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„Rot, rot, rot sind alle meine Kurse (- Kleider?)!“

Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (41/2018)

Ausverkäufe an den Aktienmärkten, steigende Zinsen in den USA, steigende Renditen der US-Treasuries, Handelskonflikt zwischen den USA und China, Brexit, Italiens Staatsdefizit und vieles mehr – die Märkte werden momentan von unterschiedlichen Seiten auf Trab gehalten. Den Investoren gefällt dieser Zustand nicht, denn durch die zahlreichen, unsicheren Entwicklungen kann keiner die Entwicklung der Weltwirtschaft prognostizieren. 

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Es war keine erfreuliche Woche für Investoren an den Aktienmärkten. Ganz nach dem Motto „rot, rot, rot sind alle meine Kurse (Kleider)“ fielen die Kurse der Indizes und konnten sich am Freitag geringfügig erholen. Dennoch schloss der deutsche Leitindex DAX am Freitag unter der 12.000 Punkte-Marke bei 11.573,10 Punkten mit einem Wochenverlust von 6 Prozent. Der europäische Leitindex EURO STOXX 50 schloss ebenfalls mit negativen 6,1 Prozent bei 3.199,92 Punkten.

An den amerikanischen Märkten verabschiedete sich der S&P 500 mit einem Wertverlust um 5,2 Prozent bei 2.765,70 Punkten in das Wochenende. Auch der Dow Jones 30 Industrial schloss diese Woche mit einem Wertverlust in der Höhe von 3,9 Prozent bei 25.328,30 Punkten. Der Verlierer an den amerikanischen Märkten war der NASDAQ Composite Index mit Verlusten um 6,2 Prozent und 7.496,89 Punkten. 

Was waren die Auslöser für diese negativen Entwicklungen auf den Aktienmärkten? 

Der US-Präsident Trump beschuldigte die Federal Reserve für den Ausverkauf an den amerikanischen Aktienmärkten. Die FED hat die Leitzinsen in den USA erneut erhöht, weshalb viele Investoren den Umstieg von Aktien auf Anleihen erwägen. Auf den Anleihemärkten sind die Renditen für US-Staatsanleihen gestiegen, sodass beispielsweise die 10-jährigen US-Staatsanleihen das Siebenjahreshoch erreicht haben und momentan bei 3,167 Prozent notieren. Zudem sind die 2-jährigen US-Staatsanleihen auf die Marke von 2,86 Prozent und die 30-jährigen US-Staatsanleihen auf die Marke von 3,338 Prozent geklettert. Dem gegenüber liegt die durchschnittliche Dividendenrendite des S&P 500 momentan mit 1,98 Prozent deutlich unterhalb der Rendite der US-Staatsanleihen. Je größer die Differenz zwischen den Dividendenrenditen der Indizes von den US-Anleiherenditen ist, desto unattraktiver werden schließlich die Aktienmärkte für Investoren. Der Großteil der Renditeanstiege war auf die steigenden Realzinsen und nicht auf die Inflationserwartungen zurückzuführen. Die Zahlen deuten auf eine starke Wirtschaftsdynamik hin, doch es stellt sich die Frage, inwiefern man sich darauf verlassen kann. 

Die Euphorie sollte die Investoren nicht einholen: Erstens besteht die Gefahr, dass die US-Staatsanleihen derzeit überverkauft sein können, zudem könnten weitere Faktoren hinter den steigenden Renditen stehen, so ggf. der weiterhin existierende Handelskonflikt zwischen den USA und China. 

Die starken Verluste an den Aktienmärkten könnten zudem auch den Risk-Parity-Fonds zugeordnet werden, denn diese könnten aufgrund ihrer Stop-Loss-Orders bei sinkenden Aktienkursen den Effekt des Ausverkaufs an den Märkten verstärkt haben und somit eine Lawine ausgelöst haben. 

In Europa herrscht zudem verstärkt die Angst vor einer Eurokrise, da die Haushaltspolitik der italienischen Regierung für Turbulenzen sorgte: die italienische Regierung wird zu Beginn der nächsten Woche bei der EU-Kommission seinen Haushalt vorlegen, wohl bemerkt mit deutlich höheren Schulden, als geplant. Die neue, italienischen Regierung hat anstelle eines Plans, um die Staatsverschuldung in Höhe von 133,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu vermindern, neue Projekte erarbeitet. Diese werden die Staatsdefizite auf gegen 2,5 Prozent ansteigen lassen. Ein italienischer Staatsbankrott könnte aufgrund der Größe der Volkswirtschaft (drittgrößte in Eurozone) dem gesamten Euroraum zum Verhängnis werden – „too big to fail“? 

Wie sieht es momentan mit der starken Verschuldung der Schwellenländer in US-Dollar aus? Vielen Schwellenländern wurde die starke Verschuldung in Dollar zum Verhängnis. Mit steigenden Zinsen in den USA wird mehr Kapital aus den Schwellenländern abgezogen und in die USA investiert. Mit dem derzeitigen Anstieg der amerikanischen Zinsen hat für einige Schwellenländer ein böser Teufelskreis begonnen hat: die Zinslast in Dollar erhöht sich, anschließend steigen die Staatsschulden der Schwellenländer, gefolgt von der Inflation und den Risikoprämien auf die Staatsanleihen. Übrig bleiben dann Staatspleiten, Währungskrisen, Arbeitslosigkeit und eine zerstörte Wirtschaft. Laut der BIZ haben sich die Fremdwährungskredite der Schwellenländer – bspw. Brasilien Russland, Indien, Türkei oder Argentinien – seit 2008 fast verdoppelt. 

Eine durchaus wichtige Nachricht für die Türkei war diese Woche die Aufhebung des Hausarrestes des US-Pastors Andrew Brunson. Die Türkei hat somit die Ausartung des Währungskonfliktes vorerst vermieden.

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden 42. Börsenwoche? 

Es ist ein nervöser Blick auf die nächste Woche. Hier die wichtigsten Konjunktur- und Wirtschaftsdaten: Der Montag startet mit den Zahlen es Einzelhandelsumsatzes für den Monat September aus den USA. Am Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen für den Monat Oktober veröffentlicht. Zudem startet die Quartalsberichtssaison zahlreicher Unternehmen.

Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen