doch was kostet ein Lockdown die Gesellschaft? Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegt hat.

Aktienmärkte frohlocken, Arbeitslosenzahlen erschrecken

Die Aktienmärkte setzen in der vergangenen Woche den Aufwärtstrend fort. Der Dow Jones legte 2,56 Prozent zur Vorwoche zu und der DAX nur 0,39 Prozent. Der Dow Jones hat das Niveau von Januar 2020 aktuell fast zur Hälfte wieder erreicht bei einem zwischenzeitlichen Verlust von über 37 Prozent. Der DAX hat einen Verlust von 38 Prozent wieder aufzuholen – und ebenfalls zirka die Hälfte zu seinem Januar-Wert wieder zurückgewonnen. Es scheint, dass die Wirtschaft bzw. die Börse keinen Schaden von der Krise zurückbehält.

Die Arbeitslosenquote spricht da eine andere Sprache. In den USA ist im April ein Rekordniveau erreicht worden -14,7 Prozent Arbeitslose; allein im vergangenen Monat wurden 20,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft gestrichen. Weitere 8,1 Millionen Menschen könnten in den Statistiken aktuell noch nicht eingerechnet sein. In Europa und Deutschland sehen die Arbeitslosenzahlen „noch“ stabil aus. Die EU (ohne GB) liegt im März bei 6,6 Prozent – negativer Spitzenreiter Griechenland mit 16,4 Prozent und geringste Quote in Tschechien mit 2 Prozent – und ist beinahe unverändert zu Januar 2020. Wie sieht es wohl im April in der EU aus? In Deutschland liegt die Arbeitslosenquote mit 5,8 Prozent im April auch relativ stabil zu Januar 2020 mit einem Plus von lediglich von 0,5 Prozent. Allerdings meldeten Deutschlands Unternehmen den Angaben zufolge bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit an.

Welchen Anzeichen sollte man nun trauen? Den Aktienmärkten, die eine schnelle Erholung andeuten oder den Arbeitslosenzahlen, die eine noch viel schlimmere Krise prophezeien?

Unverantwortlicher globaler Key-Player oder vertrauenswürdiger Handelspartner

Derweilen deuten sich zwischen den beiden Schwergewichten USA und China Annäherungsversuche zu einem Trade Deal an. Nach dem 2019 offensiv geführten Handelskrieg, wollten beide Parteien mit den Trade Deal im Januar 2020 ihre Handelsbeziehungen neu aufsetzen. Die Unterzeichnung wurde als Durchbruch gefeiert. Diesen Freitag wurde die Beibehaltung des Kurses noch einmal von beiden Seiten bekräftigt.

Doch wie passt das mit den Trump-typischen Tweets und der Untersuchung durch Geheimdienste zusammen, die China als unverantwortliche Nation darstellt, die das Virus leichtfertig ausbreiten ließ und anschließend durch Desinformationen sich eine bessere Ausgangsposition im Kampf gegen das Virus verschafft haben soll? Kann China die angedrohte Rechnung von Trump auf den Trade Deal anrechnen lassen oder wird es doch wieder zu Verstimmungen zwischen den beiden Nationen kommen? Wir werden es sehen…

Notenbanken-Helden vor Gericht

In dieser Krise und in der Finanzkrise wurde das schnelle Handeln der Notenbanken gelobt. Die „Whatever it takes“-Instrumente der EZB waren nun wieder einmal Thema des BVerfG und sie kamen zu einem überraschenden Urteil. Die Anleihekäufe der EZB sind teilweise rechtswidrig, da sie nicht ausreichend begründet seien. Außerdem hätten sich die staatlichen Organe (wie Bundestag, Bundesrat aber auch Bundesbank) dieser Thematik intensiver annehmen müssen. Nun besteht eine 3-monatige Übergangsfrist, in der die EZB einen gut begründeten Beschluss fassen muss. Der EuGH reagierte prompt auf das Urteil aus Karlsruhe und verwies das BVerfG in seine Grenzen, dass sie nicht über EU-Organe urteilen dürfe.

Zeichnet sich hier ein juristischer Streit zwischen zwei mächtigen Parteien an? Und welche Auswirkungen hat dieser und das im Raum stehende Urteil auf die Hilfsaktionen unserer Notenbanken-Helden in dieser Krise?

