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Die Erwartungen sind hoch, aber das Vertrauen schwindet | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (25/2020)

Nachdem vorletzte Woche die Märkte herbe Verluste aufzeigten und nicht sicher war, ob es der Beginn einer Talfahrt wird oder nur eine Gewinnmitnahme, bestimmte die vergangene Woche der Abwärtstrend die Märkte. Wieviel Einfluss dabei Wirecard auf den DAX hatte, ist nicht abschätzbar. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Wirecard – vertrauenswürdig oder selbst Opfer?

Diese Woche wurde gespannt auf Eröffnung des Jahresabschlusses von Wirecard gewartet, da diese bereits mehrfach verlegt wurde. Doch auch dieses Mal wurden die Analysten vor den Kopf gestoßen. Das hatte dramatische Auswirkungen auf den DAX, der sich zum Wochenende jedoch wieder stabilisieren konnte und mit einem Plus von 3,19% schließen konnte. Wirecard dagegen verlor 71,97% innerhalb nur einer Woche. Doch der nominelle Wertverlust wiegt sicherlich nicht so schwer, wie der Vertrauensverlust, den Moody‘s mit ihrem Rating auf Ramschniveau Ausdruck verlieh. Derweilen stellte sich Ex-Chef Markus Braun selbst als Opfer dar und trat mit sofortiger Wirkung zurück. Nachfolger James Freis hat viel aufzuarbeiten – insbesondere die Suche nach den fehlenden 1,9 Mrd. € wird eine große Herausforderung. Es gibt jedoch noch einen viel größeren Verlierer bei der ganzen Story, und zwar den deutschen Aktienmarkt. Wie beim Platzen der Tech-Blase Anfang der 2000er ist das Grundvertrauen der Anleger erschüttert. Und gerade als sich eine neue Kultur am Entwickeln war.

Was tun, wenn selbst den Rettern das Vertrauen schwindet?

In der vergangenen Woche fand der EU-Gipfel zur Klärung des EU-Haushalts per Videokonferenz statt. Im Fokus dabei stand das geplante 750 Mrd. € Hilfspaket. Einige Länder benötigen dringend und umgehen die Finanzspritze, um ihren krisengebeutelten Wirtschaften wieder Leben einzuhauchen. Doch es gibt viele Fragen bzgl. Auszahlung, Rückzahlung und Summen. Eine Einigung war nicht zu erwarten, aber ein wirklicher Durchbruch zeichnete sich am Ende auch nicht ab – man vermeldete lediglich Annäherungen. Was dieses Ergebnis für einen Vertrauen erweckt, zeigte eine Reaktion von Christine Lagarde, die vor negativen Marktreaktionen warnte, falls das erwartete Hilfspaket nicht abgeschlossen wird, da die Marktteilnehmer die angekündigten Hilfen bereits eingepreist hätten und nur dadurch etwas Ruhe an den Märkten bestehen. Was sagt das nun über das Vertrauen zu den groß angekündigten Hilfsprogrammen der Regierungen aus?

Und wer vertraut eigentlich noch Trump?

Der US-Präsident setzt seinen Wahlkampf fort und trotzt dabei der aktuellen Pandemie. Seinem Rundumschlag in Tulsa hörten weit weniger Anhänger zu als angenommen. Der Grund liegt für Trump nahe – es seien die Medien mit ihrer Angstmacherei. Doch eine kürzlich durchgeführte Umfrage in den USA könnte einen anderen Grund darlegen. Das Vertrauen in den derzeitigen US-Präsidenten ist so schlecht wie nur dreimal zuvor in der Geschichte der Vereinigten Amerikanischen Staaten. Über 54% der Bevölkerung sprach sich gegen Trump aus und vielleicht ist es mittlerweile sogar noch mehr. Die Gallup Umfrage im Juni ergab nur 39% Befürwortung für den amtierenden US-Präsidenten und seine Politik. Derweilen regen sich erste Stimmen, dass das Vertrauen in einen fairen und demokratischen Wahlkampf schwinden. Es bleibt in den nächsten Wochen spannenden wie sich Erwartungen und Vertrauen in dieser herausfordernden Zeit weiterentwickeln, da sie die Grundwerte eines guten Marktes sind.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Coronavirus & die Psychologie der Massen | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (09/2020)

Massenpanik, Hamsterkäufe, Marktverwerfungen. Das Coronavirus ist auch im Westen angekommen. Die Reaktion der Menschen ist sowohl an den Aktienmärkten sowie in den Supermärkten aus dem Ruder gelaufen. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Die psychische Ansteckung des Coronavirus

Gustav Le Bons schrieb einmal in seinem Buch ,Psychologie der Massen‘, dass „der Einzelne, auch der Angehörige einer Hochkultur, unter bestimmten Umständen in der Masse seine Kritikfähigkeit verliert und sich affektiv, zum Teil primitiv-barbarisch, verhält. In dieser Situation ist der Einzelne leichtgläubiger und unterliegt der psychischen Ansteckung. Somit ist die Masse von Führern“ oder in unserem Fall von der Berichterstattung der Medien leicht zu lenken. 

Die vergangene (Börsen)Woche war nichts weniger als ein Beispiel für Le Bons „psychische Ansteckung“, denn noch viel ansteckender als das Coronavirus ist die Angst davor angesteckt zu werden. Aus diesem Grund gab es vergangene Woche in verschiedenen Orten Deutschlands einen Run auf haltbare Lebensmittel. Viele Deutsche haben aus Angst sogenannte Hamsterkäufe getätigt und bereiten sich auf das Schlimmste vor. Auch die Aktienmärkte weltweit haben direkt vom Rallye-Modus in den Sell-Off-Modus geschaltet, da Anleger, sowohl institutionelle als auch private, nach dem Motto „Cash is King“ gehandelt haben. 

Aktien- oder Hamsterkäufe

Wenn das Blut durch die Straßen fließe, soll Baron Rothschild gesagt haben, gelte es in die Zukunft zu investieren. Werfen wir einen Blick auf die unten geführte Performance-Tabelle der führenden globalen Indizes und wir sehen überall zweistellige negative Renditen. Der deutsche Leitindex DAX verlor in der vergangenen Woche 12,44 Prozent. Der Dow Jones Industrial Average zeigt in der Wochenbilanz ein Minus von 12,36 Prozent. Überall sind wir von roten Zahlen umgeben, sodass man behaupten könnte, dass das Blut durch die Straßen fließt. Es lohnt sich sicherlich einen Blick auf die Einzelwerte zu werfen, die vergangene Woche massive Verluste einstecken mussten. 

Wie der Urvater des Value-Investing Benjamin Graham einst sagte: In Aktien zu investieren bedeutet, mit der Volatilität umzugehen. Anstatt in Zeiten von Marktstress nach dem Ausgang zu suchen, begrüßt der kluge Investor Abschwünge als Chance, große Investitionen zu tätigen. In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern in diesen volatilen Zeiten viel Geduld und Mut – und verpassen Sie nicht die Chance günstig Aktien zu erwerben. 

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Produktionszahlen des Caixin PMI Index aus China am kommenden Montag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

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EU & Großbritannien: Freunde mit gewissen Vorzügen?! | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (04/2020)

Eine lange Scheidungsphase zwischen Großbritannien und der EU naht allmählich dem Ende zu. Die Scheidungspapiere sind offiziell unterschrieben, die Anwälte sind beruhigt und die Umzugsfirma ist bereits bestellt worden. Großbritannien zieht am 31. Januar 2020 aus der europäischen Gemeinschaft aus!  Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Freunde mit gewissen Vorzügen?!

Der Ablauf jeder Scheidung hängt stark davon ab, ob die Scheidung einvernehmlich oder streitig ist. Im Falle Brexit war die Scheidung eher mühsam und voller Vorwürfe. Am vergangenen Freitag haben die EU-Spitzen und der britische Premierminister Boris Johnson das Brexit-Abkommen unterzeichnet. Am kommenden Mittwoch, den 29. Januar muss nur noch das EU-Parlament zustimmen. Einen Hard-Brexit soll es nicht geben. Bis zum Ende des Jahres wird in einer Übergangszeit versucht neue Verträge und Abkommen für die neuen Beziehungen zu finden. Bleiben Großbritannien und die Europäische Union Freunde mit gewissen Vorzügen oder gehen sie ein für alle Mal getrennte Wege?

Dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum am 23. Juni 2016 können wir ein Fazit ziehen. Die von Brexit-Kritikern befürchtete Katastrophe ist offensichtlich nicht eingetreten. Genau so wenig haben die Briten einen wirtschaftlichen Boom erlebt. Das hat die lokalen Zeitungen jedoch nicht davon abgehalten, mehr Vorhersagen darüber zu machen, was nach dem 31. Januar geschehen wird. Eine Sache ist jedoch sicher: es herrscht in Sachen Brexit wieder Gewissheit. Der britische Leitindex FTSE 100 und der europäische Leitindex EuroStoxx 50 konnten am Freitag mit über 1 Prozent Performance ins Wochenende gehen.

Die Chefin räumt auf!

Für die neue EZB-Chefin Christine Lagarde gibt es keine Zeit zu verlieren. Am vergangenen Donnerstag kündigte Lagarde an, dass sie die strategische Ausrichtung der Europäischen Zentralbank einmal ausführlich prüfen wird. Lagarde möchte die Nebenwirkungen der jahrelangen lockeren Geldpolitik genauer unter die Lupe nehmen.

Das Hauptziel der Notenbank ist die Preisstabilität im Euroraum. Mittelfristig soll die Inflationsrate knapp unter 2 Prozent bleiben. Dies ist der Notenbank jedoch nicht gelungen, daher stellt sich die Frage, ob dies noch zeitgemäß ist. Beim Thema Geldpolitik bleibt jedoch alles beim Alten – der Leitzins und der Einlagezins bleiben zunächst unverändert.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank Fed am kommenden Mittwoch. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Tief durchatmen und los geht’s! | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (47/2019)

Nach der sechswöchigen Rallye haben die Aktienmärkte nun eine Pause eingelegt. Heißt es jetzt tief durchatmen und los geht’s oder müssen Anleger eine längere Pause der Bullen befürchten? Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Die Märkte sind wahrscheinlich zu schnell gesprintet

Die Aktienmärkte haben in den letzten sechs Wochen kräftig zugelegt. Der deutsche Leitindex DAX hat in diesem Zeitraum (Kalenderwoche 41 – 46) satte 10,23 Prozent Performance erzielt – die amerikanischen Standardwerte (S&P 500) dagegen konnten in dieser sechswöchigen Aufwärtsphase nur 5,71 Prozent erzielen. Allerdings erwies sich die vergangene Woche als zu schwierig um positive Ergebnisse zu liefern (siehe Performance-Tabelle unten).

Grund dafür waren die überraschend schwachen Ergebnisse des Markit-Einkaufsmanagerindex, der Industrie und Dienstleister im Euroraum zusammenfasst. Der Einkaufsmanagerindex ist eine monatliche Umfrage des Instituts IHS Markit, die auf den Einschätzungen von mehr als 400 ausgewählten Einkaufsmanagern oder Geschäftsführern basiert. Im November fiel der Einkaufsmanagerindex in der Eurozone um 0,3 auf 50,3 Punkte. „Aufgrund der anhaltenden Handelskonflikte verharrte die Industrie in der tiefsten Rezession seit sechs Jahren“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Daten signalisieren, dass die Wirtschaft im Euroraum auf Quartalsbasis derzeit nur um 0,1 Prozent wächst.

EZB-Chefin Lagarde: „Wir werden kontinuierlich die Nebeneffekte unserer (Geld)Politik beobachten“

Die neue Chefin der Europäischen Zentralbank heißt Christine Lagarde. Lagarde qualifizierte sich für den EZB-Posten in erster Linie durch ihren vorherigen Arbeitgeber – den Internationalen Währungsfonds (IWF). Von 2011 bis 2019 hat Lagarde, als Kreditgeber letzter Instanz, Mitgliedstaaten bei Zahlungsschwierigkeiten mit Krediten geholfen. Der IWF vergibt unter bestimmten fiskalischen Bedingungen befristete Kredite an Staaten, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass Lagarde am vergangenen Freitag in ihrer ersten Rede als EZB-Präsidentin die Politik auffordert mehr Investitionen zu tätigen, um das Wachstum in der Eurozone anzukurbeln. „Investitionen sind ein besonders wichtiger Teil der Antwort auf die Herausforderungen von heute, da sie sowohl die Nachfrage von heute als auch das Angebot von morgen sind“, sagte Lagarde. Darüber hinaus versicherte Lagarde weiterhin die Unterstützung der EZB, um der Wirtschaft zu helfen und um auf zukünftige Risiken zu reagieren. Wir wünschen Frau Lagarde viel Erfolg dabei!

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Rede von Fed-Chef Jerome Powell am kommenden Dienstag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Neue Höchststände & die Hoffnung auf die Jahresendrallye | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (44/2019)

Die vielbeachtete Marke von 13.000 Punkten im DAX rückt immer näher. Der Oktober endete für die globalen Aktienindizes weitestgehend freundlich. In den USA haben der S&P 500 und der NASDAQ 100 erneut Allzeit-Höchststände erreicht. Ob die Börsen auch im November bei diesem Tempo rasen werden bleibt zunächst die Millionenfrage! Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

US-Aktienindizes glänzen mit neuen Höchstständen

Die sich abschwächende Wirtschaft scheint unsere Freunde an der Wallstreet kaum zu stören. Die vergangene Woche war von neuen Rekorden geprägt. Der S&P 500 und der NASDAQ 100 haben die Woche mit neuen Höchstständen begonnen. Umso größer war die Freude am vergangenen Freitag als die Messlatte noch höher gelegt wurde – die US-Indizes glänzen derzeit mit rasanten Kursanstiegen.

Es ist ja auch kein Wunder, denn die amerikanische Notenbank senkte den Leitzins erneut um 25 Basispunkte und pumpt sogar fleißig US-Dollar in die Wirtschaft, wie z.B. durch ein gewaltiges Kaufprogramm von US-Staatsanleihen und durch Übernacht-Rückkaufsgeschäfte mit einem Rahmen von 120 Milliarden US-Dollar. Die Liquiditätsspritze der US-Notenbank kommt den Bullen an der Börse zugute – eine Jahresendrallye ist durchaus denkbar.

China wächst und gedeiht

Am vergangenen Freitag lieferten die Chinesen gute Zahlen aus dem Produktionsbereich. Chinas Produktionsaktivitäten expandierten im Oktober mit dem höchsten Tempo seit fast drei Jahren. Grund dafür sind die neuen Exportaufträge, die erstmals seit fünf Monaten wieder angestiegen sind. Die Wachstumsrate der Exportaufträge ist die höchste seit Februar 2018. Der Anstieg ist auf den „Handelsdeal“ mit den USA zurückzuführen, da US-Präsident Donald Trump die geplante Tariferhöhungen Mitte Oktober zunächst angehalten hat.  

Die Stabilität des chinesischen Produktionssektors, der Anker der chinesischen Wirtschaft, hängt sehr stark mit dem Ergebnis des Handelsabkommens mit den USA zusammen. In einem Interview am vergangenen Freitag sagte Präsident Trump, dass die erste Phase des Handelsabkommens mit China diesen Monat in Iowa unterzeichnet werden könnte.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die ISM Daten aus den USA am kommenden Dienstag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

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Die USA überrascht während Europa schwächelt | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (17/2019)

Die Weltwirtschaft befindet sich seit den schlimmsten Tagen der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 in einer langen Expansionsphase. Viele befürchten jedoch einen weiteren großen Abschwung. Wenn wir einen Blick auf die Einkaufsmanagerdaten auf der ganzen Welt werfen, sehen wir, dass sich die Weltwirtschaft etwas verlangsamt. Der IWF hat sogar seine Prognose für das globale Wachstum von 3,7 auf 3,3 Prozent für das Jahr 2019 gesenkt.

Doch die Amerikaner sind immer für eine Überraschung gut. Das Bruttoinlandsprodukt der USA wuchs im ersten Quartal 2019 mit 3,2 Prozent – viel stärker als die von den meisten Analysten erwarteten 2,3 Prozent. Das Wachstum im ersten Quartal wurde durch einen Anstieg der Staats- und Kommunalausgaben sowie durch einen Anstieg der US-Exporte getragen. Die Befürchtungen, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte, sind vorerst verschwunden.

Wenn man die Eurozone betrachtet, sieht die Lage etwas heikler aus. Die Wirtschaft der Eurozone startet schwach in das 2. Quartal 2019. Dies geht aus den aktuellen Einkaufsmanagerdaten für den Monat April hervor: das Wachstum im Dienstleistungssektor der Eurozone gab gegenüber März um 0,3 Punkte auf 51,3 nach. Nun befindet sich der aktuelle Wert auf dem Niveau von Dezember und Januar. Doch die Aktienmärkte Europas kennen seit Jahresbeginn nur eine Richtung, und zwar nach oben. Der DAX und der Euro Stoxx 50 konnten bereits seit Jahresbeginn 16,63 Prozent zulegen. In der kommenden Woche warten wir gespannt auf die BIP-Zahlen für die Eurozone.

Und zuletzt richten wir unseren Blick nach Asien, denn auch hier stößt man kaum auf positive Konjunkturdaten. Die japanische Wirtschaft leidet unter der schwachen globalen Nachfrage. Die japanische Industrie schrumpfte im April dank einer Belebung der Neueinstellungen etwas langsamer, aber die neuen Exportaufträge sind so schnell wie seit fast drei Jahren nicht mehr gesunken. Dies deutet darauf hin, dass die schwache globale Nachfrage ein wichtiger Druckpunkt für die japanische Wirtschaft bleibt. Und China konnte nur durch konjunkturelle Maßnahmen der Regierung die Verlangsamung der Wirtschaft kurzfristig aufhalten. In der kommenden Woche dürften die Einkaufsmanagerdaten aus China ein klareres Bild wiedergeben.

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Wall oder Wall Street | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (06/2019)

Die Ausverkaufsstimmung an den Börsen wurde gegen Ende der Woche maßgeblich vom US-Präsidenten Trump ausgelöst. Einige Wochen nach dem längsten Shutdown in der amerikanischen Geschichte hat er in seiner Ansprache zur Lage der Union (State of the Union Address) das Loch der gespaltenen amerikanischen Politik noch tiefer gegraben. Anstatt die Rede für die Korrektur seiner bisherigen Politik zu nutzen, hat er seine Überzeugung, eine Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko zu bauen, erneut appelliert.

Zudem haben sich die Hoffnungen auf eine Lösung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China erneut verschoben, da das geplante Gipfeltreffen zwischen den beiden Handelsmächten auf den März verlegt wurde – also nach Ablauf der gesetzten Frist im Handelsstreit.

In Europa verdichtet sich zunehmend die Angst vor einer Rezession. In Deutschland hat erstmals seit über neun Jahren Boom ein Abschwung der Konjunktur stattgefunden. Die Stimmen häufen sich, dass die europäische Wirtschaft teilweise schon in einer Rezession steckt. Aktuelle Zahlen der EZB und der EU-Kommission haben die Abkühlung der Wirtschaft im Euroraum bereits signalisiert, da diese aufgrund geringerer Nachfrage aus dem Ausland deutlich schwächer ausgefallen sind. Das schwarze Schaf in der EU stellt das hochverschuldete Land Italien dar – dort haben sich die Konjunkturaussichten zuletzt drastisch verschlechtert. Die EU-Kommission hat das Wirtschaftswachstum zuletzt auf lediglich 0,2 Prozent (zuvor: 1,2 Prozent) geschätzt.

Pessimismus hat sich auch bei den Unternehmern der deutschen Wirtschaft verbreitet: die Umfrage des DIHK unter 27.000 Unternehmen hat verdeutlicht, dass die Geschäftserwartungen in nahezu allen Branchen deutlich schlechter eingeschätzt werden.

Wie werden die Notenbanken gegen diese Entwicklungen vorgehen? Der Handlungsspielraum in der Zinspolitik der EZB ist bei einem Fortschreiten der konjunkturellen Abschwächung minimal.

Auch in den USA verdichten sich die Anzeichen einer abschwächenden Wirtschaft. Die FED hat im Zuge der strafferen Geldpolitik der amerikanischen Wirtschaft Liquidität entzogen, doch mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftslage muss sie zukünftig vorsichtig handeln.

Nachdem Analysten in der aktuellen Berichtssaison mit nach unten korrigierten Gewinnzuwächsen in Höhe von 10,6 Prozent (statt 15 Prozent) gerechnet haben, wurden die Gewinnerwartungen teilweise doch übertroffen. Dennoch sind die Erwartungen für das erste Quartal 2019 negativ – ist das ein Zeichen für uns bevorstehende, volatile Märkte in diesem Jahr?

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

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Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen