Türkei: Droht die nächste Großbankenrettung in Europa? | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (32/2018)

Börsenfreunde sind weltweit über die Lage an den Finanzmärkten wenig erfreut. Seit Jahresanfang lassen sich die Märkte von zahlreichen politischen Ereignissen leiten. Ausnahmsweise spielte US-Präsident Donald Trump diese Woche nicht die führende Rolle – diese Rolle hat diese Woche der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan übernommen.

Am Donnerstagmorgen handelte die Lira gegen den USD bei 5,27 USD/TRY, bevor sie Freitagmorgen um kurz nach 8 Uhr auf 6,32 USD/TRY gefallen ist (-16,62%). Angesichts des abrupten Währungsverfalls rief Erdogan die Bevölkerung auf, gegen die „künstliche Finanzvolatilität“ zu kämpfen: Sie sollen ihre Euro, Dollar und Gold in Lira tauschen, so könne sich die Türkei gegen wirtschaftliche Angriffe verteidigen. Analysten von Goldman Sachs sehen die Lage sehr kritisch. Ihren Schätzungen nach könnte die türkische Lira innerhalb der nächsten Tage bei 7 USD/TRY notieren. Entschlossene Zinsschritte der türkischen Zentralbank sind unabwendbar, denn das türkische Bankensystem droht zusammenzubrechen. Der türkische Finanzminister und Schwiegersohn Erdogans, versprach die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank und beteuerte die große Bedeutung einer straffen Geld- und Fiskalpolitik und einer starken Haushaltsdisziplin im Land. Diese Zusicherungen kamen allerdings bisher nicht an den Kapitalmärkten an.

Inmitten der Krise an den Devisenmärkten hat Trump eine weitere Bombe platzen lassen und twitterte folgendes: „I have just authorized a doubling of Tariffs on Steel and Aluminium with respect to Turkey as their currency, the Turkish Lira, slides rapidly downward against our very strong Dollar! Aluminium will now be 20% and Steel 50%. Our relations with Turkey are not good at this time!”

Der türkische Außenminister versicherte anschließend, dass diese Missachtung der Regeln der Welthandelsorganisation noch Folgen haben werde. Initialzünder der ganzen Situation waren die Festnahmen mehrerer amerikanischer Staatsbürger in der Türkei– diese sollen der türkischen Regierung zufolge Verbindungen zu Fethullah Gülen gehabt haben. Daraufhin hat die USA Sanktion gegen den türkischen Innenminister Soylu und gegen den Justizminister Gül verhangen. Im Gegenzug hat Erdogan Sanktionen gegen US-Minister verhangen und das ganze politische Spiel hat die türkische Lira unter Druck gesetzt.

Die Entwicklungen in der Weltpolitik haben die Nervosität der Investoren deutlich verstärkt. Der Währungsverfall der türkischen Lira könnte Börsianern zufolge schwerwiegende Folgen für die Aktienmärkte haben. Diese Annahme wurde indirekt von der Europäischen Zentralbank bestätigt, da diese sich um Bankhäuser mit starkem Engagement in der Türkei sorgt und befürchtet, dass die Lira-Krise ein Systemrisiko darstellt.

Der deutsche Leitindex erlebte am Freitag eine starke Abwärtsbewegung und hat im Wochenüberblick mit minus 1,5 Prozent bei 12.415,10 Punkten geschlossen. Der Verlauf des EURO STOXX 50 wurde ebenfalls stark von den Nachrichten aus der Türkei beeinflusst: Nach der anfänglich guten Entwicklung diese Woche schloss er mit minus 2,2 Prozent bei 3.416,63 Punkten. Die amerikanischen Leitindizes indes verliefen etwas positiver: der S&P 500 verabschiedete sich mit einer positiven Steigerung um 1,2 Prozent bei 2.834,18 Punkten in das Wochenende. Auch der Nasdaq folgte dieser Entwicklung und schloss mit einer Steigerung um 2,3 Prozent bei 7.839,11 Prozent. Der Dow Jones allerdings erlebte am Freitag eine Abwärtsbewegung und schloss leicht negativ mit minus 0,3 Prozent bei 25.324,10 Punkten.

Eine weitere Nachricht hat am Dienstagabend für Aufruhr gesorgt: „Am considering taking Tesla private at $420.“ Elon Musk hatte nach den kritischen Nachfragen der Wall-Street-Investoren keine Lust mehr auf die Öffentlichkeit und zog einen Rückzug Teslas von den Aktienmärkten in Betracht.  Die Märkte kritisieren Musks Überlegungen – ohne die Investoren wäre Tesla nicht überlebensfähig, da diese bisher zahlreiche Verluste des Unternehmens finanziert haben. Nach der Ankündigung Musks stieg der Tesla-Kurs stark an und machte ihn um einige Milliarde Dollar reicher. Die Märkte fragen sich nun, ob hier nicht eine Pflichtmitteilung an die Aktionäre notwendig gewesen wäre – einige Aktionäre könnten gegen Tesla klagen und das könnte wiederum einen juristischen Kampf entfachen. Sind Elon Musks Tweets reine Marketing-Instrumente oder was führt dieser Mann im Schilde?

In der folgende Börsenwoche erwarten uns folgende Termine: Neben den vielen Quartalszahlen der Unternehmen werden am Dienstag die Konjunkturerwartungen im ZEW-Index August veröffentlicht. Am Mittwoch werden in den USA die Zahlen der Industrieproduktion bekannt gegeben, erwartet wird ein Plus von 0,3 Prozent. Das Ende der Woche wird mit dem Verbraucherpreisindex in der Eurozone abgeschlossen.

 

 

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