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Warren Buffett: Wetten Sie nie gegen Amerika | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (18/2020)

Gestern fand die jährliche Hauptversammlung von Berkshire Hathaway statt. Wie gewohnt berichtete das Finanz-Urgestein Warren Buffett über das vergangene Wirtschaftsjahr und die aktuelle Lage. Wie gewohnt? Nein, auch hier ist das übliche pilgern von über 40.000 Finanzexperten durch die aktuelle Situation nicht möglich. Dieses Jahr fand die Konferenz rein digital statt und auch Charlie Munger konnte wie gewöhnlich nicht persönlich neben Warren Buffett sitzen – ihm geht es aber gesundheitlich sehr gut, so die Aussage.

Warren Buffett nutzte in einem einstündigen Sprint durch die US-amerikanische Wirtschaftsgeschichte die derzeitige wirtschaftliche Herausforderung einzuordnen. Von 1789 bis heute (231 Jahre) hat die noch junge USA viele Rückschläge erlebt, aber auf lange Sicht ist ein kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen und die Zukunft der USA ist weiterhin rosig – so Warren Buffett. Er rät in seiner alten Weisheit: Bleiben Sie langfristig investiert und nutzen Sie die Situation Ihr Portfolio zu überprüfen.

Dies hat Warren Buffett selbst auch so gemacht – sein Portfolio umfasst keinerlei Airline Aktien (er hielt Aktien von Delta Air Lines, United Airlines, Southwest Airlines und American Airlines) mehr. Er rechnet nicht mit einer schnellen Erholung und sieht Airlines nur noch als spekulative Anlagemöglichkeit und nicht mehr als Investitionsmöglichkeit. Auch die deutsche vorzeige Airline Lufthansa wird wohl ohne staatliche Unterstützung nicht überleben – oder sollte man eher Verstaatlichung sagen?

Die reinen Zahlen des Abschlussbericht von Berkshire Hathaway lesen sich weiterhin wie ein Märchen – Steigerung des Betriebsgewinn um 6 Prozent auf 5,9 Mrd. USD, 137 Mrd. USD liquide Mittel, 1,7 Mrd. USD eigene Aktien zurückgekauft. Aber warum nutzt Warren Buffett die hohe Liquidität nicht um weitere Zukäufe in der aktuellen Krise zu tätigen? Diese Frage beschäftigt auch andere Finanzexperten und vermuten doch ein weiteres Abrutschen der Aktienmärkte und Einbußen in den nationalen Wirtschaften.

In seiner Rede lobt Warren Buffett noch einmal ausdrücklich die Handlungen der Notenbanken und die veranlassten Maßnahmen. Neben Paul Volcker in den 80er Jahren hebt Buffett Jerome Powell mit seinem entschlossenen Handeln heraus.

Nicht nur die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway hat positives zu vermelden. Auch die Aktienmärkte strotzen der aktuellen Krise. Dieser Monat war der beste seit 1987 (der sogenannte Flash-Crash) und trotzt damit den ganzen negativen Wachstumsprognosen, hohen Arbeitslosenzahlen und anhaltenden Beschränkungen. Zu Recht?

P.S. Wir sind gespannt, ob die Börsenweisheit „Sell in May and go away – but don‘t forget to come back in September“ auch in der aktuellen Situation bestand hat.

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Das große Maskenspiel (2020) | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (17/2020)

Die ersten Lockerungsmaßnahmen sind angekündigt worden – die Maskenpflicht und die „soziale Distanzierung“ werden uns voraussichtlich noch lange begleiten. Der Schaden durch das Virus, dessen Namen wir nicht mehr nennen werden, ist jedoch bereits real, wird in einigen Fällen dauerhaft bleiben und geht über die monetären Aspekte hinaus. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegt hat.

Die Arbeitslosigkeit in den USA ähnelt der großen Depression von 1929

Im Laufe der letzten 5 Wochen verloren jede Woche durchschnittlich 5,3 Millionen US-Amerikaner ihren Arbeitsplatz. Für die Babyboomers, Generation X, Millenials und Centenials sind solche Dimensionen der Arbeitslosigkeit eine nie da gewesen Herausforderung. Auf dem Höchststand der Arbeitslosigkeit nach der Finanzkrise 2008 waren ‚nur‘ 15,3 Millionen Amerikaner ohne Job. Doch allein in den vergangenen fünf Wochen haben bereits 26,5 Millionen Arbeitnehmer Arbeitslosenanträge gestellt. Vor diesem fünfwöchigen Abschnitt von 26,5 Millionen Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung gab es nach Angaben des U.S. Bureau of Labor Statistics am 13. März bereits 7,1 Millionen Arbeitslose-Amerikaner. Wenn man die Zahlen zusammenzählt, ergäbe dies mehr als 33 Millionen Arbeitslose oder eine reale Arbeitslosenquote von 20,6 Prozent – das wäre der höchste Stand seit 1934.

Der durch die Virus-Krise verursachte Schaden kennt keine Grenzen. Laut dem Beratungsunternehmen McKinsey sind in Europa rund 59 Millionen Arbeitsplätze bedroht – 59 Millionen, die mit einem Schicksal verbunden sind. Für den schlimmsten Fall geht McKinsey davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in Europa auf 11,2 Prozent klettern könnte und sich erst im Jahr 2024 wieder erholen könnte. Im besten Fall steigt die Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent und eine Rückkehr zu dem Stand vor der Krise sei im 4. Quartal 2021 möglich.

Bringt diese grenzüberschreitende Krise die handelnden Vertreter wenigstens wieder für einen gemeinsamen Aufbau an einen Tisch? Die letzten Jahren waren ja dominiert von Abgrenzung und Handelskriegen.

Erst denken, dann handeln

Oder besser gesagt: erst kritisch nachdenken, dann gezielt handeln. In unserem Wochenrückblick vom 1. März 2020 haben wir uns mit dem Thema der „Massenpsychologie“ beschäftigt.  Gustav Le Bons schrieb einmal in seinem Buch ,Psychologie der Massen‘, dass „der Einzelne, auch der Angehörige einer Hochkultur, unter bestimmten Umständen in der Masse seine Kritikfähigkeit verliert […] in dieser Situation ist der Einzelne leichtgläubiger und unterliegt der psychischen Ansteckung.“

Einige Wochen später stellen wir hierzulande fest, dass selbst unsere renommierten Politiker ihre Kritikfähigkeit in der Krise verloren haben. Ihre Kritikfähigkeit gegenüber der Statistik und vor allem gegenüber dem Gruppenzwang. Berichten zufolge („Rechnen mit falschen Zahlen“: Warum wir es nicht schaffen, Corona richtig zu messen) zählt bisher in Nordheim-Westfalen als Covid-19-Todesfall, wer beim Tod mit dem Virus infiziert war, unabhängig davon, ob er daran verstorben ist oder nur damit. Ob ich mit Zahnschmerzen sterbe oder daran sterbe ist nun mal ein gewaltiger Unterschied. Wir, und vor allem unsere Politiker, sollten uns mit dem Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität näher beschäftigen: Eine hohe Korrelation zwischen zwei Variablen bedeutet nicht, dass die beiden Variablen kausal miteinander zusammenhängen. Stattdessen liefern Korrelationen lediglich einen ersten Hinweis, dass dies der Fall sein könnte.

Dennoch haben unsere Politiker mit mehr als fragwürdigen Statistiken / Schätzungen den Wohlstand der kommenden Generationen aufs Spiel gesetzt. War es das wert? Willkommen zum großen Maskenspiel 2020 – wir beginnen gleich mit der 2. Ausführung. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die Fahrt.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank am kommenden Mittwoch. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Rebound an Aktienmärkten lässt hoffen! | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (13/2020)

Die Aktienmärkte rund um den Globus haben vergangene Woche gezeigt, dass sie auch aufwärts können – für die „Risk-Takers“ unter uns war das eine kurzfristige Belohnung. Kommt jetzt schon die nachhaltige Erholung oder müssen wir uns noch ein wenig gedulden?! Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Rebound an den Aktienmärkten lässt hoffen

Eine Woche nach dem der amerikanische Leitindex Dow Jones Industrial Average den zweit höchsten prozentualen Verlust seiner Geschichte eingefahren hat, ging es letzte Woche an den Aktienmärkten rund um den Globus wieder steil nach oben! Satte 11,37 Prozent konnte der Dow am vergangenen Dienstag wieder gut machen – daher auch die Bezeichnung „Turnaround Tuesday“. Das entspricht den größten prozentualen Tagesgewinn seit dem 15. März 1933.

Auch hierzulande feierte der deutsche Leitindex DAX den viert größten Tagesgewinn seiner Geschichte und bescherte Anlegern 10,98 Prozent Wertsteigerung – was ja durchaus auch ein gutes Jahresergebnis wäre. Viele werden sich an dieser Stelle Fragen, ob jetzt schon die Erholung kommt – die Meinungen gehen zu Recht auseinander. Auf der einen Seite sorgt der Stillstand der Wirtschaft für Unruhe und Panik, auf der anderen Seite sorgen die Maßnahmen der Politik und der Notenbanken für Hoffnung. Die Börsen spiegeln die Erwartungen der Investoren an die Zukunft wider, daher ist für uns die viel wichtigere Frage: Wird sich die Wirtschaft nach der Corona-Krise erholen? Wenn die Antwort „Ja“ lautet, sollte man heute schon handeln.

Schneller, höher, weiter, tiefer…

Die Aktienmärkte bewegen sich heutzutage mit einem nie dagewesen Tempo. Ein Grund dafür ist die Geschwindigkeit und die Reichweite von Nachrichten, die uns heute erreichen. Sei es ein Buschbrand in Australien oder ein Tweet aus dem Weißen Haus! Beeinflussen diese Nachrichten die Aussichten meiner Beteiligungen bzw. Aktien fundamental? Anscheinend, denn die Mehrheit der Anleger verfällt in blanke Panik und drückt auf den roten Sell-Knopf.

Durch die Nachrichtenlage rund um das Coronavirus sind zurzeit viele Anleger der Panik zum Opfer gefallen und haben systematisch ihre Aktien verkauft. Die Kreuzfahrt-Branche ist möglicherweise zu Recht abgewertet worden während Unternehmen wie Amazon und Microsoft nicht. Die Reisebeschränkung auf unabsehbare Zeit könnte viele Reedereien in die Insolvenz treiben. Daher ist eine Beteiligung in Unternehmen dieser Branche abzuraten. Währenddessen gewinnen Dienstleistungsunternehmen wie Microsoft, Amazon, Google (Alphabet) und Netflix an Bedeutung.

Wo es Verlierer gibt, gibt es auch meistens Gewinner – Profiteure sind Online-Lieferanten wie Amazon. Durch die #StayAtHome- und #HomeOffice-Initiative finden dank Teams, Zoom und Telefon-Konferenzen Meetings weiterhin problemlos statt. Für die Langeweile zu Hause hat Netflix eine Lösung und alles rund um das Thema Coronavirus findet man schnell auf Google. Viele Online-Anbieter nutzen den großen Bedarf an „Home-Schooling“, um ihr Angebot zu erweitern. Daher fragen Sie sich aktuell: Wird dieser Firma zu den Gewinnern oder Verlierern der Krise gehören?

In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern viel Kreativität für die Langeweile zu Hause, denn wie man so schön sagt: Die Not macht erfinderisch!

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Veröffentlichung der Arbeitslosenquote in Deutschland am kommenden Dienstag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick. Bis dahin bleiben Sie gesund!

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Wir schaffen das (isoliert) zusammen! | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (11/2020)

Die Grenzen schließen und die Menschheit isoliert sich nun zu Hause. In der vergangenen Woche hat der deutsche Leitindex allein am Donnerstag den zweitgrößten Tagesverlust (-12,24 Prozent) seiner Geschichte erlitten. Aufgrund der Corona-Pandemie befindet sich unsere Welt unter Quarantäne und keiner weiß so richtig wie es weitergehen wird. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Mut ist gefragt! Verkaufen kann jeder…

Wieder einmal handelten Börsianer weltweit nach dem Motto „Cash is King“ und verkauften regelrecht ihre Aktien. Die Aktienmärkte befinden sich nach wie vor im Sell-Off-Modus. Allein in der vergangenen Börsenwoche verlor der DAX gewaltige 20 Prozent und rutschte sogar im Wochenverlauf unter die Marke von 9.000 Punkten. Und wieder einmal gab es weltweit einen Run auf haltbare Lebensmittel – besonders in Deutschland und Österreich ist der Bedarf nach Toilettenpapier sehr hoch. In 200 Jahren werden Verhaltensforscher das Jahr 2020 und die Corona-Krise genau beleuchten und zur Erkenntnis kommen: alle Sorgen lösen sich mit genügend Toilettenpapier von allein.

Doch wer langfristig denkt sollte jetzt nicht in Panik verfallen und alles verkaufen – und wer kurzfristig denkt, soll langfristig denken! Auch wenn es schwer ist zurzeit Vorhersagen über den kurzfristigen Verlauf des Corona-Virus zu treffen, eines ist sicher: Jede Krise wird an den Börsen wieder aufgeholt. Deshalb ist in Zeiten wie diesen besonders viel Mut gefragt, denn Panik ist hochgradig ansteckend, vor allem in Situationen in denen nichts bekannt ist. Wie der Urvater des Value-Investing Benjamin Graham einst sagte: In Aktien zu investieren bedeutet mit der Volatilität umzugehen. Anstatt in Zeiten von Marktstress nach dem Ausgang zu suchen begrüßt der kluge Investor Abschwünge als Chance, große Investitionen zu tätigen.  

Notenbankhelden – die Retter in der Not und Kreditgeber der letzten Instanz

Anders als in der Finanzkrise 2008, als das Bankensystem zu kollabieren drohte, haben wir es im Jahr 2020 mit einem Virus zu tun, das vor allem die Lieferketten der Wirtschaft zunächst einmal zum Stillstand bringt – zumindest bis das Virus eingedämmt ist und bis die Zahl der Geheilten die Zahl der Neuinfizierten übertrifft. Man könnte sagen, die Wirtschaft macht nun eine Pause. Doch während dieser Pause müssen Rechnungen trotzdem beglichen werden. Das fällt der Wirtschaft besonders schwer, wenn die Verbraucher zu Hause isoliert sind und eben nicht „verbrauchen“ können.

Wir haben es also mit einer Liquiditätskrise zu tun. Während dieser „Pause“ braucht die Wirtschaft genügend Liquidität, um permanente Schäden zu vermeiden. Die Notenbankhelden sehen sich durch die Corona-Pandemie gezwungen weiter aufs Gaspedal zu drücken. Am vergangenen Donnerstag beschloss die amerikanische Notenbank, den Geschäftsbanken weitere 1,5 Billionen Dollar an Zentralbankgeld zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Auch die Europäische Zentralbank EZB beschloss vergangene Woche, den Geschäftsbanken weitere umfangreiche Leihgeschäfte zu extrem günstigen Konditionen anzubieten. Zudem wird sie bis Ende diesen Jahres weitere 120 Milliarden Euro in den Kauf von Anleihen stecken.

Diese Maßnahmen sollen die Banken in die Lage versetzen, besser auf den krisenbedingten Mehrbedarf der Unternehmen an Liquidität zu reagieren. Darüber hinaus werden Hilfspakete von Staaten zur Bewältigung der Corona-Krise ausgelegt. In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern in diesen volatilen Zeiten viel Geduld und Mut – und verpassen Sie nicht die Chance sich langfristig an dem Erfolg von „Great Businesses“ zu beteiligen, denn jetzt sind diese Unternehmen besonders günstig zu kaufen.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank Fed am kommenden Mittwoch. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Und wieder einmal stehen die großen Notenbanken bereit, um die Märkte zu stützen | Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski, Februar 2020

Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski | Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel, AMF Capital AG | www.amf-capital.de

Dass das Coronavirus eine Auswirkung auf das weltweite Wirtschafswachstum haben wird, dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein. Im besten Fall geht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums auf +2,4% (zuvor: +2,9%) für dieses Jahr aus. Hierbei müsste das Coronavirus allerdings eingedämmt werden, bevor es weiteren Schaden für die Wirtschaft hinterlässt. Durch das gehemmte Wachstum in diesem Jahr würde es nach Ansicht der OECD dann aber zu Nachholeffekten im kommenden Jahr kommen und das Wachstum auf +3,3% (zuvor: +3,0%) anziehen. Für Europa rechnet die OECD in diesem Szenario mit einem Wirtschaftswachstum von +0,8% (zuvor: +1,1%). In China wird mit einem Rückgang des Wachstums auf +4,9% (zuvor: 5,7%) gerechnet. Sollte es allerdings nicht gelingen, den Virus einzudämmen und es zu einer immer weiteren Ausbreitung auf andere Länder kommen, so wird im Worst-Case-Szenario von einem Weltwirtschaftswachstum von nur noch +1,5% ausgegangen. In diesem Szenario empfiehlt die OECD koordinierte multilaterale Maßnahmen zu ergreifen und die Staatsausgaben auszuweiten.

Dass die großen Zentralbanken bereit stehen um sich gegen den Abschwung der Weltwirtschaft zu stemmen haben sie nicht nur signalisiert, sie sind auch bereits zur Tat geschritten. Christine Lagarde hat „angemessene und zielgerichtete Maßnahmen“ in Aussicht gestellt, um den Auswirkungen des Coronavirus entgegenzuwirken. Die EZB beobachte die Entwicklung der Wirtschaft und der Inflation ganz genau. Die Fed hat sich dazu entschieden, in einem außerplanmäßigen Schritt den Leitzins um 50 BP auf 1,0% bis 1,25% (zuvor: 1,5% bis 1,75%) zu senken. Die Märkte hatten mit diesem Schritt erst bei der nächsten Fed-Sitzung am 17./18. März gerechnet. Dass die US-Notenbank nicht bis zur nächsten Sitzung warten wollte, deuten die Marktteilnehmer als eine sehr pessimistische Sicht der Fed auf die Auswirkung des Coronavirus auf die Weltwirtschaft – Die Bank of Japan (BoJ) hat in einer Notfallerklärung zu Beginn der Woche bereits klar gemacht, dass sie bereitstehe den Markt mit weiterer Liquidität zu versorgen und dadurch zu stabilisieren. Dabei hat die BoJ angeboten, Staatsanleihen im Volumen von 500 Mrd. JPY (4,2 Mrd. Euro) zu erwerben. Die großen Notenbanken tun also wieder das was sie am besten können: sich mit niedrigeren Zinsen und noch weiterer Liquidität gegen den Abschwung der Wirtschaft zu stemmen. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht eines Tages an den Punkt gelangen, indem wir in diesen Geldschwemmen ertrinken, sondern dass die Weltwirtschaft stark genug ist, um ohne diese Droge zu wachsen. Auch wenn bis dahin noch ein weiter Weg vor uns steht.

Konjunktur

Die aktuellen Stimmungsindikatoren zeigen, dass die Stimmung bei den Unternehmen noch nicht so schlecht ist wie die Prognosen der Analysten zeigen. Allerdings sind die meisten Stimmungsindikatoren im Moment mit Vorsicht zu genießen, da die Entwicklung des Coronavirus nicht komplett enthalten ist. So ist z.B. der Einkaufsmanagerindex für die Industrie in Europa auf 49,2 Punkte (Vm: 47,9 Punkte; [e]: 49,1 Punkte) für Februar angestiegen. Allerdings fand die Befragung im Zeitraum vom 12. Februar bis 21. Februar statt und somit ist die doch stärkere Ausbreitung des Virus nur zu Teilen in den Daten enthalten.

Sollte sich das Coronavirus zu einer Pandemie ausbreiten wäre davon besonders Deutschland als Exportnation betroffen. Die Verunsicherung darüber lässt sich jedoch nicht aus den Zahlen des Ifo-Instituts lesen. Das Barometer für das Geschäftsklima in Deutschland ist im Monat Februar sogar überraschend auf 96,1 Punkte (Vm: 96,0 Punkte; [e]: 95,3 Punkte) leicht angestiegen. Die Unternehmen beurteilen dabei ihre aktuelle Lage pessimistischer als im Vormonat, jedoch die Aussichten in den kommenden Monaten als besser. Allerdings gilt auch hier, dass große Teile der Entwicklung des Coronavirus gar nicht in den Daten enthalten sind. Die Ausbreitung des Virus und dessen Entwicklung in Italien und Südkorea sind z.B. gar nicht in den Daten erfasst.

Dass die Stimmung bei den Analysten und institutionellen Anlegern sich deutlich eingetrübt haben lässt sich nicht nur an den weltweiten Aktienindizes ablesen. Auch der ZEW-Index vermeldetet den ersten Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. Der ZEW-Index für die Erwartungen des deutschen Wirtschafswachstums in den kommenden sechs Monaten ging auf +8,7 Punkten (Vm: 26,7 Punkte; [e]: +21,5 Punkte) deutlich zurück. Der Stichtag für die Befragung beim ZEW-Index war allerdings hier der 14. Februar 2020, womit auch hier ein deutlicher Teil der Coronavirus-Entwicklung nicht enthalten ist. 

Während sich bei uns in Deutschland das Wirtschafswachstum um den Nullpunkt bewegt, verzeichnete die Wirtschaft in Japan im vierten Quartal eine Kontraktion von stolzen -1,6% (VQ: +1,8%; [e]: -3,8%). Dies stellt für Japan das schwächste Wachstum seit 2014 dar. Als Hauptgrund für den Einbruch des BIP können vor allem drei Faktoren verantwortlich sein: Zum einen kam es im Oktober in Japan zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 10% (zuvor: 8%), gemischt mit dem schwächeren Weltwirtschafswachstum führte dies zu einer Verringerung der Konsumentenausgaben in Höhe von 11,1%. Dass der Handelskonflikt dasWirtschaftswachstum in Japan hemmt, haben wir bereits schon in Ausgabe „November 2019“ beleuchtet. Hier kam es mittlerweile seit Dezember 2018 zu rückgängigen Exportzahlen. Als dritter Faktor erreichte ein großer Sturm im vierten Quartal Japan. Die Aussichten auf eine technische Rezession scheinen damit gegeben zu sein, schließlich dürfte auch Japans global ausgerichtete Wirtschaft unter den Auswirkungen des Coronavirus im ersten Quartal 2020 in Mittleidenschaft gezogen worden sein.

In den USA konnten die Häuserpreise auch im November zulegen. Wie aus den neuesten Daten des S&P/Case- Shiller-Index hervorgeht, kam es zu einem Anstieg von +2,85% (Vm: +2,55%; [e]: +2,85%) im Vergleich zum Vorjahr. Als Grund für den Anstieg kann weiterhin das niedrige Zinsumfeld für Hypothekenkredite herangezogen werden, dass durch die Zinssenkungen der Fed im letzten Jahr noch unterstützt wurde. Der US-Arbeitsmarkt dürfte zudem zu einer soliden Nachfrage beigetragen haben.

Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski.






Auch im neuen Jahr werden uns die alten Themen begleiten | Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski, Dezember 2019

Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski | Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel, AMF Capital AG | www.amf-capital.de

Das Jahr 2019 liegt hinter uns, doch die Themen, die das vergangene Jahr beherrschten, werden uns auch im Jahr 2020 weiterhin begleiten.

Mit dem Wahlsieg der Tories ist Boris Johnson kurz vor seinem Ziel. Der Brexit wird am 31. Januar vollzogen und stellt das Ende der 47-jährigen Mitgliedschaft der Briten in der EU dar. Doch wer sich darauf freut, dass dieses leidige Thema endlich ad acta gelegt werden kann, der dürfte schwer enttäuscht werden. Denn jetzt ist die Zeit gekommen ein Handelsabkommen mit den EU-Staaten auszuarbeiten und dafür hat sich Johnson einen ambitionierten Zeitrahmen gesetzt. Bis Ende 2020 soll das Handelsabkommen mit den verbleibenden 27 EU-Staaten stehen und Johnson versprach den Briten das ohne Zölle mit der EU zu realisieren. Immerhin hatte der Wahlsieg von Johnson schon mal einen positiven Effekt, die Ratingagentur Standard & Poor’s hat ihren Ausblick für Großbritannien von „negativ“ auf „stabil“ erhöht.

Auch der Handelskonflikt zwischen China und den USA dürfte uns noch eine Weile begleiten. Immerhin wird am 15. Januar – nach Aussagen von Trump – ein Phase-Eins-Abkommen der beiden Länder unterzeichnet. In dem Abkommen hat sich China verpflichtet geistiges Eigentum zu schützen und die Importe aus den USA in den kommenden zwei Jahren um 200 Mrd. USD zu erhöhen. Dafür wird Trump einige eingeführte Zölle wieder senken und auf weitere Importzölle verzichten. Wie lange die beiden Streithähne für ein Phase-Zwei-Abkommen brauchen steht jedoch in den Sternen, es scheint allerdings so, dass die Hürden hierfür um einiges höher liegen. Es bleiben viele Punkte im bilateralen Handelsverhältnis weiterhin strittig.

Damit dürfte das Jahr 2020 weiterhin von der Politik geprägt bleiben und sich die Märkte mehr um die politische Entwicklung sorgen als sich wirklich auf die Unternehmensmeldungen zu konzentrieren.

Konjunktur

Christine Lagarde präsentierte sich auf ihrer ersten EZB-Sitzung souverän und machte deutlich, dass sie ihre eigene Art hat die Notenbank zu führen. Doch an der Ausrichtung von „Super Mario“ Draghi wird sich auch unter ihr nichts ändern. Der Markt wird weiterhin mit Liquidität geflutet werden und eine Abkehr dieser Strategie ist nicht in Sicht. Die Notenbank wird jedoch im Januar ihre geldpolitische Strategie überprüfen und einige Monate dafür in Anspruch nehmen. Das letzte Mal, dass es zu einer Überarbeitung kam war im Jahr 2003. Seit diesem Zeitpunkt wird ein Inflationsziel von nahe 2% angestrebt, wobei das Ziel der EZB kontinuierlich seit 2013 verfehlt worden ist. – Die Projektionen für das Wirtschafswachstum und die Inflationsrate wurden nur marginal angepasst. Die Notenbank geht für 2020 von einem BIP von 1,1% aus, welches in 2021 und 2022 jeweils auf 1,4% ansteigen sollte. Bei der Inflationsrate rechnet die EZB mit einer Rate von 1,1% in diesem Jahr bzw. 1,4% in 2021 und 1,6% in 2022. Somit wird selbst nach der eigenen Projektion das aktuelle Ziel von nahe 2% nicht erreicht werden.

Die Zahlen zum US-Arbeitsmarkt werden vom Markt immer mit viel Spannung betrachtet, schließlich ist er richtungsweisend für die US-Konjunktur. Für den Monat November präsentierte sich der Arbeitsmarkt weiterhin in bester Verfassung. Insgesamt wurden 266.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (erwartet: 180.000 Stellen) geschaffen. Zwar muss dabei berücksichtigt werden, dass es einen Sondereffekt von ca. 50.000 Stellen gab, da in dem Zeitraum das Ende eines Streiks beim Autobauer General Motors lag, doch selbst wenn dieser Effekt rausgerechnet wird, zeigt sich ein sehr robustes Bild. – Zudem ging die erhobene Arbeitslosenquote auf 3,5% zurück. Damit dürfte sich auch die US-Notenbank bestätigt sehen, das vorerst nicht weiter an der Zinsschraube gedreht werden muss.

Anfang Dezember traf sich die OPEC+, die aus den 14 Mitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) besteht sowie 10 weiteren nicht OPEC-Mitgliedern. Die Führung unter den OPEC-Staaten hat Saudi-Arabien als der größte Ölproduzent inne, während Russland das Schwergewicht unter den Nicht-OPEC-Staaten stellt. Bei dem Treffen in Wien beschlossen die OPEC+ Staaten eine Kürzung der Produktion von 500.000 Barrel Öl pro Tag (BpT). Bereits vor einem Jahr sprachen sich die Mitgliedsstaaten für eine Kürzung der Produktionsmenge aus, um die Überproduktion zu schmälern und der geringeren Nachfrage Rechnung zu tragen. Insgesamt beläuft sich die zugesagte Kürzung auf 2,1 Mio. BpT gegenüber Oktober 2018. Fundamental wird diese Kürzung jedoch nicht zu steigenden Ölpreisen führen, denn nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die Nachfrage nach OPEC-Öl im ersten Halbjahr 2020 bei 28,3 Mio. BpT liegen, wohingegen das Kartell nach eigenen Angaben aktuell 29,7 Mio. BpT produziert. Zudem heißt eine Einigung nicht, dass sich auch alle die Absprache halten.

Was die Ölpreise allerdings nach oben katapultieren könnte, ist eine Verschärfung der Eskalationsstufe zwischen den USA und dem Iran. Nach der Ermordung von Qasem Soleimani hat bereits Irans Präsident Hassan Rohani einen Vergeltungsschlag angekündigt. Außerdem hat der Iran in der Vergangenheit immer wieder damit gedroht, die strategisch wichtige Straße von Hormus abzuriegeln. Durch diese Meeresenge werden täglich allein ca. 20% der Weltweiten Tagesproduktion verschifft. Es könnte damit eine Spirale ausgelöst werden, die das Potential hat die Ölpreise kräftig anzutreiben.

Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski.