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Auch im neuen Jahr werden uns die alten Themen begleiten | Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski, Dezember 2019

Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski | Leiter Research und stellvertretender Leiter Portfoliomanagement und Handel, AMF Capital AG | www.amf-capital.de

Das Jahr 2019 liegt hinter uns, doch die Themen, die das vergangene Jahr beherrschten, werden uns auch im Jahr 2020 weiterhin begleiten.

Mit dem Wahlsieg der Tories ist Boris Johnson kurz vor seinem Ziel. Der Brexit wird am 31. Januar vollzogen und stellt das Ende der 47-jährigen Mitgliedschaft der Briten in der EU dar. Doch wer sich darauf freut, dass dieses leidige Thema endlich ad acta gelegt werden kann, der dürfte schwer enttäuscht werden. Denn jetzt ist die Zeit gekommen ein Handelsabkommen mit den EU-Staaten auszuarbeiten und dafür hat sich Johnson einen ambitionierten Zeitrahmen gesetzt. Bis Ende 2020 soll das Handelsabkommen mit den verbleibenden 27 EU-Staaten stehen und Johnson versprach den Briten das ohne Zölle mit der EU zu realisieren. Immerhin hatte der Wahlsieg von Johnson schon mal einen positiven Effekt, die Ratingagentur Standard & Poor’s hat ihren Ausblick für Großbritannien von „negativ“ auf „stabil“ erhöht.

Auch der Handelskonflikt zwischen China und den USA dürfte uns noch eine Weile begleiten. Immerhin wird am 15. Januar – nach Aussagen von Trump – ein Phase-Eins-Abkommen der beiden Länder unterzeichnet. In dem Abkommen hat sich China verpflichtet geistiges Eigentum zu schützen und die Importe aus den USA in den kommenden zwei Jahren um 200 Mrd. USD zu erhöhen. Dafür wird Trump einige eingeführte Zölle wieder senken und auf weitere Importzölle verzichten. Wie lange die beiden Streithähne für ein Phase-Zwei-Abkommen brauchen steht jedoch in den Sternen, es scheint allerdings so, dass die Hürden hierfür um einiges höher liegen. Es bleiben viele Punkte im bilateralen Handelsverhältnis weiterhin strittig.

Damit dürfte das Jahr 2020 weiterhin von der Politik geprägt bleiben und sich die Märkte mehr um die politische Entwicklung sorgen als sich wirklich auf die Unternehmensmeldungen zu konzentrieren.

Konjunktur

Christine Lagarde präsentierte sich auf ihrer ersten EZB-Sitzung souverän und machte deutlich, dass sie ihre eigene Art hat die Notenbank zu führen. Doch an der Ausrichtung von „Super Mario“ Draghi wird sich auch unter ihr nichts ändern. Der Markt wird weiterhin mit Liquidität geflutet werden und eine Abkehr dieser Strategie ist nicht in Sicht. Die Notenbank wird jedoch im Januar ihre geldpolitische Strategie überprüfen und einige Monate dafür in Anspruch nehmen. Das letzte Mal, dass es zu einer Überarbeitung kam war im Jahr 2003. Seit diesem Zeitpunkt wird ein Inflationsziel von nahe 2% angestrebt, wobei das Ziel der EZB kontinuierlich seit 2013 verfehlt worden ist. – Die Projektionen für das Wirtschafswachstum und die Inflationsrate wurden nur marginal angepasst. Die Notenbank geht für 2020 von einem BIP von 1,1% aus, welches in 2021 und 2022 jeweils auf 1,4% ansteigen sollte. Bei der Inflationsrate rechnet die EZB mit einer Rate von 1,1% in diesem Jahr bzw. 1,4% in 2021 und 1,6% in 2022. Somit wird selbst nach der eigenen Projektion das aktuelle Ziel von nahe 2% nicht erreicht werden.

Die Zahlen zum US-Arbeitsmarkt werden vom Markt immer mit viel Spannung betrachtet, schließlich ist er richtungsweisend für die US-Konjunktur. Für den Monat November präsentierte sich der Arbeitsmarkt weiterhin in bester Verfassung. Insgesamt wurden 266.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft (erwartet: 180.000 Stellen) geschaffen. Zwar muss dabei berücksichtigt werden, dass es einen Sondereffekt von ca. 50.000 Stellen gab, da in dem Zeitraum das Ende eines Streiks beim Autobauer General Motors lag, doch selbst wenn dieser Effekt rausgerechnet wird, zeigt sich ein sehr robustes Bild. – Zudem ging die erhobene Arbeitslosenquote auf 3,5% zurück. Damit dürfte sich auch die US-Notenbank bestätigt sehen, das vorerst nicht weiter an der Zinsschraube gedreht werden muss.

Anfang Dezember traf sich die OPEC+, die aus den 14 Mitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) besteht sowie 10 weiteren nicht OPEC-Mitgliedern. Die Führung unter den OPEC-Staaten hat Saudi-Arabien als der größte Ölproduzent inne, während Russland das Schwergewicht unter den Nicht-OPEC-Staaten stellt. Bei dem Treffen in Wien beschlossen die OPEC+ Staaten eine Kürzung der Produktion von 500.000 Barrel Öl pro Tag (BpT). Bereits vor einem Jahr sprachen sich die Mitgliedsstaaten für eine Kürzung der Produktionsmenge aus, um die Überproduktion zu schmälern und der geringeren Nachfrage Rechnung zu tragen. Insgesamt beläuft sich die zugesagte Kürzung auf 2,1 Mio. BpT gegenüber Oktober 2018. Fundamental wird diese Kürzung jedoch nicht zu steigenden Ölpreisen führen, denn nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die Nachfrage nach OPEC-Öl im ersten Halbjahr 2020 bei 28,3 Mio. BpT liegen, wohingegen das Kartell nach eigenen Angaben aktuell 29,7 Mio. BpT produziert. Zudem heißt eine Einigung nicht, dass sich auch alle die Absprache halten.

Was die Ölpreise allerdings nach oben katapultieren könnte, ist eine Verschärfung der Eskalationsstufe zwischen den USA und dem Iran. Nach der Ermordung von Qasem Soleimani hat bereits Irans Präsident Hassan Rohani einen Vergeltungsschlag angekündigt. Außerdem hat der Iran in der Vergangenheit immer wieder damit gedroht, die strategisch wichtige Straße von Hormus abzuriegeln. Durch diese Meeresenge werden täglich allein ca. 20% der Weltweiten Tagesproduktion verschifft. Es könnte damit eine Spirale ausgelöst werden, die das Potential hat die Ölpreise kräftig anzutreiben.

Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Konjunkturrückblick mit Markus Mitrovski.






Powell-Put und die Achterbahn der Ölpreise | Die Kapitalmärkte im Fokus – Wochenüberblick (38/2019)

Es bleibt nicht langweilig an den Börsen! Die vergangene Handelswoche wurde von zwei Themen dominiert: die Leitzinssenkung der Fed und die Drohnenangriffe auf Saudi-Arabiens wichtigsten Ölanlagen. Werfen wir einen Blick darauf, was vergangene Woche die Märkte bewegte.

Ölpreise nehmen Investoren auf eine wilde Reise mit

Es war die wildeste Achterbahnfahrt für die Ölpreise in der jüngsten Vergangenheit. Die Preise stiegen an, fielen wieder und stiegen anschließend am Donnerstag und Freitag moderat wieder an. Grund dafür waren die Drohnenangriffe auf Saudi-Arabiens Ölanlagen. In den frühen Morgenstunden des 14. Septembers wurden zwei der wichtigsten Ölanlagen Saudi-Arabiens – Aramcos Abqaiq und Khurais – durch eine Reihe von Drohnenangriffe in Brand gesetzt. Dadurch wird die Ölproduktion zunächst um 5,7 Millionen Barrel pro Tag reduziert.

Der Ölpreis stieg am vergangenen Montag um 14,61 Prozent an. Saudi-Arabien berichtet jedoch, dass die Ölproduktion bis Ende September wieder normalisiert wird. Es ist noch nicht klar, wer für die Angriffe verantwortlich ist, deshalb werden wir (Main Value) uns vorerst nur auf die Fakten beziehen.

Powell kann es Präsident Trump immer noch nicht recht machen

Zum zweiten Mal in Folge hat die amerikanische Notenbank Fed den Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt. Der Leitzins ist der Zinssatz zu dem sich US-Geschäftsbanken bei den Zentralbanken refinanzieren können. Somit liegt der Leitzins in der Spanne zwischen 1,75 bis 2 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell hat sich von seiner aggressiven Haltung gegenüber Zinserhöhungen zu einer vorsichtigen Haltung in wenigen Monaten entwickelt, da sich die finanziellen Bedingungen u.a. aufgrund des Handelskrieges geändert haben.

Präsident Trump schien mit der moderaten Zinssenkung der Notenbank nicht zufrieden zu sein, denn Trump ist der Ansicht, dass die Notenbank die Zinsen auf null oder tiefer senken sollte. Schon zu Zeiten der Finanzkrise 2008 wurde ein Negativzinsszenario ausgeschlossen. Die US-Wirtschaft sei weiterhin „moderat“, so Powell während seiner Rede am vergangenen Mittwoch. Die Arbeitslosenquote mit 3,7 Prozent ist an ihrem tiefsten Punkt seit 50 Jahren.

Wir warten gespannt auf die kommende Woche und vor allem auf die Veröffentlichung des US-Bruttoinlandprodukts am kommenden Donnerstag. Seien Sie gespannt auf unseren nächsten Wochenrückblick.

Wie haben sich die Börsen in der vergangenen Woche entwickelt?

Welche wichtigen Konjunkturdaten und Termine erwarten die Anleger in der kommenden Börsenwoche?


Quellen: Bloomberg, Reuters, Guidants, finanzen.net, OnVista, aktuelle Tageszeitungen/ Onlinezeitungen