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Der Aktienmarkt fürchtet nur eins | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenrückblick (06/2020)

Das Coronavirus fordert, trotz drakonischen Maßnahmen der chinesischen Regierung, mehr Tote als die SARS-Pandemie von 2002/2003. Das erste Mal, dass wir überhaupt von dem Coronavirus gehört haben, ist erst einige Wochen her. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Coronavirus – der nächste Störfaktor für die Weltkonjunktur

Die Märkte befinden sich zurzeit im Griff des Coronavirus. Viele Anleger fühlen sich an 2002 erinnert, als China der Ausgangspunkt für den Ausbruch des SARS-Virus war. In einem Zeitraum von knapp zwei Jahren kam es damals weltweit zu 8.000 Infizierungen und 800 Toten. Bereits einige Wochen nach der Bekanntmachung des Coronavirus sind aktuell über 800 Tote und die Zahl der Infizierten weltweit ist überhaupt nicht klar. Tatsache ist, dass aktuell einiges nicht klar ist. Nichtsdestotrotz läuten die Alarmglocken, und zwar erstens, weil wir heute in einer sehr vernetzten Welt leben, in welcher die Ausbreitung eines solchen Virus gewaltige Konsequenzen haben kann. Und zweitens, ist der Schaden für die Weltwirtschaft, falls der Virus nicht gestoppt werden kann, möglicherweise hoch.

Der Anteil des chinesischen BIP an der Weltwirtschaft lag beim Ausbruch des SARS-Virus 2002/2003 bei knappen 5 Prozent, heute sind es 16,5 Prozent. Um die chinesische Wirtschaft zu stützen hat die People’s Bank of China (PBoC) den Markt mit Liquidität in Höhe von 1,2 Bio. Yuan (ca. 173,8 Mrd. USD) versorgt. Die Notenbank hat das Geld in Form von umgekehrten REPO-Geschäften zur Verfügung gestellt. Dabei kauft die PBoC den Banken Wertpapiere ab und pumpt dadurch Geld in den Markt. Hierdurch erhöht sich kurzfristig die Geldmenge im Wirtschafssystem. Es dürfte nicht die einzige Maßnahme bleiben, welche ergriffen wird – es wurde u.a. eine Senkung des Leitzinses in Aussicht gestellt, sagte Markus Mitrovski im aktuellen Main Value-Konjunkturrückblick.

Die Aktienmärkte fürchten nur eins…

Die Aktienmärkte haben wieder gezeigt, dass sie nichts fürchten – außer Liquiditätsknappheit. Die obengenannten Liquiditäts-Maßnahmen der People’s Bank of China konnten vergangene Woche die Aktienmärkte auf neue Rekordhöhen treiben, vor allem in den USA. Dort gibt es 156 chinesische Unternehmen, die an den US-Börsen notiert sind und eine Gesamtmarktkapitalisierung von 1,2 Billionen Dollar aufweisen. Der NASDAQ 100 schloss die Woche mit einem Plus von 4,56 Prozent, der S&P 500 mit einem Plus von 3,17 Prozent und der Dow Jones Industrial Average mit einem Plus von 3 Prozent.

Doch falls das Coronavirus in diesem Tempo grassiert, wird es selbst für die Notenbanken schwierig die Aktienmärkte aufrechtzuerhalten. Es gibt immer noch Grund zur Annahme, dass der wachsende Coronavirus-Ausbruch in China eingedämmt werden kann, sagte ein hochrangiger Beamter der Weltgesundheitsorganisation am Samstag und wies auf einige Anzeichen hin, dass sich die Krankheit möglicherweise nicht so schnell ausbreiten wird, wie befürchtet – hoffen wir, dass er Recht behält.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Ergebnisse des Verbraucherpreisindex aus China am kommenden Montag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Der Wahnsinn geht weiter! | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (51/2019)

Neue Höchststände in den USA! Die Rallye geht weiter! Die deutsche Industrie bleibt über das ganze Jahr 2019 in der Rezession! Das Impeachment-Verfahren gegen US-Präsident Trump wurde am Mittwochabend offiziell eröffnet! Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Die deutsche Industrie bleibt weiter in der Rezession

Am vergangenen Montag (16.12.19) wurden die deutschen Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. Im Vergleich zum Vormonat fiel das verarbeitende Gewerbe von 44,1 auf 43,4 Punkte zurück. Seit Anfang des Jahres befindet sich der Einkaufsmanagerindex unter einem Wert von 50 Punkten, was eine Kontraktion der deutschen Industrie darstellt. Doch insgesamt schrumpft die Bedeutung der Industrie in Deutschland. Der Industriesektor macht nur noch 30 Prozent des BIP aus.

Der Servicesektor schlägt sich hingegen weiter wacker. Hier liefen die Geschäfte sogar besser und der Ausblick hellte sich weiter auf. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Dienstleistungssektor von 51,7 auf 52 Punkte an. Allerdings deutet die schwache Entwicklung am Arbeitsmarkt darauf hin, dass es mit dem Aufschwung bei den Dienstleistern im neuen Jahr eher schleppend vorangehen könnte, so Phil Smith von IHS Markit, das Daten- und Informationsdienste für eine Vielzahl von Branchen wie die Automobilindustrie, Energieversorgung, Finanzdienstleistungen, Rüstungsindustrie und Schifffahrt anbietet.

Donald Trump muss sich einem Amtsenthebungsverfahren stellen

US-Präsident Donald Trump wird wegen Machtmissbrauch und Behinderung der Ermittlungen des Kongresses angeklagt. Am vergangenen Mittwochabend wurde das Impeachment-Verfahren eröffnet. Das mit der Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus beschlossene Impeachment-Verfahren gegen ihn sei ohne Grundlage, sagte Trump vor einer Studentenvereinigung in Florida.

Das Verfahren findet vor dem US-Senat statt. Im Senat verfügen die Republikaner von Trump über die Mehrheit. Ein Schuldspruch Trumps erfordert eine 2/3 Mehrheit im Senat. Es gilt als so gut wie sicher, dass US-Präsident Trump nicht verurteilt wird. Noch ist unklar, wann das Impeachment-Verfahren in den Senat kommt.

Das Team von Main Value wünscht Ihnen und Ihrer Familie frohe Weihnachten und für 2020 Gesundheit, Freude und Erfolg im Geschäftlichen wie im Privaten. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Konjunkturerwartungen machen wieder Hoffnung | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (46/2019)

Die Rallye geht weiter! Der DAX hat am vergangenen Freitag die sechste Gewinnwoche in Folge über die Ziellinie gebracht. Über den Atlantik konnten die amerikanischen Aktienmärkte erneut neue Höchststände verzeichnen. Geht die Rallye bis zum Jahresende weiter oder geht den Aktienmärkten kurz vor Weihnachten wieder die Luft aus? Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen machen wieder Hoffnung

Die ZEW-Konjunkturerwartungen gehören zu den wichtigsten Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Dabei handelt es sich um eine Umfrage des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, bei welcher rund 350 Finanzexperten monatlich zur künftigen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auf Sicht von sechs Monaten befragt werden. In der aktuellen Umfrage stiegen die Konjunkturerwartungen für Deutschland sehr stark an und erreichten den besten Wert seit Mai. Im August erreichte der Indexwert für die Konjunkturerwartungen den tiefsten Stand seit Ende 2011. Der starke Anstieg deutet eine Konjunkturwende an.

„Die Hoffnung steigt, dass sich das internationale wirtschaftspolitische Umfeld in der näheren Zukunft verbessern wird. Dies ist der Grund für den starken Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen im November. Die Chancen auf ein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU und damit auf einen geregelten Austritt Großbritanniens sind inzwischen erkennbar größer geworden. Hinzu kommt, dass Strafzölle auf Autoimporte aus der EU in die Vereinigten Staaten weniger wahrscheinlich sind als vor einigen Wochen. Auch eine Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint etwas näher zu rücken“, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Politische Börsen haben kurze Beine

Der eskalierende Handelskrieg zwischen den USA und China, der immer wieder nahende Brexit, der Krieg in Syrien, die Drohnenangriffe auf Ölfelder in Saudi-Arabien, der „Unberechenbare“ im Weißen Haus, und so weiter und so fort. Dabei lautet eine bekannte Börsenweisheit: „Politische Börsen haben kurze Beine“. All diese Themen haben in den vergangenen Jahren die Börsenkurse nur kurzfristig beeinflusst. Langfristig zählen nur die harten Fakte wie Unternehmensgewinne, Wirtschaftswachstum und das Zinsniveau.

Das Wirtschaftswachstum weltweit stabilisiert sich, die Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate sind optimistisch, der Ausblick für die Unternehmensgewinne hellt sich auf, vor allem in Europa, und das niedrige Zinsniveau dürfte uns noch lange begleiten. Die harten Fakten zeichnen ein optimistisches Bild für die Aktienmärkte ab. Wir dürfen uns von den politischen Börsen nicht allzu oft ablenken lassen.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Rede der neuen EZB Präsidentin Lagarde am kommenden Freitag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen





Amerika´s große Show: Das Rennen um die Zwischenwahlen | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (36/2018)

Stiller Widerstand in den eigenen Reihen – wie ein anonymer Gastbeitrag in der New York Times die starke Fassade des US-Präsidenten schwächeln könnte.

Bereits am Montag wurden Auszüge aus einem neuen Buch des Reporters Bob Woodward öffentlich, welche Trump stark kritisierten. Kurz darauf tauchte der anonyme Artikel eines Partisans aus dem Weißen Haus auf, welcher Trump als „prinzipienlos, erratisch und anti-demokratisch“ darstellte. Doch auch weitere Mitarbeiter und Menschen rund um die Regierung beäugen den Präsidenten inzwischen kritisch und misstrauisch.

Für Trump könnte das Spiel relativ schnell enden, falls er bei den bevorstehenden Halbzeitwahlen am 6. November 2018 nicht die Mehrheit der Stimmen erhalten wird. In diesem Falle würden seiner Macht Grenzen gesetzt werden – a lame duck president – und die USA könnte ihn bei den Präsidentschaftswahlen 2020 aus dem Amt wählen.

Stichproben in ganz Amerika stellen aktuell dar, dass die Demokraten mit 48,4 Prozent vor den Republikanern mit 39,9 Prozent der Stimmen stehen.  Die Spanne zwischen den  Ergebnissen ist nicht besonders groß, stellt allerdings dar, wie gespalten die amerikanische Bevölkerung ist – fehlt es dem Land an einer klaren Richtung?

Falls Trumps bei den Zwischenwahlen eingeschränkt wird, stellt sich für die Weltwirtschaft die Frage, ob möglicherweise dadurch die Handelskonflikte beseitigt werden würden.

Wie haben sich die Börsen – im bei den Anlegern unbeliebten September – in der vergangenen Woche entwickelt?

Der deutsche Leitindex DAX verabschiedete sich nach einer schlechten Woche in das Wochenende: Der Index stürzte im Verlauf der Woche kontinuierlich ab und schloss negativ mit -4,4 Prozent bei 11.942,50 Punkten.Der EURO STOXX 50 folgte diesem Verlauf und schloss mit negativen 4,6 Prozent bei 3.282,17 Punkten.Bei den amerikanischen Indizes sah das Bild etwas besser aus: der S&P 500 verlief ebenfalls fallend und schloss mit negativen 1,3 Prozent bei 2.872,36 Punkten. Der Dow Jones hinterlegte einen wechselhaften Verlauf, schloss allerdings zum Ende der Woche positiv mit 0,4 Prozent bei 25.921,80 Punkten. Der Nasdaq Composite Index schloss sich dem S&P 500 an und schloss nach einem ebenfalls fallenden Verlauf mit negativen 2,4 Prozent bei 7.902,54 Punkten.

Der Arbeitsmarktbericht in den USA stellte dar, dass zwar neue Stellen geschaffen wurden, allerdings im Vergleich zu den Vormonaten deutlich weniger. Überraschenderweise fand ein überdurchschnittlich starker Lohnanstieg (+2,9 Prozent) statt – der stärkste Zuwachs in der momentanen Konjunkturphase. Der starke Arbeitsmarktbericht hat zudem den Dollar gestärkt, sodass der Euro unter Druck gesetzt wurde. Der Euro wurde zuvor bereits aufgrund schwacher Konjunkturdaten aus Deutschland belastet. Die Drohungen Trumps, weitere Zölle auf chinesische Importe zu erheben, stimmten den Kurs der europäischen Währung allerdings nicht negativ.

Welche Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche? 

Die 37. Börsenwoche startet mit der Veröffentlichung der Entwicklung der Verbraucherpreise in China. Am Dienstag werden die Daten zu den ZEW-Konjunkturerwartungen in Deutschland für den September preisgegeben. Am Mittwoch folgen die Erzeugerpreise für den Monat August in den USA und am Abend die Konjunkturerwartungen der amerikanischen Notenbank FED (Beige Book). Am Donnerstag erwartet die Eurozone den Zinsentscheid der EZB – insbesondere für den Tendersatz von 0,0 Prozent. Gleichzeitig wird die Entwicklung der Verbraucherpreise des Monats August in den USA veröffentlicht. Abgeschlossen wird die Woche mit den Einzelhandelsumsätzen des Monats August in den USA, sowie das Konsumklima der Uni Michigan.

 

Die türkische Lira – eine tickende Zeitbombe? I Türkei-Kolumne (Teil 1)

Die türkische Lira und Ihr Verfall ist seit Tagen das Hauptthema in den Schlagzeilen – die Börsen haben aufgrund des Währungsverfalls stark gezittert.

Werfen wir einen detaillierten Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes: Auf den ersten Blick sehen wir eine robuste Entwicklung in der Türkei. Das Bruttoinlandsprodukt ist in 2016 um 3,18 Prozent und in 2017 sogar um 7,05 Prozent angestiegen. Für das Jahr 2018 wird ein Anstieg von 849,5 Milliarden US-Dollar auf 909,9 Milliarden US-Dollar prognostiziert (GTAI). Das Wirtschaftswachstum gemessen an der realen, prozentualen Veränderung des Bruttoinlandsproduktes befand sich in 2017 auf einem Höchststand, allerdings wird in den nächsten zwei Jahren ein geringeres Wirtschaftswachstum erwartet.

Von 2008 bis 2017 ist die Inflationsrate auf- und abgestiegen, wobei sie in 2017 von 7,78 Prozent einen Anstieg um ganze 3,36 Prozent auf 11,14 Prozent erlebt hat.

Ein großes Problem stellt die Verschuldung der türkischen Unternehmen in Euro und Dollar dar, denn mit der abgewerteten Lira stellt sich die Rückzahlung als ein kaum überwindbares Problem dar. Mit der fortschreitenden Währungsentwertung steigt die Schuldenlast der Unternehmen und bedroht somit das Überleben einer ganzen Wirtschaft.

Die Brutto-Außenverschuldung stieg in den letzten drei Jahren kontinuierlich an: von 408,2 Milliarden US-Dollar in 2016 auf 453,2 Milliarden US-Dollar in 2017. Die Devisenschulden betragen momentan ca. 250 Milliarden US-Dollar, von denen 180 Milliarden in den nächsten zwölf Monaten fällig sind. Dementsprechend stellt die hohe Verschuldung in ausländische Währungen ein Problem für das gesamte Finanz- und Wirtschaftssystem dar – insbesondere aber für engagierte europäische Banken.

Besonders die spanischen Banken sind im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der Türkei aufgrund eines Kreditengagements in Höhe von 80,9 Milliarden Euro betroffen. Deutschland ist im Vergleich „lediglich“ mit 12,7 Milliarden Euro in der Türkei investiert.

Die Entwicklung der Lira wird nun seit mehreren Wochen nicht nur von den Finanzakteuren, sondern auch von dem türkischen Volk verfolgt.

Versuchen die 80 Millionen (Stand 2017) in der Türkei lebenden Menschen, die türkische Lira gegen die harten Währungen Euro und Dollar umzutauschen? Erdogan verlangt von seinem Volk, dass diese ihre harten Währungen gegen die türkische Lira umtauschen, damit eine weitere Abwertung der Lira verhindert wird. Der Wertverlust der Lira betrug innerhalb von sechs Monaten (Stand 17. August 2018) ca. 45,91 Prozent (USDTRY).

Bei der jüngsten Kabinettsumbildung im Juni hat Erdogan den Finanzminister Mehmet Simsek entlassen und seinen Schwiegersohn Berat Albayrak für diese Position platziert. Albayrak verkündete mitten in der Krise ein neues, nachhaltigeres Wirtschaftsmodell. Er konnte die Märkte allerdings aufgrund fehlender Konkretisierung nicht überzeugen. Das neue Modell beinhaltet die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank vom Staat und soll die Staatsausgaben reduzieren, sowie die Inflation bekämpfen. Albayrak wirft dem Westen vor, die Türkei bewusst zu schwächen: „Der Westen setzt Euro und Dollar als Waffen gegen die Türkei ein.“
Der Kurs der türkischen Lira erholte sich, nachdem die türkische Zentralbank den Kreditinstituten eine ausreichende Liquiditätsversorgung in Lira zugesagt hat. Dafür würden beispielsweise an Tagen mit hohem Finanzierungsbedarf mehrere Rückkaufaktionen von Seiten der Zentralbank durchgeführt. Zudem wies die Zentralbank darauf hin, dass zusätzlich zum US-Dollar auch Euro zur Lira-Absicherung genutzt werden könnte.

Was hat dazu geführt, dass sich die Türkei in Richtung einer Schulden- und Wirtschaftskrise bewegt? Sind die milliardenschweren Investition in die Infrastruktur in der Türkei, das niedrige Zinsumfeld und die starke Kreditvergabe Gründe für die Überhitzung der türkischen Wirtschaft?

Als Auslöser der Krise könnte der Streit zwischen den USA und der Türkei aufgrund der Festnahme des amerikanischen Pastors Andrew Brunson angenommen werden. Brunson sitzt seit Oktober 2016 wegen Spionage- und Terrorvorwürfen im türkischen Hausarrest und Trump dringt seither auf seine Freilassung. „Wir werden nichts für die Freilassung eines unschuldigen Mannes zahlen. Aber wir setzen bei der Türkei nach.“ so Trump auf Twitter. Aufgrund dieser Entwicklung entschied sich Trump Anfang August, Sanktionen gegen den türkischen Justiz- und den Innenminister zu verhängen. Zudem verdoppelte er die Höhe der Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte, weshalb die Lira-Krise sich verschärfte. Erdogan rief daraufhin das türkische Volk auf, die harten Währungen in türkische Lira umzutauschen, amerikanische Elektrogeräte wie beispielsweise Apple zu boykottieren und er ließ zudem ebenfalls Zölle auf amerikanische Produkte erheben. Betroffen sind amerikanische Autos (120 Prozent), Alkoholika (140 Prozent), sowie Tabak (60 Prozent) und Kosmetika.

Die Entwicklung der „Türkei-Krise“ ist von weltweiter Relevanz und es bleibt abzuwarten, ob die Staatsherren Trump und Erdogan das Risiko friedlich beenden werden oder ob uns eine weitere Staatspleite wie in Griechenland bevorsteht.

 

Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (28/2018)

Die teuerste Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte ist bald beendet: das Finale zwischen Frankreich und Kroatien findet heute im Luschniki-Stadion in Moskau statt. Die Kosten für die Weltmeisterschaft in Russland werden inzwischen auf zehn Milliarden Euro beziffert.

Doch werfen wir nun einen Rückblick auf das Geschehen auf den Märkten diese Woche: Der deutsche Leitindex DAX erlebte einen ruhigen Start in die Woche. Doch Mitte der Woche wurde die ruhige Lage dank neuer Nachrichten aus den USA beendet – der DAX rutschte zeitweise bis auf 12.420 Punkte ab. Gegen Wochenende erholten sich die Märkte allerdings wieder, weshalb der DAX trotz eines Auf- und Absteigens positiv mit 12.547,00 Punkte schloss, einem Wochenplus i.H.v.  0,9 Prozent. Der EURO STOXX 50 erlebte einen ähnlichen Verlauf und schloss mit 3.454,54 Punkten mit einer Steigerung um 1,3 Prozent. Die amerikanischen Leitindizes S&P 500 und Nasdaq hatten eher ruhige Verläufe im Laufe der Woche: der S&P 500 gewann um 2,8 Prozent auf 2.801,31 Punkte und der Nasdaq sogar um 3,6 Prozent auf 7.825,98 Prozent. Der Dow Jones 30 Industrial hingegen folgte den europäischen Märkten und war uneinheitlich – er schloss mit einem Gewinn um 1,5 Prozent auf 25.019,41 Punkte.

Je nachdem, welcher Tweet von Trump oder anderen Akteuren der Weltwirtschaft und -politik veröffentlicht wird, reagieren die Märkte: der DAX folgt einem auf und ab, die Wochengewinne der Indizes sind somit wegen der Nachrichten stets gefährdet. Doch das beherrschende Thema ist und bleibt weiterhin der HANDELSKONFLIKT, welcher die Weltwirtschaft weiterhin gefährdet. Die Drohungen der USA, eine Liste mit weiteren Zöllen auf chinesische Importgüter zu veröffentlichen, wurde diese Woche tatsächlich wahrgemacht: Güter im Wert von 200 Milliarden US-Dollar, auf die weitere Zölle von zehn Prozent geplant sind. Diese sollen spätestens im September in Kraft treten.

Der Ölpreis hat diese Woche unter dem Handelskonflikt stark gelitten, erholten sich allerdings schnell wieder. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete zuletzt 75,19 Dollar und war somit 74 Cent teuer als am Tag zuvor. Der Preis für ein Barell West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im August stieg auf 70,76 Dollar, 43 Cent teuer. Experten prognostizieren bis Jahresende einen Ölpreisanstieg auf bis zu 80 US-Dollar pro Barrel.

Der Eurokurs hat diese Woche unter dem starken US-Dollar gelitten: am Freitag fiel der Referenzkurs auf 1,1658, während der Dollar bei 0,8589 notierte. Der Dollar legte zu den meisten anderen relevanten Währungen deutlich zu. Doch die Stimmung auf dem Devisenmarkt bleibt weiterhin fragil – eine Entspannung erwartet hier harte Fakten im Handelskonflikt. Auch der britische Pfund war unter Druck, da Trump die weiche Brexit-Strategie der britischen Premierministerin Theresa May kritisierte.

Theresa May erhielt die Zustimmung des Kabinetts, einen weichen Brexit durchzuführen. So sollen zukünftig die Briten EU-Standards und das EU-Recht bei Industrie- und Agrargütern berücksichtigen und somit effektiv in einer Zollunion bleiben. Allerdings sind Dienstleistungen von dieser Regelung ausgeschlossen. Die Entscheidungen führten dazu, dass konservative Politiker wie der Brexit-Minister David Davis und Außenminister Boris Johnson auf Ihr Amt verzichteten.

Negative Nachrichten erhielt die Türkei am Freitagabend von der Ratingagentur Fitch: diese stufte die Türkei-Bonität aufgrund der sich verschärfenden Abwärtsrisiken der makroökonomischen Stabilität, des steigenden Haushaltsdefizits, der sich weiter abwertenden Lira und der steigenden Inflation auf BB (zuvor BB-) ab.

In der Kalenderwoche 28 erwartet uns am Mittwoch in der Eurozone der Verbraucherpreisindex, am Mittwoch wird das FED Beige Book veröffentlicht sowie am Donnerstag der Philadelphia-FED-Index für den Juli 2018 und am Freitag die Erzeugerpreise in Deutschland. Weiterhin bleibt unser Augenmerk auf den Entwicklungen im Handelskonflikt.

Emerging Markets oder Emerging Krise? Droht der nächste Crash an den globalen Märkten?

Schwellenländer bieten viel Wachstumspotenzial für Investoren – so zumindest galt es bisher an den Märkten.

Nach den Prognosen bekannter Experten, wie beispielsweise Mark Mobius und Paul Krugman, wurde milliardenschwer in die sogenannten Emerging Markets investiert, da diese einen vielfachen Gewinn versprachen.

Doch mit den ersten sichtbaren Krisen droht ein gegenteiliges Szenario für Investoren: beginnend mit den regelmäßigen politischen Problemen und der hohen Inflationsrate von beinahe 11 Prozent in der Türkei könnte ein Kaskadeneffekt in weiteren Schwellenländern ausgelöst werden. Die Experten vergleichen die Situation in der Türkei, Argentinien oder Brasilien mit der Krise von 1997/ 98, als die heimischen Währungen immer mehr an Wert verloren haben, die Schulden der Unternehmen deutlich anstiegen und die Wirtschaft zu wünschen übrig ließ. Die Türkei und Argentinien weisen beispielsweise sowohl hohe Schulden in US-Dollar, als auch politische Probleme auf.

Besonders hoch ist die Verschuldung der Unternehmen in US-Dollar – laut Reuters betragen diese ca. 3,7 Billionen US-Dollar, davon 530 Milliarden Dollar durch chinesische Unternehmen, 200 Milliarden Dollar durch die Türkei und 150 Milliarden Dollar durch Argentinien. Die steigenden Treasury-Renditen, der Abfluss von Investitionsgeldern aus den Schwellenländern und vor allem der immer stärkere Dollar intensivieren die obig genannten Probleme deutlich.

Mit stärkerem Dollar werden die Schwellenländer zudem Schwierigkeiten haben, die US-Dollar Schulden zurückzuzahlen, denn die Schulden müssen mit US-Dollar beglichen werden, welches nun deutlich teurer ist.

Autorin und Image: Demi Çelik, EVE Cartoons