Und wieder einmal stehen die großen Notenbanken bereit, um die Märkte zu stützen | Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski, Februar 2020

Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski | Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel, AMF Capital AG | www.amf-capital.de

Dass das Coronavirus eine Auswirkung auf das weltweite Wirtschafswachstum haben wird, dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein. Im besten Fall geht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums auf +2,4% (zuvor: +2,9%) für dieses Jahr aus. Hierbei müsste das Coronavirus allerdings eingedämmt werden, bevor es weiteren Schaden für die Wirtschaft hinterlässt. Durch das gehemmte Wachstum in diesem Jahr würde es nach Ansicht der OECD dann aber zu Nachholeffekten im kommenden Jahr kommen und das Wachstum auf +3,3% (zuvor: +3,0%) anziehen. Für Europa rechnet die OECD in diesem Szenario mit einem Wirtschaftswachstum von +0,8% (zuvor: +1,1%). In China wird mit einem Rückgang des Wachstums auf +4,9% (zuvor: 5,7%) gerechnet. Sollte es allerdings nicht gelingen, den Virus einzudämmen und es zu einer immer weiteren Ausbreitung auf andere Länder kommen, so wird im Worst-Case-Szenario von einem Weltwirtschaftswachstum von nur noch +1,5% ausgegangen. In diesem Szenario empfiehlt die OECD koordinierte multilaterale Maßnahmen zu ergreifen und die Staatsausgaben auszuweiten.

Dass die großen Zentralbanken bereit stehen um sich gegen den Abschwung der Weltwirtschaft zu stemmen haben sie nicht nur signalisiert, sie sind auch bereits zur Tat geschritten. Christine Lagarde hat „angemessene und zielgerichtete Maßnahmen“ in Aussicht gestellt, um den Auswirkungen des Coronavirus entgegenzuwirken. Die EZB beobachte die Entwicklung der Wirtschaft und der Inflation ganz genau. Die Fed hat sich dazu entschieden, in einem außerplanmäßigen Schritt den Leitzins um 50 BP auf 1,0% bis 1,25% (zuvor: 1,5% bis 1,75%) zu senken. Die Märkte hatten mit diesem Schritt erst bei der nächsten Fed-Sitzung am 17./18. März gerechnet. Dass die US-Notenbank nicht bis zur nächsten Sitzung warten wollte, deuten die Marktteilnehmer als eine sehr pessimistische Sicht der Fed auf die Auswirkung des Coronavirus auf die Weltwirtschaft – Die Bank of Japan (BoJ) hat in einer Notfallerklärung zu Beginn der Woche bereits klar gemacht, dass sie bereitstehe den Markt mit weiterer Liquidität zu versorgen und dadurch zu stabilisieren. Dabei hat die BoJ angeboten, Staatsanleihen im Volumen von 500 Mrd. JPY (4,2 Mrd. Euro) zu erwerben. Die großen Notenbanken tun also wieder das was sie am besten können: sich mit niedrigeren Zinsen und noch weiterer Liquidität gegen den Abschwung der Wirtschaft zu stemmen. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht eines Tages an den Punkt gelangen, indem wir in diesen Geldschwemmen ertrinken, sondern dass die Weltwirtschaft stark genug ist, um ohne diese Droge zu wachsen. Auch wenn bis dahin noch ein weiter Weg vor uns steht.

Konjunktur

Die aktuellen Stimmungsindikatoren zeigen, dass die Stimmung bei den Unternehmen noch nicht so schlecht ist wie die Prognosen der Analysten zeigen. Allerdings sind die meisten Stimmungsindikatoren im Moment mit Vorsicht zu genießen, da die Entwicklung des Coronavirus nicht komplett enthalten ist. So ist z.B. der Einkaufsmanagerindex für die Industrie in Europa auf 49,2 Punkte (Vm: 47,9 Punkte; [e]: 49,1 Punkte) für Februar angestiegen. Allerdings fand die Befragung im Zeitraum vom 12. Februar bis 21. Februar statt und somit ist die doch stärkere Ausbreitung des Virus nur zu Teilen in den Daten enthalten.

Sollte sich das Coronavirus zu einer Pandemie ausbreiten wäre davon besonders Deutschland als Exportnation betroffen. Die Verunsicherung darüber lässt sich jedoch nicht aus den Zahlen des Ifo-Instituts lesen. Das Barometer für das Geschäftsklima in Deutschland ist im Monat Februar sogar überraschend auf 96,1 Punkte (Vm: 96,0 Punkte; [e]: 95,3 Punkte) leicht angestiegen. Die Unternehmen beurteilen dabei ihre aktuelle Lage pessimistischer als im Vormonat, jedoch die Aussichten in den kommenden Monaten als besser. Allerdings gilt auch hier, dass große Teile der Entwicklung des Coronavirus gar nicht in den Daten enthalten sind. Die Ausbreitung des Virus und dessen Entwicklung in Italien und Südkorea sind z.B. gar nicht in den Daten erfasst.

Dass die Stimmung bei den Analysten und institutionellen Anlegern sich deutlich eingetrübt haben lässt sich nicht nur an den weltweiten Aktienindizes ablesen. Auch der ZEW-Index vermeldetet den ersten Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. Der ZEW-Index für die Erwartungen des deutschen Wirtschafswachstums in den kommenden sechs Monaten ging auf +8,7 Punkten (Vm: 26,7 Punkte; [e]: +21,5 Punkte) deutlich zurück. Der Stichtag für die Befragung beim ZEW-Index war allerdings hier der 14. Februar 2020, womit auch hier ein deutlicher Teil der Coronavirus-Entwicklung nicht enthalten ist. 

Während sich bei uns in Deutschland das Wirtschafswachstum um den Nullpunkt bewegt, verzeichnete die Wirtschaft in Japan im vierten Quartal eine Kontraktion von stolzen -1,6% (VQ: +1,8%; [e]: -3,8%). Dies stellt für Japan das schwächste Wachstum seit 2014 dar. Als Hauptgrund für den Einbruch des BIP können vor allem drei Faktoren verantwortlich sein: Zum einen kam es im Oktober in Japan zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 10% (zuvor: 8%), gemischt mit dem schwächeren Weltwirtschafswachstum führte dies zu einer Verringerung der Konsumentenausgaben in Höhe von 11,1%. Dass der Handelskonflikt dasWirtschaftswachstum in Japan hemmt, haben wir bereits schon in Ausgabe „November 2019“ beleuchtet. Hier kam es mittlerweile seit Dezember 2018 zu rückgängigen Exportzahlen. Als dritter Faktor erreichte ein großer Sturm im vierten Quartal Japan. Die Aussichten auf eine technische Rezession scheinen damit gegeben zu sein, schließlich dürfte auch Japans global ausgerichtete Wirtschaft unter den Auswirkungen des Coronavirus im ersten Quartal 2020 in Mittleidenschaft gezogen worden sein.

In den USA konnten die Häuserpreise auch im November zulegen. Wie aus den neuesten Daten des S&P/Case- Shiller-Index hervorgeht, kam es zu einem Anstieg von +2,85% (Vm: +2,55%; [e]: +2,85%) im Vergleich zum Vorjahr. Als Grund für den Anstieg kann weiterhin das niedrige Zinsumfeld für Hypothekenkredite herangezogen werden, dass durch die Zinssenkungen der Fed im letzten Jahr noch unterstützt wurde. Der US-Arbeitsmarkt dürfte zudem zu einer soliden Nachfrage beigetragen haben.

Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski.






Coronavirus – Der nächste Störfaktor für das Wirtschafswachstum und die Märkte | Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski, Januar 2020

Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski | Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel, AMF Capital AG | www.amf-capital.de

Die Märkte befinden sich im Moment im Griff des Coronavirus. Viele Anleger fühlen sich an 2002 erinnert, als China der Ausgangspunkt für den Ausbruch des SARS-Virus war. Damals kam es weltweit zu 8.000 Infizierungen und 800 toten. Der Schaden für die Wirtschaft bezifferte die Weltbank und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf rund 30 Mrd. USD. Der Anteil des chinesischen BIP an der Weltwirtschaft lag zu dieser Zeit jedoch nur bei knappen 5%, heute sind es 16,5%. Um die chinesische Wirtschaft zu stützen hat die People’s Bank of China (PBOC) den Markt mit Liquidität in Höhe von 1,2 Bio. Yuan (ca. 173,8 Mrd. USD) versorgt. Die Notenbank hat das Geld in Form von umgekehrten Repogeschäften zur Verfügung gestellt. Dabei kauft die PBOC den Banken Wertpapiere ab und pumpt dadurch Geld in den Markt. Hierdurch erhöht sich kurzfristig die Geldmenge im Wirtschafssystem. Es dürfte nicht die einzige Maßnahme bleiben, welche ergriffen wird – es wurde u.a. eine Senkung des Leitzinses in Aussicht gestellt.

Die Berichtssaison in Europa und den USA ist in vollem Gang: Die Q4-Zahlen von bisher 56% der S&P-500-Unternehmen liegen vor. Das Wachstum bei den Umsätzen konnte um rund 1,93% zulegen, während die Gewinne ein leicht negatives Bild zeigen. Die Zahlen liegen jedoch über den Erwartungen der Analysten, die Umsätze kamen mit +1,05% und die Gewinne mit +5,55% besser rein als erwartet.

In der Eurozone haben 31% der Stoxx-600-Firmen ihr Zahlenwerk präsentiert, hier lag das Gewinnwachstum bei -5,66% und das Umsatzwachstum bei -1,16%. Während die Umsätze um -1,50% schlechter ausfielen als erwartet wurde, lagen die Gewinne mit +5,80% über den Erwartungen am Markt.

Konjunktur

Wie das Statistikamt Eurostat mitteilte, lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Eurozone im vierten Quartal 2019 bei +0,1% (VQ: +0,2%; [e]: +0,2%). Besonders schwach zeigte sich die Wirtschaft dabei in Frankreich und Italien, hier war das BIP sogar um -0,1% bzw. -0,3% rückläufig. Nach der ersten Schätzung verzeichnete die Wirtschaft damit ein Wachstum von 1,0% (VJ: +1,2%) im Vergleich zum Vorjahr. Hauptgrund für das schwächere Wachstum lag in dem gebeutelten Industriesektor, der vor allem unter dem Handelskonflikt litt, sowie dem Strukturwandel in der Automobilbranche.

Beim internationalen Weltwirtschafsgipfel in Davos hat der internationale Währungsfonds (IWF) seine überarbeiteten Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum in den kommenden Jahren präsentiert. Für das laufende Jahr wird nur noch von einem Wachstum von +3,3% (zuvor: 3,4%) ausgegangen. Im darauffolgenden Jahr erwartet der IWF dann einen leichten Anstieg auf +3,4 (zuvor: +3,6). Als Hauptgrund für die nach unten angepasster Prognose zog der IWF die Neubewertungen der Schwellenländer heran und stellte hier insbesondere Indien hervor. Dort habe sich der Konsum stärker abgeschwächt, was mit einem deutlich langsameren Anstieg der Einkommen auf dem Land begründet wird.

Die EZB hält ihren Kurs der expansiven Geldpolitik bei und lässt den Leitzins unverändert. Die Risiken des Konjunkturausblickes sieht die Notenbank eher nach unten gerichtet. Vor dem Hintergrund der weiterhin nur schwachen Inflation in der Eurozone hält die EZB eine äußerst akkommodierende Geldpolitik für einen längeren Zeitraum für angebracht. Aus den Umfrageergebnissen der EZB zum Kreditgeschäft der Banken (Bank Lending Survey) geht hervor, dass die Kreditnachfrage der Unternehmen im Euroraum im vierten Quartal zum ersten Mal seit sechs Jahren rückläufig ist. Der Rückgang war vor allem in Spanien und Frankreich zu beobachten, während die Nachfrage in Italien zulegen konnte. Die Ergebnisse dürften die EZB darin bestärken ihren Kurs einer ultralockeren Geldpolitik fortzusetzen. Es deutet daher weiterhin nichts darauf hin, dass wir mit steigenden Renditen rechnen müssen. 

Auch die Fed verzichtete bei ihrer Sitzung auf eine Änderung des Zinsbandes, das sich damit weiterhin in der Spanne von 1,5% bis 1,75% befindet. Der Satz für die Überschussreserven der Banken (IOER) wurde hingegen auf 1,60% (zuvor: 1,55%) leicht nach oben angepasst.

Die Stimmung bei den deutschen Unternehmen hat sich zu Jahresbeginn überraschend eingetrübt. Wie aus dem Ifo-Geschäftsklimaindex für Januar hervorgeht, ging das Barometer auf 95,9 Punkte (Vm: 96,3 Punkte; [e]: 97,0 Punkte) zurück. Die im Vorfeld befragten Analysten hatten hingegen mit einem Anstieg der Stimmung gerechnet, da mit dem Phase-Eins-Abkommen zwischen China und den USA sowie der Entwicklung rund um einen Hard Brexit zwei Belastungsfaktoren weggefallen waren. Für den Rückgang war vor allem die Erwartungskomponente verantwortlich, während die aktuelle Lage von den Unternehmen leicht positiver beurteilt wurde als im Vormonat.

Das Verbrauchervertrauen ist in Deutschland für den Monat Februar angestiegen. Die nachlassende Spannung im internationalen Handelsstreit sorgte dafür, dass der entsprechende Konsumklimaindex auf 9,9 Punkte (Vm: 9,6 Punkte; [e]: 9,6 Punkte) zulegen konnte. Als Exportnation ist es gerade für Deutschland wichtig, dass ein freier Warenaustausch möglich ist.

Auch in den USA ist die Kauflaune der US-Verbraucher gestiegen. Für Januar ermittelte das Forschungsinstitut Conference Board einen Anstieg des Index auf 131,6 Punkte (Vm: 126,5 Punkte; [e]: 128,0 Punkte). Die Konsumenten bewerteten dabei sowohl die aktuelle Lage als auch die Zukunftsaussichten besser. Der US-Konsum ist eine tragende Säule des US-Wachstums, er macht ca. 70% der dortigen Wirtschafsleistung aus. 

In China schwächte sich der Einkaufsmanagerindex im Januar auf 51,9 Punkte (Vm: 52,6 Punkte) ab. Überraschend ist der Rückgang dahingehend, dass es mit dem unterschriebenen Phase-Eins-Abkommen zu einer Annährung im Handelsstreit zwischen den USA und China gekommen ist und dies eigentlich zu einem positiven Effekt führen sollte. Zudem sind in den Daten die Auswirkungen des Corona-Virus noch nicht komplett enthalten, da dieser erst gegen Ende des Monats ausgebrochen ist.

Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski.






Die Angst, die Gier und das Risiko | Frank Fischer @ValueInvestoren

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Der DAX ist mit Verlusten ins neue Jahr gestartet. Das ist nicht gerade erfreulich, aber durch die jüngsten politischen Ereignisse ausgelöst und zeigt natürlich noch keinen Trend für den weiteren Verlauf an den Börsen. Eines ist jedoch klar: Insgesamt ist die Stimmung an den Märkten positiv, wenn nicht sogar zu euphorisch. So zeigt die jüngste Fondsmanagerumfrage der Bank of America Merrill Lynch, dass die Geldprofis aus Renditegründen so stark auf Aktien setzen wie seit gut einem Jahr nicht mehr. Auch die letzte Umfrage von Universal-Investment hat bezeugt, dass unabhängige Vermögensverwalter ihren Kunden eine höhere Aktienquote empfehlen, weil sie positiv für 2020 gestimmt sind. Und der aktuelle Stand des CNN Greed & Fear-Index wird sogar noch deutlicher: Bei einem Stand von 97 symbolisiert er eine extreme Gier unter den Marktteilnehmern. Vor einem Jahr stand er bei 3, also bei purer Angst! Daraufhin wurde 2019 ein sehr gutes Börsenjahr!

Und jetzt wo alle gierig sind? Mit dem Wahlsieg von Boris Johnson und der damit gesunkenen Unsicherheit bezüglich des Brexits sowie der Ankündigung aus Washington, dass eine Teileinigung im Handelsstreit mit China zur Unterschrift bereitliegt liegt, ist die Börsenstimmung deutlich in die Höhe geklettert, auch wenn der USA-Iran-Konflikt derzeit belastet. Aber das aktuelle Niveau ist vergleichbar mit der Stimmung Ende 2017, als Konsens am Markt darüber herrschte, dass die Zinsen für lange Zeit nicht steigen werden, die Volatilität sinken wird und alle Portfolien auf Risiko ausgerichtet waren. Was folgte? Die Sorglosigkeit der Marktteilnehmer wurde nur wenig später hart bestraft. 2018 wurde das schwächste Börsenjahr seit der Finanzkrise.

Das erste Quartal wird äußerst spannend

Wir wollen jetzt nicht schwarzmalen. Auch wir gehen davon aus, dass 2020 durchaus ein gutes Aktienjahr werden könnte. Allein schon deshalb, weil Donald Trump wiedergewählt werden möchte und sich ja an der Entwicklung an der Wall Street messen lassen will. Aber vor allem im ersten Quartal kann es durchaus zu Rücksetzern kommen, denn man sollte sich von den jüngsten Rekorden der großen Indizes nicht täuschen lassen. Es braucht in der jetzigen Euphorie nur geringe Enttäuschungen, um eine Korrektur auszulösen. Und mögliche Risiken gibt es genug: Der USA-Iran-Konflikt, der Handelskonflikt USA – EU gewinnt möglicherweise an Fahrt, die Notenbankpolitik bleibt nicht so expansiv wie bisher oder die Umsetzung der Nach-Brexit-Zeit klappt in Bezug auf das geplante Freihandelsabkommen nicht wie gewünscht. Dies sind nur einige mögliche Gefahrenherde. Die Risiken sollte man im Auge behalten.

Nebenwerte – die Risiken sind relativ überschaubar

Genau so verfahren wir bei den von uns betreuten Aktienfonds wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen oder dem „Frankfurter – Value Focus Fund“, in denen man Werte wie etwa Naked Wines, Mears Group, Secunet Security, oder den neuseeländischen Altersheimbetreiber Ryman Healthcare findet. Der Frankfurter – Value Focus Fonds konnte in den letzten 9 Jahren einen Wertzuwachs von rund 190 Prozent erwirtschaften. Das sind mehr als 20 Prozent per anno. Das hat kaum ein Large Cap-Fonds geschafft. Aber mit Small- und Midcaps kann man nun mal bessere Renditen als mit Large Caps erzielen. Das hat die Historie vielfach bewiesen. Bei einem Beobachtungszeitraum von 10 Jahren kam etwa der Russell 2000 US Small Cap-Index auf eine mehr als doppelt so hohe Rendite als beim Russel Large Cap-Index. Der US-Ökonomen Rolf W. Banz hat dies als „Small-Cap-Effect“ beschrieben, der zeigte, dass langfristig die Renditen kleinerer Gesellschaften signifikant über denen großer Gesellschaften liegen, wie sie etwa im Dow Jones oder S&P 500 zu finden sind. Man muss als Kehrseite aber auch eine höhere Volatilität in Kauf nehmen. Bei einem langen Anlagehorizont sollte das aber kein Problem sein, denn dann ist auch das Risiko relativ gering. Denn Volatilität ist nicht nur Risiko sondern auch Chance oder anders gesagt: Für uns ist Volatilität das Lebenselixir des Investierens.

Vita von Frank Fischer:
Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandsvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG undübt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Der Diplom-Kaufmann managt den 1,7 Mrd. Euro schweren Frankfurter Aktien fonds für Stiftungen. Fischer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Stifter und Vorstand der gemeinnützigen Stiftung Starke Lunge.






Auch im neuen Jahr werden uns die alten Themen begleiten | Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski, Dezember 2019

Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski | Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel, AMF Capital AG | www.amf-capital.de

Das Jahr 2019 liegt hinter uns, doch die Themen, die das vergangene Jahr beherrschten, werden uns auch im Jahr 2020 weiterhin begleiten.

Mit dem Wahlsieg der Tories ist Boris Johnson kurz vor seinem Ziel. Der Brexit wird am 31. Januar vollzogen und stellt das Ende der 47-jährigen Mitgliedschaft der Briten in der EU dar. Doch wer sich darauf freut, dass dieses leidige Thema endlich ad acta gelegt werden kann, der dürfte schwer enttäuscht werden. Denn jetzt ist die Zeit gekommen ein Handelsabkommen mit den EU-Staaten auszuarbeiten und dafür hat sich Johnson einen ambitionierten Zeitrahmen gesetzt. Bis Ende 2020 soll das Handelsabkommen mit den verbleibenden 27 EU-Staaten stehen und Johnson versprach den Briten das ohne Zölle mit der EU zu realisieren. Immerhin hatte der Wahlsieg von Johnson schon mal einen positiven Effekt, die Ratingagentur Standard & Poor’s hat ihren Ausblick für Großbritannien von „negativ“ auf „stabil“ erhöht.

Auch der Handelskonflikt zwischen China und den USA dürfte uns noch eine Weile begleiten. Immerhin wird am 15. Januar – nach Aussagen von Trump – ein Phase-Eins-Abkommen der beiden Länder unterzeichnet. In dem Abkommen hat sich China verpflichtet geistiges Eigentum zu schützen und die Importe aus den USA in den kommenden zwei Jahren um 200 Mrd. USD zu erhöhen. Dafür wird Trump einige eingeführte Zölle wieder senken und auf weitere Importzölle verzichten. Wie lange die beiden Streithähne für ein Phase-Zwei-Abkommen brauchen steht jedoch in den Sternen, es scheint allerdings so, dass die Hürden hierfür um einiges höher liegen. Es bleiben viele Punkte im bilateralen Handelsverhältnis weiterhin strittig.

Damit dürfte das Jahr 2020 weiterhin von der Politik geprägt bleiben und sich die Märkte mehr um die politische Entwicklung sorgen als sich wirklich auf die Unternehmensmeldungen zu konzentrieren.

Konjunktur

Christine Lagarde präsentierte sich auf ihrer ersten EZB-Sitzung souverän und machte deutlich, dass sie ihre eigene Art hat die Notenbank zu führen. Doch an der Ausrichtung von „Super Mario“ Draghi wird sich auch unter ihr nichts ändern. Der Markt wird weiterhin mit Liquidität geflutet werden und eine Abkehr dieser Strategie ist nicht in Sicht. Die Notenbank wird jedoch im Januar ihre geldpolitische Strategie überprüfen und einige Monate dafür in Anspruch nehmen. Das letzte Mal, dass es zu einer Überarbeitung kam war im Jahr 2003. Seit diesem Zeitpunkt wird ein Inflationsziel von nahe 2% angestrebt, wobei das Ziel der EZB kontinuierlich seit 2013 verfehlt worden ist. – Die Projektionen für das Wirtschafswachstum und die Inflationsrate wurden nur marginal angepasst. Die Notenbank geht für 2020 von einem BIP von 1,1% aus, welches in 2021 und 2022 jeweils auf 1,4% ansteigen sollte. Bei der Inflationsrate rechnet die EZB mit einer Rate von 1,1% in diesem Jahr bzw. 1,4% in 2021 und 1,6% in 2022. Somit wird selbst nach der eigenen Projektion das aktuelle Ziel von nahe 2% nicht erreicht werden.

Die Zahlen zum US-Arbeitsmarkt werden vom Markt immer mit viel Spannung betrachtet, schließlich ist er richtungsweisend für die US-Konjunktur. Für den Monat November präsentierte sich der Arbeitsmarkt weiterhin in bester Verfassung. Insgesamt wurden 266.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (erwartet: 180.000 Stellen) geschaffen. Zwar muss dabei berücksichtigt werden, dass es einen Sondereffekt von ca. 50.000 Stellen gab, da in dem Zeitraum das Ende eines Streiks beim Autobauer General Motors lag, doch selbst wenn dieser Effekt rausgerechnet wird, zeigt sich ein sehr robustes Bild. – Zudem ging die erhobene Arbeitslosenquote auf 3,5% zurück. Damit dürfte sich auch die US-Notenbank bestätigt sehen, das vorerst nicht weiter an der Zinsschraube gedreht werden muss.

Anfang Dezember traf sich die OPEC+, die aus den 14 Mitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) besteht sowie 10 weiteren nicht OPEC-Mitgliedern. Die Führung unter den OPEC-Staaten hat Saudi-Arabien als der größte Ölproduzent inne, während Russland das Schwergewicht unter den Nicht-OPEC-Staaten stellt. Bei dem Treffen in Wien beschlossen die OPEC+ Staaten eine Kürzung der Produktion von 500.000 Barrel Öl pro Tag (BpT). Bereits vor einem Jahr sprachen sich die Mitgliedsstaaten für eine Kürzung der Produktionsmenge aus, um die Überproduktion zu schmälern und der geringeren Nachfrage Rechnung zu tragen. Insgesamt beläuft sich die zugesagte Kürzung auf 2,1 Mio. BpT gegenüber Oktober 2018. Fundamental wird diese Kürzung jedoch nicht zu steigenden Ölpreisen führen, denn nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die Nachfrage nach OPEC-Öl im ersten Halbjahr 2020 bei 28,3 Mio. BpT liegen, wohingegen das Kartell nach eigenen Angaben aktuell 29,7 Mio. BpT produziert. Zudem heißt eine Einigung nicht, dass sich auch alle die Absprache halten.

Was die Ölpreise allerdings nach oben katapultieren könnte, ist eine Verschärfung der Eskalationsstufe zwischen den USA und dem Iran. Nach der Ermordung von Qasem Soleimani hat bereits Irans Präsident Hassan Rohani einen Vergeltungsschlag angekündigt. Außerdem hat der Iran in der Vergangenheit immer wieder damit gedroht, die strategisch wichtige Straße von Hormus abzuriegeln. Durch diese Meeresenge werden täglich allein ca. 20% der Weltweiten Tagesproduktion verschifft. Es könnte damit eine Spirale ausgelöst werden, die das Potential hat die Ölpreise kräftig anzutreiben.

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Definitiv Warren Buffett | Frank Fischer @ValueInvestoren

Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Im aktuellen Interview mit rendite, das Anlagemagazin der Börsen-Zeitung berichtet Frank Fischer, einer der erfolgreichsten Value Investoren Deutschlands, über seine ersten Erfahrungen mit Aktien und Geld.

Herr Fischer, wann und womit haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient?
Ich habe mit sieben Jahren an der Endhaltestelle der Linie 23 in Frankfurt selbstgemalte Bilder verkauft, was meinem Vater äußerst unangenehm war.

Wofür haben Sie es ausgegeben?
Damit konnte ich mir dann selbst ein Gokart kaufen.

Was war Ihr erstes Investment an den Märkten?
Natürlich eine Aktie, lustigerweise ein Large Cap, und zwar BASF.

Was war Ihr erfolgreichstes Investment?
Ich denke, das war die Secunet. Wir sind bis heute investiert und nach wie vor überzeugt von dieser Firma.

An welches Fehlinvestment erinnern Sie sich?
Ehrlich gesagt gibt es da leider einige. Eines davon war Rosenthal Porzellan, denn das hat mir privat richtig wehgetan, denn es sah eigentlich zu sicher aus.

Treffen Sie Ihre private Anlageentscheidungen allein, oder beraten Sie sich mit jemandem?
Anlageentscheidungen treffe ich selbst, sonst hat meine Frau in vielen Dingen die Hosen an!

Gibt es eine bestimmte Anlagestrategie, die Sie verfolgen?
Wir sind Value-Investoren. Wir versuchen, den realen wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Wenn der Preis für das Unternehmen an der Börse unter dem von uns ermittelten Wert liegt, prüfen wir anhand unserer Kriterien, ob sich ein Investment lohnt.

Welche Kennzahlen sind für Sie wichtig, wenn Sie sich ein Wertpapier näher anschauen?
Zu den Kennzahlen, die wir uns zunächst anschauen gehören, die Cash-flows und der Total Shareholder Return, also was dem Aktionär schließlich zufließt. Daneben gibt es ein paar Kriterien, die für uns wichtig sind. Der Kurs der Aktie sollte eine Sicherheitsmarge bieten, wir wollen höchstens 60 Cent für einen Euro zahlen. Das Unternehmen sollte eigentümergeführt sein und über strukturelle Wettbewerbsvorteile verfügen. Das können zum Beispiel Patente oder Kostenvorteile sein.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit beim Investieren?
Das Thema ist für uns sehr wichtig und hat unterschiedliche Facetten. Zum einen ist uns eine gute Corporate Governance sehr wichtig. Gut geführte, inhabergeführte Unternehmen sind nachhaltiger ausgerichtet als Firmen mit einem externen Manager. Daneben wollen wir bestimmte Themen wie Umweltverschmutzung oder Kinderarbeit nicht unterstützen.

Haben Sie bei der Geldanlage ein Vorbild?
Definitiv Warren Buffett. Er hat das Value Investing weiterentwickelt. Gleichzeitig ist er bei vielen ethischen, philosophischen und Governance-Themen ein Vorbild. Eines unser wichtigsten Auswahlkriterien für ein Unternehmen ist, dass das Management „skin in the game“ hat, also signifikant am Unternehmen beteiligt ist. Dieses Kriterium geht auf Warren Buffett zurück.

Ihr Motto beim Investieren lautet?
Als Value Investor braucht man Sitzfleisch und Demut vor den Märkten.

Welches Buch sollten Anleger gelesen haben?
„The intelligent investor“ von Benjamin Graham. Einfacher ist aber „Buffettology“ von Mary Buffett.

Welches Wertpapier oder welche Assetklasse würden Sie auf Jahressicht empfehlen?
Anleger haben angesichts der niedrigen Zinsen eigentlich keine Wahl, als in Aktien zu investieren. Zwar sind die Konjunkturerwartungen im Moment in einigen Bereichen sehr schwach, gleichzeitig schiebt aber die ansteigende Liquidität die Börsen an. Hinzu kommt, dass die ersten konjunkturellen Indikatoren sich wieder aufhellen. Wenn wir jetzt noch eine Lösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sehen, kann das der Börse weitere Impulse geben.

Sie haben eine Million Euro und müssen diese mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren investieren. Wie würden Sie das Geld anlegen bzw. aufteilen?
Immer zu 100 % in Aktien. Besser noch mit Sicherheitsmarge und konzentriert in eigentümergeführte Firmen mit wirtschaftlichem Burggraben. Als Privatinvestor kann man natürlich auch über mehrere Aktienfonds streuen.

Vita von Frank Fischer:
Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandsvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG undübt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Der Diplom-Kaufmann managt den 1,7 Mrd. Euro schweren Frankfurter Aktien fonds für Stiftungen. Fischer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Stifter und Vorstand der gemeinnützigen Stiftung Starke Lunge.






Das Hin und Her der Politik | Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski, November 2019

Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski | Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel, AMF Capital AG | www.amf-capital.de

Das Hin und Her der Politik

Seit einiger Zeit wird die Europäische Wirtschaft vom Handelskonflikt zwischen China und den USA belastet. Zudem trägt das Hin und Her rund um den Brexit zur Unsicherheit bei. Es ist daher verständlich, dass die Unternehmen bei ihren Investitionen gehemmt sind. Sie bekommen kein klares Bild von der Politik vorgegeben und können daher nicht beurteilen wo die Reise der wirtschaftlichen Entwicklung hingen wird.

Im Handelsstreit heißt es einmal die Zölle werden erhöht, dann  man sei einer Lösung ganz nah, nur um ein paar Tage später zu verkünden, dass man doch nur über eine Verschiebung nachdenke. Und somit kann das ganze Spiel wieder von vorne beginnen. Wie soll ein Unternehmen bei diesem ganzen Hin und Her denn nun wissen wie es sich für die Zukunft positionieren soll? Für ein Unternehmen gibt es kein größeres Problem als die Unsicherheit, denn dadurch sind die Wachstumsaussichten und die damit verbundene Planung der Investitionen extrem schwer zu kalkulieren. Es ist daher kein Wunder das sich die Konjunkturindikatoren in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt haben.

Auch zu Weihnachten werden wir uns wohl über kein Geschenk unter dem Baum freuen können, in dem eine endgültige Lösung für den Handelsstreit enthalten ist. Allerdings geht der Präsidentschaftswahlkampf im neuen Jahr in die heiße Phase und was würden die vielen negativen Schlagzeilen rund um Donald Trump und seinem Amtsenthebungsverfahren eher verblassen lassen, als wenn er einen großartigen Deal für Amerika mit China verkünden könnte.

Ob dieser Deal am Ende wirklich so großartig ist oder einfach nur dazu dient mit erhobenen Haupt davon zuschreiten ist ein andere Frage. Aber mit einem Deal könnte er endlich wieder einen benötigen Sieg präsentieren, welcher ihm wichtige Stimmen für die Wiederwahl bringen könnte. Mit diesem Deal könnte dann auch endlich der Teufelskreis für die Europäischen Exporttitel durchbrochen werden. Die Unternehmen hätten ihre Planungssicherheit zurück und das Umfeld von nicht existenten Zinsen würde den besten Boden liefern, um ihre Projekte zum Nulltarif zu finanzieren.

Wir durchschreiten daher im Moment das Tal der Tränen, allerdings deutet nicht viel darauf hin, dass am Ende des Tals eine Schlucht auf uns wartet. Es scheint vielmehr so, als das die Wirtschaft sich im kommenden Jahr stabilisieren dürfte.

Konjunkturdaten

In Deutschland stieg das BIP im dritten Quartal um +0,1% (VQ: -0,1%; [e]: -0,1%) an, womit man hauch zart einer technischen Rezession (davon wird gesprochen wenn in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal nicht wächst oder einen Rückgang verzeichnet) entgangen ist.

Nachdem der ZEW-Index im Oktober noch deutlich schwächer ausgefallen war, konnte sich der Index im November wieder erholen. Wie das ZEW-Institut mitteilte, kletterte das Barometer auf -2,1 Punkte (Vm: -22,8 Punkte; [e]: -14,8 Punkte) an. Damit schauen die befragten Analysten nicht mehr ganz so negativ in die Zukunft wie in den beiden Vormonaten. Grund dafür waren die besseren Aussichten für einen geregelten Brexit sowie die Verschiebung von US-Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU.

Aber auch die neusten Umfrageergebnisse des Wirtschafsforschungsinstituts Ifo zeigen, dass die deutschen Unternehmen wieder etwas positiver für die Zukunft gestimmt sind. Bei der Umfrage des Münchner Institut unter 9.000 Unternehmen, kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex für November auf 95,0 Punkte (Vm: 94,7 Punkte; [e]: 95,0 Punkte) an. Der Teilindex für die aktuelle Lage ging hingegen auf 97,9 Punkten (Vm: 97,8 Punkte; [e]: 97,9 Punkte) leicht zurück.

Dass der Handelsstreit zwischen China und den USA die Weltwirtschaft belastet zeigt sich besonders deutlich an den Exportzahlen in Japan. Hier kam es bei den Ausfuhren zu dem elften Rückgang in Folge. Im Oktober lag der Rückgang bei -9,2% (Vm: -5,2%; [e]: -7,5%). Durch den Handelsstreik kamen die japanischen Exporte besonders bei den asiatischen Handelspartnern ins stocken.

In den USA scheint hingegen das schlimmste überstanden zu sein. Hier fielen die Daten zur US-Wirtschaft besser aus als im Vorfeld erwartet worden war. Der PMI Composite konnte im November auf 51,9 Punkte (Vm: 50,9 Punkte) deutlich zulegen.

Auch das von der Universität von Michigan publizierte US-Verbrauchervertrauen stieg im November auf 96,8 Punkten (Vm: 95,7 Punkten; [e]: 95,7 Punkte) deutlich an.

Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski.






Value Werte deutlich unterbewertet | Frank Fischer @ValueInvestoren

Kolumne von Frank Fischer | CEO & CIO, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Geht die Rally weiter?

Geht die Rally an den Börsen weiter? Es spricht einiges dafür, dass DAX, Dow Jones & Co. noch nicht ihr volles Potential ausgeschöpft haben. Da sind zum einen die deutlich verbesserten Konjunkturerwartungen – insbesondere in China und Deutschland. Zum anderen ist mit Blick auf den Brexit und den Handelskonflikt zwischen den USA und China besonders von institutionellen Investoren sehr viel Cash aufgebaut worden, der potenziell investiert werden kann. Aber auch die meisten Privatanleger haben sich erst zuletzt wieder aus der Reserve locken lassen. Der Brexit, aber vor allem der Handelsstreit, haben zuletzt stark auf dem Sentiment der Marktteilnehmer gelastet. In diesem Umfeld wurde kaum investiert. Daher gibt es am Markt eine Überinvestition bei Anleihen, REITs und defensiven Aktien. Gleichzeitig sind zyklische Aktien historisch gesehen unterinvestiert. Die verbesserten Sentix Konjunkturerwartungen zeigen aber, dass sich dieser Pessimismus langsam auflöst. Auf der anderen Seite sind sich vor allem die institutionellen Investoren darüber im Klaren, dass die fundamentalen Differenzen zwischen Peking und Washington grundsätzlich noch eine ganze Weile anhalten dürften, auch wenn sich erste Annäherungen immer deutlicher abzeichnen.

Als wesentlicher Treiber für die positiveren Aussichten an den Börsen ist aber auch die erneute Bilanzausweitung der Notenbanken zu nennen. Für die Anlage der Liquidität bietet die Bondseite aufgrund der Bewertungen keine zufriedenstellende Alternative. Von daher bieten nur noch Aktien eine vernünftige Rendite.

Value-Werte deutlich unterbewertet

Bei der Liquidität gibt es also kaum Probleme. Wir als Value Investoren sehen aber auch noch andere Chancen. In Bezug auf Value-Titel waren wir in den letzten Jahren ja nicht gerade von Erfolg verwöhnt. Seit knapp zehn Jahren hält die Underperformance von Value- gegenüber Growth-Aktien inzwischen schon an. Derzeit spricht aber aus unserer Sicht einiges dafür, im Value-Bereich engagiert zu sein, denn der Spread beim Kurs-Buchwert-Verhältnis zwischen europäischen Value- und Growth-Aktien zeigt, dass Value deutlich unterbewertet ist. Gleichzeitig bieten europäische Value-Aktien mit rund vier Prozent eine attraktive Dividendenrendite. Deshalb finden wir mit Blick auf die insgesamt niedrigere Verschuldung klassische Value-Titel eher in Europa als in den USA.

Qualität und „economic moat“

Neben den häufig auch zyklischen, klassischen „Benjamin Graham Style“ Value Titeln mit hoher Dividendenrendite, wie etwa der Freenet AG, liegt der Fokus bei unserem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zunehmend auf den eigentümergeführten Qualitätstiteln mit strukturellem Wettbewerbsvorteil. Diese Qualitätsaktien zeichnen sich durch hohe Kapitalrenditen und einen stetig wachsenden Free Cash Flow aus. Zu solchen Titeln gehört z.B. auch die im Fonds hoch gewichtete Novo Nordisk Aktie, ein globaler Marktführer im Diabetesbereich. Novo Nordisk ist – unabhängig von der Bewertung – für uns übrigens ein Musterbeispiel für einen Value-Qualitätstitel. Denn die Anzahl der Diabetespatienten steigt aufgrund der Ernährungsgewohnheiten und dem Bewegungsmangel vieler Menschen weiter deutlich an. Novo Nordisk hat einen Marktanteil von knapp 50 Prozent bei Insulin und verfügt mit seinen Patenten über strukturelle Wettbewerbsvorteile. Die Dänen haben also einen sogenannten „economic moat“, das heißt einen Burggraben um Ihr Geschäftsmodell aufbauen können, um es  vom Wettbewerb zu schützen.

Alibaba mit doppeltem Netzwerkeffekt

Auch beim chinesischen Internetgiganten Alibaba, ein Titel, der im Fonds ebenfalls vergleichsweise hoch gewichtet ist, steht dieser Wettbewerbsvorteil im Vordergrund. Dabei geht es vor allem um den seltenen doppelten Netzwerkeffektes. Sowohl die Produktanbieter und Händler wie auch die Kunden nutzen die Plattform. Dieser doppelte Netzwerkeffekt führt damit zu einem besonders breiten und tiefen Burggraben. Aufgrund des China/US Handelskrieges wurde bei Alibaba das zukünftige Wachstum im dynamischen chinesischen E-Commerce-Markt unserer Meinung nach in der Vergangenheit nicht richtig vom Markt eingepreist. Und genau das ist es ja, wonach wir beim Value-Investing suchen.

Börse: Geht die Rally weiter? | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11895494-boerse-rally-weiter/all






Endrit Çela im Interview mit FondsTrends | Neue ,,Value-Phase“, Fondsgipfel & ESG

Artikel von www.fondstrends.lu | 02.April 2019

Endrit Çela | Relationship Manager, Shareholder Value Management AG | www.shareholdervalue.de

Aktien-, Immobilien- und Rentenmärkte sind über zehn Jahre hinweg stetig gestiegen und haben ungeahnte Höhen erklommen. Für den Anleger stellen sich zwei entscheidende Fragen, die aktuell im Fokus der Fondsgipfel Roadshow stehen: „Wie investieren nach 10 Jahren Hausse in 2019?“ und „Sind Aktien weiterhin alternativlos?“

FondsTrends sprach mit Endrit Çela, Relationship Manager der Shareholder Value Management AG, über die aktuelle Roadshow und eine womöglich neue „Value-Phase“ an den Märkten.

FondsTrends: Vor einigen Jahren haben Shareholder Value Management AG, DJE Investment S.A. und ACATIS Investment KVG mbH den Fondsgipfel ins Leben gerufen. Drei starke Partner, die sich verbünden. Wie kam es dazu?

Endrit Çela: Die erste gemeinsame Roadshow mit den Gesellschaften DJE und ACATIS startete im Jahr 2016 – ausschlaggebend war die positive Chemie zwischen den befreundeten Value-Investoren. Gemeinsam können wir für unsere Besucher und Kunden eine geballte Expertise von erfahrenen Fondsmanagern anbieten. Für diese Expertise haben die drei Gesellschaften die Auszeichnung „Fondsmanager des Jahres“ erhalten – DJE im Jahr 2006, ACATIS im Jahr 2017 und unser Haus mit Frank Fischer als Fondsmanager im letzten Jahr. Aufgrund der positiven Entwicklung der Roadshows haben wir uns letzten Endes dafür entschieden, eine gemeinsame Plattform – ein Label – für unsere Roadshows aufzubauen. So wurde FONDSGIPFEL erschaffen.

FondsTrends: „Wie investieren nach 10 Jahren Hausse in 2019?“ ist das Thema Ihrer diesjährigen Roadshow, die in der DACH-Region und Luxemburg schon auf Hochtouren läuft. Worauf dürfen sich die Teilnehmer in diesem Jahr freuen?

Endrit Çela: Nach einer jahrelangen Hausse sind die Börsen weltweit in den Korrekturmodus geschwenkt. An der Wall Street wurde Ende letzten Jahres der schlechteste Dezember seit 1931 erlebt. Diese negativen Entwicklungen haben für Verunsicherung bei den Anlegern gesorgt, weshalb diese nach Orientierung suchen. Sie suchen insbesondere nach sicheren Möglichkeiten, um weiterhin eine nachhaltige Rendite erzielen zu können. Wir, die Shareholder Value Management AG, sind überzeugt, dass an Aktien kein Weg vorbeiführt, ganz nach dem amerikanischen Begriff „TINA“ – „there is no alternative“. Aus diesem Grund dürfen sich die Teilnehmer der diesjährigen FONDSGIPFEL-Veranstaltungsreihe auf die Expertise dreier Gesellschaften freuen, die einen Ausblick auf die aktuelle und zukünftige Kapitalmarktlage sowie intelligente Investitionsmöglichkeiten geben werden.

FondsTrends: Die Investment-Philosophie der Shareholder Value Management AG folgt konsequent dem Gedanken des Value-Investing im Sinne von Benjamin Graham und Warren Buffett. Nachdem die Börsen in Folge der Finanzkrise durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken über Jahre nach oben getrieben wurden, gab es im vergangenen Jahr einen merklichen Bruch. Hat womöglich eine neue „Value-Phase“ an den Märkten begonnen, die aktives Management begünstigt? Wie stellen Sie sich generell für ein schwierigeres Umfeld an den Märkten in den nächsten Jahren auf?

Endrit Çela: Die Shareholder Value Management AG hält an dem bewährten Konzept der antizyklischen Kapitalanlage in unterbewertete Unternehmen fest. Unser Ziel ist der Vermögenserhalt und -zuwachs unter Vermeidung des permanenten Kapitalverlustes. Nach den jüngsten Kapriolen an den Finanzmärkten könnte durchaus eine neue Value-Phase begonnen haben, da viele Unternehmen zu günstigen Preisen zu erwerben sind. Bei fallenden Märkten fallen auch die Aktienkurse der Unternehmen und genau in diesem Zeitpunkt können wir zuschlagen.

Wir sind aufgrund der „politischen Börsen“ und der aktuellen Gemengelage defensiver unterwegs und sichern unsere Positionen am Markt ab. Da die zukünftigen Entwicklungen weltweit nicht abzuschätzen sind, müssen „Schocks“ einkalkuliert werden. Durch einen höheren Kassenbestand und eine geringere Aktienquote muss demnach für eine gewisse Flexibilität gesorgt werden. Diese Flexibilität bietet uns die Chance, bei fallenden Kursen unterbewertete Aktien zu kaufen.

FondsTrends: Das Thema ESG und Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle im Asset Management. Inwiefern reagieren Sie auf diesen Trend? Sehen Sie hier einen Paradigmenwechsel, oder ist das ganze Ihrer Ansicht nach eher eine „Modeerscheinung“?

Endrit Çela: Inzwischen achten immer mehr Anleger auf Nachhaltigkeitskriterien, so sind mehr als 300 Milliarden Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits in diese Mandate investiert. Das Pflänzchen wächst und gedeiht, weshalb wir einen eindeutigen Paradigmenwechsel erkannt haben. Bei unseren beratenen Fonds-Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, dem Frankfurter – Value Focus Fund und dem Frankfurter Stiftungsfonds werden strenge Nachhaltigkeitskriterien beachtet. Unsere Überzeugung verbietet die Investition in Unternehmen, die ihre Erträge durch Rüstungsgüter, Glücksspiel oder ähnlichem erzielen. Darüber hinaus bleibt das Ziel bestehen, auf Dauer kein Geld zu verlieren und eine mittel- bis langfristige überdurchschnittliche Rendite im Einklang mit sozialen, ökologischen, Governance- und anderen nachhaltigkeitsbezogenen Kriterien zu erzielen. Hinzu kommt, dass die EU-Kommission demnächst die Berücksichtigung von SDG-Kriterien (Sustainable Development Goals) bei Investitionen vorschreiben wird. Mit ihrer Initiative wollen die EU-Länder die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitskriterien vorantreiben, die wir ebenfalls unterschrieben haben.

FondsTrends: Sie kommen ursprünglich aus Michigan. Was schätzen Sie am Arbeiten in Deutschland und was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre alte Heimat denken?

Endrit Çela: In den USA sind Investitionen in die Aktienmärkte selbstverständlich, weshalb ich mit 16 meine erste Aktie gekauft habe. Mein Portfolio sollte Aktien von Unternehmen beinhalten, deren Produkte in meinem Alltag nicht wegzudenken waren. Damals habe ich beispielsweise Aktien von Microsoft gekauft. Umso mehr freue ich mich, mein Wissen und meine Begeisterung über die Aktienmärkte durch meine Tätigkeit bei der Shareholder Value Management AG weitergeben zu können.

Ich habe in Michigan jahrelang professionell American Football gespielt sowie Powerlifting und Leichtathletik betrieben. Trotz der „competitive atmosphere“ sind dort starke Freundschaften entstanden, welche mir heute am meisten fehlen. Doch viele meiner guten Freunde besuchen mich regelmäßig und sind von Deutschland und Europa begeistert.

FondsTrends: Herr Çela, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg – sowohl für den Fondsgipfel als auch die Shareholder Value Management AG!

Endrit Çela ist Relationship Manager der Shareholder Value Management AG. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Albanien. Gemeinsam mit seiner Familie wanderte er im Alter von neun Jahren nach Michigan, USA aus und beendete dort seine sportliche und schulische Laufbahn. Seit elf Jahren lebt er in Deutschland. Hier absolvierte er sein Studium der Politikwissenschaften und wagte den erfolgreichen Quereinstieg in die Investmentwelt.





Die Türkei in der Krise – wo liegen die Probleme und welche Lösungsansätze bestehen? I Türkei-Kolumne (Teil 2) – Gastbeitrag von Markus Mitrovski

Der zweite Teil der Türkei-Kolumne wurde von unserem ersten Gastautoren Markus Mitrovski geschrieben. Markus ist Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel bei der AMF Capital AG. Durch unterschiedliche Tätigkeiten in der Finanzbranche, bspw. als Portfoliomanager im Bereich der Unternehmens- und Mittelstandsanleihen, bereichert Markus Main Value mit geballter Expertise insbesondere in Bezug auf die Rentenmärkte.

Die Türkei in der Krise – wo liegen die Probleme und welche Lösungsansätze bestehen?

An den internationalen Kapitalmärkten geht mal wieder die Panik um. In den vergangenen Monaten wurde die Unruhe an den Märkten durch die Regierungsbildung in Italien oder dem immer weiter eskalierenden Konflikt zwischen den USA und China respektive Europa getrieben. Doch dieses Mal befindet sich der Brandherd in der Türkei. Die türkische Währung hat seit Jahresbeginn massiv abgewertet. Doch was sind die Ursachen dafür und wo liegt der Ausweg aus der Krise?

Wirklich neu sind die Probleme der Türkei nicht, denn das Land weist seit langer Zeit ein Handelsdefizit auf – die Türkei importiert mehr Waren als sie exportiert. Der Konsum der Türken ist also größer als die Produktion im eigenen Land. Im Jahr 2016 lag das Defizit noch bei 33,1 Mrd. USD und ist in 2017 auf 47,3 Mrd. UDS angewachsen. Folglich erhöhen sich die Schulden des Landes gegenüber dem Rest der Welt zunehmend. Gleichzeitig wurde das Wirtschafswachstum kreditfinanziert. Hier liegt ein Haushaltsdefizit vor, welches als Zwillingsdefizit bezeichnet wird.

In einer Zeit des Null-Zins-Zyklus stellt ein solcher Zustand erst mal keine direkte Bedrohung dar, denn Investoren sind auf der Suche nach Renditen und dafür bereit höhere Risiken in Kauf zu nehmen. Problematisch wird das Ganze erst dann, wenn das Zinsniveau sicherer Investments steigt und im Gegenzug risikoreiche Assets nicht mehr adäquat entlohnt werden. Dieses Szenario macht eine Umschichtung des Kapitals für Investoren attraktiv. Raus aus dem Risiko und rein in die sicheren Anlagen!

Schaut man sich den Realzins an, dann wird es besonders klar: Zu Beginn des Jahres wiesen 10-jährige Staatsanleihen, die auf Lira begeben wurden, eine Rendite von 11,4 Prozent auf. Dem gegenüber stand jedoch die Inflationsrate von knapp 12 Prozent. Folglich lag ein negativer Realzins vor und das in einem Land der politischen Instabilität.

Um etwas gegen die immer stärker steigende Inflationsrate – aktuell bei knapp 16 Prozent – zu unternehmen, müsste die Notenbank den Leitzins erhöhen. Jedoch liegt hier das nächste Problem vor, denn Erdogan bezeichnet Zinsen als „Mutter und Vater allen Übels“ und will die Wirtschaft unter allen Umständen am Laufen halten. Für eine unabhängige Notenbank ist es nicht von Belangen was der Präsident von Zinsen hält, denn ihre Aufgabe ist die Preisstabilität. In der Türkei gestaltet sich dies allerdings nicht so einfach, denn Erdogan hatte bereits vor seinem Wahlsieg angekündigt, einen stärkeren Einfluss auf die Geldpolitik der türkischen Notenbank nehmen zu wollen. Zu Zinserhöhungen ist es daher auch nicht gekommen und viele Investoren fragen sich, wie unabhängig die Zentralbank in der Türkei wirklich ist und wie weit die Inflation noch ansteigt. Aus diesem Grund ziehen Investoren zunehmend Kapital aus dem Land ab. In der Folge kommt es zu einer immer stärkeren Abwertung der Lira. Zeitgleich steigt die hohe Staatsverschuldung gegenüber dem Ausland weiter an und damit werden auch die Probleme des Landes vergrößert. Der Konflikt mit den USA war daher nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Doch was sind die Möglichkeiten der Türkei, um der Krise zu entkommen?

Ein sehr schmerzhafter Weg wäre, nichts gegen diesen Zustand zu unternehmen und die Währung ihren Boden finden zu lassen. Die Inflation würde weiter ansteigen, genauso wie die ausländischen Schulden. Es würde einen verstärkten Druck auf einheimische Unternehmen und Banken ausüben und damit die perfekte Bühne für eine Rezession bieten.

Eine Möglichkeit wäre, beim Internationalen Währungsfonds anzuklopfen. Der IWF ist bereits Argentinien zur Hilfe geeilt, um das Land zu stützen. Das Problem hierbei ist, dass diese Hilfe ihren Preis hätte. Erdogan würde bei seiner Entscheidungsfreiheit, folglich in seiner Macht, deutlich eingeschränkt werden. In mehreren Statements hat Erdogan bereits deutlich gemacht, dass er diesen Weg nicht gehen möchte.

Hilfe aus Europa würde sich ebenfalls anbieten, schließlich ist hier immer noch die Flüchtlingskrise in aller Munde und muss gelöst werden. Ein neuer Deal zwischen Europa und der Türkei wäre daher denkbar, jedoch würde Europa aus einer klaren Position der Stärke heraus verhandeln. Der Preis hier könnte in einer Freilassung von politischen Gefangenen sowie der Einhaltung von Menschenrechten liegen. Wäre das überhaupt im Sinne von Erdogan?

Ein sehr wichtiges Signal würde die türkische Notenbank mit einer Zinserhöhung setzen. Zwar würde dies das Wirtschafswachstum bremsen, doch wäre es ein klares Signal an den Märkte. Die Zentralbank tut das, was nötig ist, um gegen die Inflation vorzugehen und wahrt ihre Unabhängigkeit. Das Vertrauen der Investoren würde zum Teil wiederhergestellt werden und gleichzeitig wären Maßnahmen eingeleitet, um die Inflation einzudämmen. Für ausländische Kapitalgeber wären Investitionen in der Türkei dadurch auch wieder attraktiver.

Wie auch immer der Weg der Türkei aussehen wird – ein Umdenken von Erdogan wäre zwingend erforderlich, um das Land aus der Gefahr einer anbahnenden Staatspleite zu steuern.

Die türkische Lira – eine tickende Zeitbombe? I Türkei-Kolumne (Teil 1)

Die türkische Lira und Ihr Verfall ist seit Tagen das Hauptthema in den Schlagzeilen – die Börsen haben aufgrund des Währungsverfalls stark gezittert.

Werfen wir einen detaillierten Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes: Auf den ersten Blick sehen wir eine robuste Entwicklung in der Türkei. Das Bruttoinlandsprodukt ist in 2016 um 3,18 Prozent und in 2017 sogar um 7,05 Prozent angestiegen. Für das Jahr 2018 wird ein Anstieg von 849,5 Milliarden US-Dollar auf 909,9 Milliarden US-Dollar prognostiziert (GTAI). Das Wirtschaftswachstum gemessen an der realen, prozentualen Veränderung des Bruttoinlandsproduktes befand sich in 2017 auf einem Höchststand, allerdings wird in den nächsten zwei Jahren ein geringeres Wirtschaftswachstum erwartet.

Von 2008 bis 2017 ist die Inflationsrate auf- und abgestiegen, wobei sie in 2017 von 7,78 Prozent einen Anstieg um ganze 3,36 Prozent auf 11,14 Prozent erlebt hat.

Ein großes Problem stellt die Verschuldung der türkischen Unternehmen in Euro und Dollar dar, denn mit der abgewerteten Lira stellt sich die Rückzahlung als ein kaum überwindbares Problem dar. Mit der fortschreitenden Währungsentwertung steigt die Schuldenlast der Unternehmen und bedroht somit das Überleben einer ganzen Wirtschaft.

Die Brutto-Außenverschuldung stieg in den letzten drei Jahren kontinuierlich an: von 408,2 Milliarden US-Dollar in 2016 auf 453,2 Milliarden US-Dollar in 2017. Die Devisenschulden betragen momentan ca. 250 Milliarden US-Dollar, von denen 180 Milliarden in den nächsten zwölf Monaten fällig sind. Dementsprechend stellt die hohe Verschuldung in ausländische Währungen ein Problem für das gesamte Finanz- und Wirtschaftssystem dar – insbesondere aber für engagierte europäische Banken.

Besonders die spanischen Banken sind im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der Türkei aufgrund eines Kreditengagements in Höhe von 80,9 Milliarden Euro betroffen. Deutschland ist im Vergleich „lediglich“ mit 12,7 Milliarden Euro in der Türkei investiert.

Die Entwicklung der Lira wird nun seit mehreren Wochen nicht nur von den Finanzakteuren, sondern auch von dem türkischen Volk verfolgt.

Versuchen die 80 Millionen (Stand 2017) in der Türkei lebenden Menschen, die türkische Lira gegen die harten Währungen Euro und Dollar umzutauschen? Erdogan verlangt von seinem Volk, dass diese ihre harten Währungen gegen die türkische Lira umtauschen, damit eine weitere Abwertung der Lira verhindert wird. Der Wertverlust der Lira betrug innerhalb von sechs Monaten (Stand 17. August 2018) ca. 45,91 Prozent (USDTRY).

Bei der jüngsten Kabinettsumbildung im Juni hat Erdogan den Finanzminister Mehmet Simsek entlassen und seinen Schwiegersohn Berat Albayrak für diese Position platziert. Albayrak verkündete mitten in der Krise ein neues, nachhaltigeres Wirtschaftsmodell. Er konnte die Märkte allerdings aufgrund fehlender Konkretisierung nicht überzeugen. Das neue Modell beinhaltet die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank vom Staat und soll die Staatsausgaben reduzieren, sowie die Inflation bekämpfen. Albayrak wirft dem Westen vor, die Türkei bewusst zu schwächen: „Der Westen setzt Euro und Dollar als Waffen gegen die Türkei ein.“
Der Kurs der türkischen Lira erholte sich, nachdem die türkische Zentralbank den Kreditinstituten eine ausreichende Liquiditätsversorgung in Lira zugesagt hat. Dafür würden beispielsweise an Tagen mit hohem Finanzierungsbedarf mehrere Rückkaufaktionen von Seiten der Zentralbank durchgeführt. Zudem wies die Zentralbank darauf hin, dass zusätzlich zum US-Dollar auch Euro zur Lira-Absicherung genutzt werden könnte.

Was hat dazu geführt, dass sich die Türkei in Richtung einer Schulden- und Wirtschaftskrise bewegt? Sind die milliardenschweren Investition in die Infrastruktur in der Türkei, das niedrige Zinsumfeld und die starke Kreditvergabe Gründe für die Überhitzung der türkischen Wirtschaft?

Als Auslöser der Krise könnte der Streit zwischen den USA und der Türkei aufgrund der Festnahme des amerikanischen Pastors Andrew Brunson angenommen werden. Brunson sitzt seit Oktober 2016 wegen Spionage- und Terrorvorwürfen im türkischen Hausarrest und Trump dringt seither auf seine Freilassung. „Wir werden nichts für die Freilassung eines unschuldigen Mannes zahlen. Aber wir setzen bei der Türkei nach.“ so Trump auf Twitter. Aufgrund dieser Entwicklung entschied sich Trump Anfang August, Sanktionen gegen den türkischen Justiz- und den Innenminister zu verhängen. Zudem verdoppelte er die Höhe der Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte, weshalb die Lira-Krise sich verschärfte. Erdogan rief daraufhin das türkische Volk auf, die harten Währungen in türkische Lira umzutauschen, amerikanische Elektrogeräte wie beispielsweise Apple zu boykottieren und er ließ zudem ebenfalls Zölle auf amerikanische Produkte erheben. Betroffen sind amerikanische Autos (120 Prozent), Alkoholika (140 Prozent), sowie Tabak (60 Prozent) und Kosmetika.

Die Entwicklung der „Türkei-Krise“ ist von weltweiter Relevanz und es bleibt abzuwarten, ob die Staatsherren Trump und Erdogan das Risiko friedlich beenden werden oder ob uns eine weitere Staatspleite wie in Griechenland bevorsteht.